Bereits im April protestierten Freie Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit vor dem Römer auf dem Römerberg. Sie fordern von der Stadt höhere Zuschüsse für ihre Arbeit.

Finanzielles

Jugendzentren bald pleite

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Die Einrichtungen offener Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt schlagen Alarm. Mangels Tariferhöhungen geht ihnen das Geld aus. Schon 2020, so die Befürchtung, müssen sie Treffpunkte schließen. Ortsbeiräte fordern Planungssicherheit.

Sechs Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit unter freier Trägerschaft in Bockenheim befürchten ihr Aus. Denn sowohl für unabhängige Einrichtungen als auch Initiativgruppen seien die städtischen Etats in den vergangenen Jahren nicht angemessen angepasst worden, sagt Wolfgang Pohl vom Abenteuergelände Bockenheim. Er spricht nicht nur für seine eigene Arbeitsstelle, sondern auch für die Schüler-Galerie des Türkischen Volkshauses, den Mädchen- und Jungentreff des Nachbarschaftsheimes, das Jugendzentrum, das Kinderhaus, die Kinderwerkstatt. Auch das Jugendbüro Lichtblick ist betroffen.

Detmar Komorowski vom Jugendzentrum spricht für Mitarbeitende und Jugendliche, wenn er sagt, dass die „finanzielle Anerkennung“ ihres Beitrags zum „sozialen Klima im Stadtteil“ fehlt. Tariferhöhungen in den Personalkosten etwa wurden seit 2014 im Haushalt nicht berücksichtigt und Sachmittelbudgets der Initiativgruppen um jährlich ein Prozent gekürzt. „Ab 2020 sind wir einfach pleite“, prophezeit Pohl.

Die Einrichtungen gewährleisten Anlaufstellen für Jugendliche, die durch das Raster staatlicher Strukturen fallen. Ihr Ansatz basiere auf Vertrauen und Beziehungsarbeit, sagt Komorowski. Die Orte legen Wert auf Freiwilligkeit und Offenheit, hier sollen sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen, die von Zuhause aus wenige Ressourcen zur Verfügung haben: Sie finden dort Arbeitsplätze, Zugang zum Internet und Ansprechpersonen. Für viele sind die Einrichtungen wichtige Treffpunkte und Schutzräume.

Die Vertreter um Pohl und Komorowski berufen sich auf vergangene Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung zur Sicherung zwei voller Stellen pro Einrichtung sowie den aktuellen Koalitionsvertrag, in dem es heißt: Die Koalitionspartner würden dafür sorgen, „dass sich die Tariferhöhungen in den Leistungen an die Träger wiederfinden“.

Im Haushalt 2019 keine Erhöhungen bewilligt

Doch auch im Haushalt 2019 wurden keine Erhöhungen bewilligt. Die Einrichtungen müssen notgedrungen Öffnungszeiten und Angebote eindampfen, um die Defizite zu kompensieren. Die Konsequenzen tragen die Falschen. Doch damit nicht genug. Erst vor wenigen Tagen bat Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) die Träger in einem Schreiben, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen: Sie sollen prüfen, ob sie „wenigstens übergangsweise ein Betreuungsangebot analog einer Hortbetreuung zur Verfügung stellen könnten“.

Der Schulleiter der Brüder-Grimm-Schule, Peter Stein, betont den Unterschied schulischer Strukturen oder Hortbetreuung und Angeboten offener Einrichtungen: Nur Letztere seien „in der Lage, die Jugend auf diese Weise aufzufangen“. Der Fokus auf schulische Förderung dürfe nicht zu Lasten von Alternativstrukturen fallen.

Der Ortsbeirat 2 fordert vom Magistrat, im Vorfeld der Haushaltsberatungen 2020 mit den Einrichtungen ins Gespräch zu kommen. Ziel sei es, „wieder Perspektiven und Planungssicherheit“ herzustellen. Derweil erweitern die Betroffenen ihre Kanäle: Auf Instagram sollen Kinder und Jugendliche Fotos ihrer geschlossenen Treffpunkte teilen. Das Hashtag „Tag der geschlossenen Tür“ bringt die prekäre Situation auf den Punkt.

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