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Jutta Ditfurth über rassistische Aussagen von SPD-Politker Bäppler-Wolf: „Die Reaktion der SPD ist feige“

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Von: Georg Leppert

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Die Ökolinx-Stadtverordnete Jutta Ditfurth spricht im FR-Interview über die Folgen des rassistischen Videos des Sozialdemokraten Thomas Bäppler-Wolf.

Knapp eine Woche ist es her, dass der SPD-Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf eine Videobotschaft über die Krawalle an Silvester veröffentlicht hat. Darin forderte er, die Täter gehörten „eingesperrt und dahin zurückgeschickt, wo sie herkommen“. An anderer Stelle verglich er Randalierer mit Affen. Jutta Ditfurth, Fraktionschefin von Ökolinx-ELF im Frankfurter Römer, sieht Bäppler-Wolfs Partei in der Pflicht.

Frau Ditfurth, erst veröffentlicht der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf ein Video, in dem er über Migrant:innen pöbelt. Dann zieht er es zurück, weil er sich nicht von Rechten vereinnahmen lassen wolle. Wie glaubwürdig ist seine Erklärung?

Ein Rassist muss nicht von Rassisten vereinnahmt werden, er gehört zu ihnen. Bäppler ist kein Junge, der in einem rechten Umfeld aufgewachsen ist und rassistischen Dreck ablässt, weil er noch nichts gelernt hat. Er ist ein älterer Mann, langjähriger SPD-Politiker und hätte seit 30 Jahren aus den Debatten in der Gesellschaft und sogar im Stadtparlament lernen können, welch mörderische Gefahr rassistische Entwertung für die Betroffenen bedeutet. Das wollte er offensichtlich nicht. Es ist, als ob sein Kopf ein Magnet ist, dem nur rassistische Bilder und Satzfetzen zufliegen wie Eisenspäne.

Jutta Ditfurth ist Fraktionschefin von Ökolinx-Elf im Römer.
Jutta Ditfurth ist Fraktionschefin von Ökolinx-Elf im Römer. © boeckheler.com

In Bäppler-Wolfs Video entsteht der Eindruck, die meisten Verdächtigen seien Migranten. Das scheint aber an den Fakten vorbeizugehen ...

Er will nicht wissen, dass die Mehrheit der Böllerer, die sich und andere an Silvester zum Teil schwer verletzt haben, deutsche weiße „Kartoffeln“ sind. Das wurde ja sofort nachgewiesen. Ein Rassist ist Bäppler alias Bäppi La Belle ja auch, weil er für Böllerer mit Migrationsgeschichte – ob deutsche Staatsbürger oder nicht – nicht nur Strafe, sondern als Extra-Strafe die Abschiebung forderte. Rassismus bedeutet die Entwertung von Menschengruppen, und das kann für die Betroffenen tödlich sein.

Überrascht es Sie, dass sich ein Stadtverordneter der SPD derart rassistisch äußert?

Leider nicht. Das hat eine lange Tradition. Es gibt in der SPD ja ideologische Andockstellen Richtung Rassismus, durch nationalistische Positionen etwa. Erinnern Sie sich an Thilo Sarrazin? Oder an all die Teilmilieus von SPD-Wähler:innen in westdeutschen Städten, die in den 1980ern zu Wähler:innen der rechtsradikalen Republikaner wurden? Aber es gibt in der SPD gleichzeitig auch viele aufrichtige Antirassist:innen. Die haben in Frankfurt jetzt ein heftiges Problem.

Ist Bäppler-Wolf als Fraktionsmitglied der SPD noch tragbar?

Die Frankfurter SPD wird jetzt mit ihrem Verhalten allen von Rassismus Betroffenen zeigen, wer sie ist. Sie müsste Thomas Bäppler-Wolf zwingen, Konsequenzen zu ziehen. Aber ich fürchte, sie sind zu schwach. Das wird an ihnen kleben bleiben.

Aus der Führung der SPD heißt es, es gebe in der Partei kein Rassismusproblem, ein Ausschluss von Bäppler-Wolf sei kein Thema. Wie bewerten Sie diese Reaktion?

Feige.

Thomas Bäppler-Wolf sorgt für Empörung im Frankfurter Rathaus.
Thomas Bäppler-Wolf sorgt für Empörung im Frankfurter Rathaus. © Peter Jülich

Die Grünen halten die SPD-Reaktion für unzureichend. Die Koalition stellen sie aber nicht infrage. Wird Bäppler-Wolf zur Belastung für die Koalition?

Die Grünen haben noch nie eine Koalition oder eine Regierungsbeteiligung infrage gestellt, wenn es um so etwas Wichtiges wie Rassismus geht.

Der SPD-Kandidat Mike Josef hat Bäppler-Wolfs Wortwahl scharf kritisiert und auf seine eigene Migrationsgeschichte verwiesen. Wird das Thema im OB-Wahlkampf eine Rolle spielen?

Der Sozialdemokrat Bäppler hat die heiße Phase des OB-Wahlkampfs mit Rassismus eröffnet, was OB-Kandidaten der Rechtsradikalen und Nazis bisher nicht zu tun wagten. Dass er sich auch noch damit herauszureden sucht, dass er zwei bis drei Freunde mit sogenanntem Migrationshintergrund hat, ist widerlich. So sprechen auch Antisemiten, die als vermeintlichen Beweis dafür, dass sie keine Antisemiten sein können, einen jüdischen Bekannten vorschieben. OB-Kandidat Mike Josef müsste in seinem eigenen politischen Interesse Konsequenzen für Bäppler verlangen. (Interview: Georg Leppert)

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