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Ganz in Weiß mit Tolle: Justin Bieber bei seinem Konzert in der Frankfurter Festhalle.
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Ganz in Weiß mit Tolle: Justin Bieber bei seinem Konzert in der Frankfurter Festhalle.

Justin Bieber in Frankfurt

Justin Bieber - Der kann was

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Justin Bieber hat es nicht leicht. Seine Freundin ist ihm weggelaufen, Fans sind ihm wegen seines Affenbabys böse, und die Paparazzi nerven sowieso. Doch in Frankfurt ist die Welt für den Teeniestar noch in Ordnung. Der 19-Jährige rockt bei seinem Konzert die Festhalle.

Liebe Pauline, danke für Deine E-Mail, in der Du Dich kritisch mit der bisherigen Berichterstattung über die Deutschlandtournee von Justin Bieber auseinandersetzt. Du rätst uns Journalisten, einmal etwas Gutes über ihn zu schreiben – nicht nur Sachen wie: Die Fans sind alle erst zwölf Jahre alt, und Justin Bieber springt halbnackt auf der Bühne herum. „Vielleicht“, schließt Du, „sind Sie ja 12 und sitzen halb nackt da und schreiben diesen Artikel!“

Hach, wäre das schön. Dabei gibt es kaum einen Moment im Leben, in dem man sich so alt und so dick angezogen fühlen kann wie vor einem Justin-Bieber-Konzert, wenn alle Kollegen seit Tagen feixen: „Was, duuuuu gehst zu Justin Bieber?“ Als wäre man nicht auch schon bei Tokio Hotel gewesen oder sagen wir: bei James Blunt. Das fand damals noch niemand komisch.

Rekordlänge vor dem Mädchenklo

Draußen vor der Frankfurter Festhalle ist um 18.25 Uhr alles voller abgeworfener Wolldecken und Limoflaschen, drinnen erreicht die Schlange vor dem Mädchenklo Rekordlänge. Um Punkt 18.30 Uhr beginnt die Vorgruppe Neon Dogs (Alter: ca. 15) und jagt einen ersten heftigen Kreischer durchs Publikum. Gelegenheit für die milde lächelnden Väter und solche, die es sein könnten, sich an die erste Begegnung mit dem Film „Moby Dick“ zu erinnern. Damals ging der junge Zuschauer nach draußen zum Spielen, nachdem der Wal in seine Einzelteile zerlegt war. Jahre später erfuhr er, dass es noch einen weiteren Wal in dem Film gab. Einen weißen.

In der Festhalle dauert es nicht Jahre, aber doch Stunden, bis der Weiße schließlich auf die Bühne tritt. Stunden, in denen immer wieder Mädchen entkräftet aus der Halle geführt werden, weil sie mitunter seit dem Vortag auf ihren Helden warten. Stunden, in denen jede Erwähnung des Namens Justin Bieber einen gemeinsamen Schrei auslöst, so laut, dass man darüber nachdenken sollte, den Maßeinheiten Watt und dB eine übergeordnete zur Seite zu stellen, vielleicht JB.

Liebe Pauline, versprochen, wir von der Frankfurter Rundschau schreiben etwas Gutes über Justin Bieber. In der Halle herrscht eine wunderbar aufgedrehte und verrückte Stimmung. Vorne die Fans, hinten die Eltern mit der Capri-Sonne. Das erste große Popkonzert im Leben ist erwiesenermaßen das Tollste, was es gibt, und offenbar steigert sich das noch dadurch, dass es erst knapp vier Stunden nach Hallenöffnung beginnt. Irgendwann hat das Rufen und Pfeifen und Buhen seine Wirkung, irgendwann kracht plötzlich ein Donnerschlag in den Saal, und eine Digitaluhr zählt die letzten zehn Minuten herunter. 10.000 Smartphones filmen die letzten 60 Sekunden, dann schwebt Justin Bieber als weißer Engel mit Riesenflügeln (und Sonnenbrille) herein, und alle Mädchen sind im Himmel, alles ist Licht und Laser und Blitz und Explosion.

Festhalle wird zum Kreischhaus

Als erstes Lied singt der junge Mann „All Around The World“ vom 2012er Album „Believe“. Zehn Tänzer wirbeln um ihn herum, die Band rockt im ersten Stock, die Bühne ist ein Spektakel an Effekten und Videowänden. Mal verwandelt sie sich in eine Unterwasserwelt, mal in einen Spielautomaten, mal in die Bronx und dann wieder in die Kulisse einer wilden Verfolgungsjagd. Aber stets verwandelt das, was auf der Bühne geschieht, die Festhalle in ein Kreischhaus.

Nach dem zweiten Song, „Take You“, nimmt Justin Bieber die Sonnenbrille ab und zieht die Jacke aus, was die Kuscheltier- und Damenunterwäschehaltigkeit der Luft rund um die Bühne deutlich erhöht. Am Ende des Liedes verschwindet der Star jedes Mal so plötzlich, wie er zum nächsten Stück wieder auftaucht, sei es auf der Leinwand oder in echt. Einmal hat er einen Regenschirm dabei, der von innen beleuchtet ist. Praktisch! Zu „Be Alright“ fährt er mit einer langen Gangway fast 360 Grad durch die Halle und kommt den Mädchen im ersten Rang ganz nah. Sie singen völlig losgelöst mit, verstrubbeln sich die Haare, reißen sich die T-Shirts hoch oder stehen einfach nur still weinend da. Wen das nicht rührt, der hat kein Herz.

Wie hält er das aus?

Zur Ballade „Fall“ spielt Justin Bieber Gitarre, später begleitet er sich selbst auf dem Klavier, er haut ein Schlagzeugsolo hin, dass der Kenner anerkennend nickt. Der kann was. Er könnte noch ein bisschen lockerer sein, ein bisschen selbstironischer vielleicht. Das kommt irgendwann mit der Erfahrung. Aber das größte Kompliment muss man Justin Bieber dafür machen, dass er das aushält: Jeden Tag in einer anderen Stadt vor Tausenden Mädchen zu stehen, die seinetwegen weinen, sogar in Ohnmacht fallen und weggetragen werden müssen, wenn er „Never Say Never“ singt, „One Less Lonely Girl“ oder „Baby“. Wie hält er das aus? So jung? Hoffentlich hält er das aus. Es ist die größere Herausforderung als zu verkraften, dass sein Hamster kürzlich starb und sein Äffchen vom Zoll beschlagnahmt wurde.

Liebe Pauline, es waren 90 aufwühlende Minuten, auch für den halbnackten Opa mit dem Schreibblock. Und wir machen Justin nicht nieder, versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Was sonst passiert, sieht man an dem Kommentar auf der Website der taz, als sie kürzlich über die Sache mit dem Kapuzineräffchen berichtete: „01.04.2013 12:41 Uhr von Joline: Justin Biebers Affe ist nicht blöd.“

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