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Jutta Ditfurth zur Frankfurter Buchmesse: „Rechtsradikale Verlage ausschließen“

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Von: Florian Leclerc

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Jutta Ditfurth ist Antifaschistin und hat zu Rechtsradikalismus publiziert.
Jutta Ditfurth ist Antifaschistin und hat zu Rechtsradikalismus publiziert. © Christoph Boeckheler

Wie soll die Frankfurter Buchmesse mit rechten Verlagen umgehen? Sie soll die Verlagsprogramme prüfen lassen und meinungsbildende Veranstaltungen anbieten, sagt Jutta Ditfurth.

Die Buchmesse 2021 wurde von Jasmina Kuhnke und weiteren Schwarzen Autorinnen und Autoren wegen der Anwesenheit des rechten Kleinverlags Jungeuropa boykottiert. Der Kulturausschuss im Frankfurter Römer debattierte nun mit Buchmesse-Direktor Juergen Boos über den künftigen Umgang mit rechten Verlagen auf der Messe. Jutta Ditfurth (Ökolinx) macht Vorschläge.

Frau Ditfurth, wie sollte Ihrer Ansicht nach die Frankfurter Buchmesse denn in diesem Jahr mit den rechten Verlagen umgehen?

Nicht so wie beim letzten Mal. Bitte kein Gerede mehr davon, was „wir“ angeblich alles aushalten müssten: den Einschluss von rechtsradikalen Verlagen. Und dann gab es noch warme Worte für die von Rassismus Betroffenen, denen man gleichzeitig vorwarf, alles zu tragisch zu nehmen. Der weiße privilegierte Teil der Gesellschaft ignoriert zu oft, dass People of Color täglich rassistische Erfahrungen machen.

Frankfurter Buchmesse sollte ein sicherer Raum für BPoC sein

Die Buchmesse hat es also versäumt, die Betroffenenperspektive einzunehmen, und sollte sichere Orte, Safe Spaces, schaffen?

Safe Spaces für Schwarze Menschen wären abgeschottete Bereiche. Schwarze Autor:innen müssten umringt von Security über die Messe laufen. Keine schöne Messe für sie.

Also sollte die ganze Buchmesse ein Safe Space sein?

Ja, die gesamte Buchmesse sollte ein sicherer Raum sein für BPoC (Black and People of Color), Menschen mit Kippa oder andere mögliche Opfer von Nazis. Die Buchmesse kann nur dann ein solcher Ort sein, wenn rassistische, völkische, antisemitische Verlage rausgehalten werden. Denn so ein Stand wie der von Jungeuropa ist immer auch eine organisatorische Andockstelle für andere Nazis, die dann gemeinsam über die Messe ziehen und eine Gefahr sind.

Zur Person

Jutta Ditfurth (70) ist in Frankfurt Stadtverordnete von Ökolinx und setzt sich als Aktivistin und Publizistin unter anderem mit Rechtsradikalismus auseinander. Derzeit schreibt sie an ihrem neuen Buch. fle

Frankfurter Buchmesse: Jutta Ditfurth will rechte Verlage ausschließen

Sie werben dafür, die rechten Verlage auszuladen. Wie soll das rechtlich gehen?

Viele haben nur eine moralische Igitt-Haltung gegen Nazis, können aber moderne rechtsradikale Aussagen, Chiffres und Codes nicht entziffern. Andere haben ein wabbeliges Verständnis von Meinungsfreiheit, wissen aber gleichzeitig nicht, welches Menschen- und Weltbild Nazis haben, wie sie denken und schreiben, bevor sie offen die Vernichtung ihrer Gegner:innen planen.

Ist eine stärkere Auseinandersetzung mit den Buchtiteln und den Personen aus dem Kreis der rechten Verlage erforderlich?

Die Buchmesse sollte die Öffentlichkeit frühzeitig informieren, welche Verlage im Anmeldeverfahren sind. Es würde reichen, rechte Verlagsprogramme in ihrer Hauptlinie zu bewerten, man muss nicht jedes einzelne Buch lesen. Wer ist der Betreiber des Verlags? Ist er mit organisierten rechtsradikalen Kreise verbunden? Wie tritt er im Netz und auf der Straße auf? Das können Historiker:innen, Wissenschaftler:innen und erfahrene Antifaschist:innen ohne Probleme in kurzer Zeit herausarbeiten.

Kann die Buchmesse das alleine leisten?

Nein. Die Buchmesse muss sich Unterstützung holen. Ich schlage drei große öffentliche Veranstaltungen zwischen Ostern und Sommer vor, auf denen qualifizierte Auseinandersetzungen stattfinden, die der Öffentlichkeit bei der Meinungsbildung helfen und gleichzeitig einen Rückhalt für die Buchmesse schaffen, wenn sie dann hoffentlich energisch politisch und juristisch gegen rechtsradikale Verlage vorgeht. (Interview: Florian Leclerc)

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