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Junge Leute in Frankfurt üben „knallharte System-Kritik“

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Von: Anja Laud

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Die Jugendlichen bei der Probe im Weltkulturen Museum, hier vor einer Installation des Künstlers Alejandro Durán.
Die Jugendlichen bei der Probe im Weltkulturen Museum, hier vor einer Installation des Künstlers Alejandro Durán. © Peter Jülich

Das Perfomance-Projekt des Jungen Schauspiels in Frankfurt feiert im Weltkulturen Museum Premiere. Jugendliche beschäftigen sich darin mit den großen Krisen der Welt.

Vor einer Installation des Künstlers Alejandro Durán, die er aus Müll geschaffen hat, der an der Küste eines Nationalparks in Mexiko angeschwemmt wurde, rufen Jugendliche im Weltkulturen Museum: „Der Amazonas ist kein Bergwerk, der Amazonas ist kein Agrarkonzern.“ Was sich anhört, wie eine Protestaktion, ist eine Probe des Jungen Schauspiels. „Balance – Zehn Versuche, die Welt zu verstehen“ lautet der Titel eines Jugendperformance-Projektes des Schauspiels Frankfurt, das am Samstag, 18. März, um 19 Uhr im Weltkulturen Museum Premiere hat. Die Jugendlichen äußern darin „knallharte System-Kritik“, wie Regisseurin und Theaterpädagogin Martina Droste sagt.

Mit einer Handbewegung unterbricht sie die zehn Spieler:innen, die konzentriert ihren Text vortragen und dabei doch Silben verschlucken. „Jedes Wort hat einen Anfang und ein Ende“, sagt sie. Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 22 Jahre alt. Für die Performance haben sie sich mit der Ausstellung „Healing. Leben im Gleichgewicht“ auseinandergesetzt, die bis 3. September im Weltkulturen Museum zu sehen ist. Diese beschäftigt sich mit der Suche nach dem Gleichgewicht im eigenen Leben, im gesellschaftlichen Miteinander und mit der Natur.

Die Zerstörung von Lebensräumen wie den des Amazonas, der Klimawandel und der Krieg in der Ukraine belastet die Jugendlichen. „Sie fragen sich, wie wir Menschen eine eigene Balance finden können zwischen dem, was wir brauchen und dem Erhalt von Natur“, sagt Droste, die zusammen mit Stephanie Endter, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Weltkulturen Museum, das Konzept für das Performance-Projekt erarbeitet hat.

Schauspiel

Das Jugendperformanceprojekt „Balance – Zehn Versuche, die Welt zu verstehen“ des Schauspiels Frankfurt in Kooperation mit dem Weltkulturen Museum, hat am Samstag, 18. März, 19 Uhr, im Weltkulturenmuseum, Schaumainkai 29-37. Premiere.

Weitere Aufführungen sind für Dienstag, 21. März, 19 Uhr, Mittwoch, 3. Mai, und Dienstag, 16. Mai. angesetzt. Weitere Termine sind für Juni in Planung.

Karten sind telefonisch unter 069/212 49 494 oder online erhältlich. lad

www.schauspielfrankfurt.de

Es ist nicht das erste Mal, dass das Schauspiel mit dem Weltkulturen Museum kooperiert. 2020 setzen sich Jugendliche anlässlich einer Ausstellung in einem Performance-Projekt mit dem Thema Migration auseinander. Martina Droste freut sich über die erneute Zusammenarbeit. „Das Weltkulturen Museum bietet eine besondere Atmosphäre. Es ist fast ein intimer Ort, an dem sich die Jugendlichen sehr schnell sehr wohlfühlen“, sagt sie. Auch Stephanie Endter sieht in der Kooperation eine Bereicherung. „Für mich ist die Performance im Museum eine eigene Form von Vermittlung. Die Ausstellung erfährt durch die Perspektiven der Jugendlichen inhaltliche, aber auch sinnliche Erweiterungen und Vertiefungen. Das gefällt mir sehr“, sagt sie.

Bei der Auswahl der Jugendlichen legt Martina Droste, was Herkunft und Bildung angeht; Wert auf Diversität. Die Spieler:innen müssen viel Zeit und Energie investieren. Seit Mitte Januar treffen sich alle Beteiligten viermal pro Woche, um zusammen auf der Probebühne des Schauspiels oder im Weltkulturen Museum die Performance zu entwickeln und zu proben. Die Gemälde von Bäumen des in Lima lebenden Künstlers Roldán Pinedo, die in der Ausstellung zu sehen sind, ließen die Jugendlichen Parallelen ziehen. Bäume fallen nicht nur im Regenwald, sie fallen auch hier. Mit Martina Droste gingen sie in den Fechenheimer Wald, kurz nachdem dort die Rodungen für den Ausbau der Autobahn A66 begannen.

„Ich setze mich jetzt mit der Zerstörung der Natur auch bei uns viel intensiver auseinander“, sagt Helen Teketel (18). Jona Gabriel Harnisch erzählt von intensiven Begegnungen in der Gruppe. „Wir diskutieren viel untereinander. Ich habe dadurch ganz andere Perspektiven kennengelernt“, sagt der 18-Jährige. „Ich habe mehr Selbstbewusstsein bekommen. Die Arbeit macht Spaß“, sagt Sunny Lee (14). Auf die Frage, wie wir Menschen eine Balance finden können zwischen dem, was wir brauchen und dem Erhalt der Natur, haben die Jugendlichen für sich eine klare Antwort gefunden. „Sie sind sehr klar in ihrer Sichtweise, dass die Wachstumsidee am Ende ist“, sagt Martina Droste.

Regisseurin Martina Droste (rechts) gibt bei der Probe im Weltkulturen Museum Anweisungen.
Regisseurin Martina Droste (rechts) gibt bei der Probe im Weltkulturen Museum Anweisungen. © Peter Jülich

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