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Jugendliche auf die richtige Bahn bringen

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Von: Carsten Praeg

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Das Boxtraining ist nur ein Angebot von vielen im Jugendhaus wie am Ben-Gurion-Ring.
Das Boxtraining ist nur ein Angebot von vielen im Jugendhaus wie am Ben-Gurion-Ring. © Christoph Boeckheler

Das Team von Jugendhaus und Mädchentreff am Bügel im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach begleiten Jugendliche auf ihrem Weg in den Berufsalltag.

Die knallgrünen Außenmauern zieren Graffitis von Pelé, Albert Einstein und Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow. Sprayen und Hip Hop werden hier groß geschrieben, es gibt Workshops und legale Graffitiflächen. In jenem Jugendhaus am Ben-Gurion-Ring, das in ihrer Jugend auch Frauen-Fußballlegende Steffi Jones und der spätere Eintracht-Profi Jermaine Jones besuchten.

Im Inneren des großen Gebäudes könnte man sich fast verlaufen, mehrfarbige Pfeile auf dem Boden weisen den Weg zu neun verschiedenen Räumen. Im großen Aufenthaltsraum sitzen Jugendliche zusammen und probieren lachend ein neues Brettspiel aus. „Die Atmosphäre hier ist toll“, lobt der 19-jährige Mert, der seit fünf Jahren dreimal wöchentlich herkommt. „Die Erzieher unterstützen uns immer und geben Tipps für die Schule oder den Beruf.“ Rund 80 Teenager besuchen regelmäßig das Haus des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit.

„Wir verfolgen den Weg unserer Jugendlichen“, sagt Leiterin Svenja Klemen und fügt hinzu: „Anfangs sind sie zwei Köpfe kleiner, dann fahren sie plötzlich mit dem Auto vor und berichten stolz, was sie erreicht haben.“ So wie etwa ein 21-jähriger Afghane, der gerade aus seinem schwarzen Wagen aussteigt. „Das Jugendhaus hat viele von uns auf die richtige Bahn gebracht“, berichtet der angehende Mechatroniker. „Früher musste ich mir Sorgen um meinen Hauptschul-abschluss machen, hier wurde ich von dem Absturz bewahrt.“

Das Team des Jugendhauses hilft Jugendlichen bei den Hausaufgaben, bereitet sie auf Bewerbungen und Prüfungen vor. Mehrere Computer stehen bereit, selbst als Studierende kommen manche Besucher noch dorthin. „Nicht jeder hat einen Drucker daheim oder einen großen Tisch, um seine Unterlagen auszubreiten“, berichtet Svenja Klemen. Zudem gibt es einen neuen Lese-raum mit wöchentlichen Lesestunden. Hier sollen die Heranwachsenden lernen, Texte besser zu verstehen.

Draußen schauen Jugendliche derweil gebannt einem Sprüher zu, immer wieder kommen Graffiti-Künstler vorbei, um ihre Fertigkeiten weiterzugeben. „Für sie ist das eine Herzensangelegenheit“, erklärt die Jugendhausleiterin. „Und Hip Hop für unsere Jugendlichen eine Aus-drucksform.“ Im kleinen Musikstudio im Keller können die Teenager ihre Stimme ausprobieren. Die Anmeldeliste für Aufnahmen ist lang, vornehmlich wird gerapt, aber ebenso türkische Musik geschmettert.

Auch das Sportangebot ist vielfältig. Neben einem wöchentlichen Fitness-Tag, Fußball-Turnieren auf kleine Tore und Hip-Hop-Tanz wird auf der Sportfläche im ersten Stock vor allem Boxen angeboten. Wobei der Schwerpunkt auf der Kondition liegt und der auf Honorarbasis engagierte Boxtrainer den Jugendlichen vermittelt, Konflikte ohne Fäuste zu lösen.

Über einen separaten Eingang geht es in die beiden Räume des Mädchentreffs. Eine eigene Einrichtung, die aber ebenfalls von den drei hauptamtlichen Mitarbeitern des Hauses betreut wird. Auch in einen kleinen Garten können sich die Mä-dels zurückziehen. „Mir gefallen vor allem die gemeinsamen Ausflüge, etwa auf einen Reiterhof“, schildert die 15-jährige Evelin, die vor drei Jahren über ihren älteren Bruder zum Treff kam.

Dann schnappt sie sich mit ihrer Freundin Vanessa einen Ghettoblaster und ihre Sporttasche, die beiden wollen im Obergeschoss Tanzen üben.

Als nächstes möchte das Jugendhaus-Team auf seinem Gelände den in die Jahre gekommenen und zugewachsenen Bolz- und Basketballplatz umgestalten. Der Nieder-Eschbacher Ortsbeirat hat beim städtischen Projekt „Soziale Stadt“ bereits eine Anschubfinanzierung beantragt. Die Teenager haben Ideen gesammelt, etwa einen Fitnessparcours, kleine Flutlichter und eine Boulderwand. Für Leiterin Svenja Klemen könnte es gerne schon im Juli losgehen – nach dem alljährlichen Sommerfest des Hauses, bei dem die Jugendlichen tatkräftig mitorganisieren und an vier Tagen wieder rund eintausend Besucher erwarten.

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