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Abstimmung per Farbkarte: Werden Vorschläge der Jugend bisher nicht umgesetzt? Grün steht für Ja.

Jugendparlament

Jugendliche diskutieren über ein Jugendparlament in Frankfurt

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Jeden Monat besuchen nun Frankfurter Jugendring, Stadtschülerinnenrat und OB Feldmann Schulen, um über eine Jugendparlament zu sprechen. Auftakt war in der Otto-Hahn-Schule.

Es ist ziemlich eindeutig: Die Schülerinnen und Schüler der Otto-Hahn-Schule glauben nicht, dass Erwachsene besser wissen, was Jugendliche und Kinder brauchen. An der kooperativen Gesamtschule in Nieder-Eschbach halten sie in der Aula fast alle eine rote Karte in die Höhe. Rot für: Nein, das wissen sie nicht. Nur vereinzelt sind grüne Karten – ja, das wissen sie – oder gelbe – keine Ahnung – bei den Oberstufenschülerinnen und -schülern zu sehen. „Die Interessen ändern sich über die Generationen“, sagt ein Schüler. „Deshalb wissen Erwachsene nicht, was wir wollen.“

Eine Möglichkeit für Jugendliche, ihre Interessen selbst mehr einbringen zu können, wäre ein Jugendparlament: Zum ersten Mal stellten am Donnerstag der Stadtschülerrat und der Frankfurter Jugendring das Projekt an einer Schule vor. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wird nun ein Jahr lang jeden Monat eine Schule besucht, an der ein Jugendparlament den Schülerinnen und Schülern nähergebracht und Anregungen dafür gesammelt werden sollen.

Jugendparlament bis 2021

Denn noch gibt es kein Jugendparlament, ein „Arbeitskreis Partizipation“ hat aber seine Arbeit aufgenommen. Dessen Ziel ist es, ein solches Gremium bis 2021 einzurichten. Die Jugendlichen wollen auch gerne Antrags- und Rederecht in den Ausschüssen im Römer und in der Stadtverordnetenversammlung haben. „Die Stadt muss jugendgerechter werden“, sagte Julien Chamboncel vom Frankfurter Jugendring. Aber im Stadtparlament sei das jüngste Mitglied 28 Jahre alt.

Unterstützung für ein Jugendparlament haben sie vom Oberbürgermeister. Auch dabei, dass nicht nur Bildungsfragen entscheidend für Jugendliche sind, sondern sie auch bei etwa Klima-, Wohnungs- und Verkehrspolitik mitreden können sollten. „Denn auch alle anderen Themen sind nicht nur für die Generationen der über 30-Jährigen wichtig“, sagte Feldmann. Wenn etwa die Älteren gegen neue Wohngebiete demonstrierten, dann seien aber eigentlich die jungen Menschen die Hauptbetroffenen. „Die Älteren haben ja eine Wohnung.“

Beim Spiel in der Otto-Hahn-Schule mit den Abstimmungskarten wird aber auch klar: Die Jugendlichen sind sich nicht sicher, ob mit einem solchen Gremium alle Jugendlichen in Frankfurt mitreden könnten. „Es können ja nicht alle zu den Sitzungen gehen und dann mitbestimmen“, sagte ein Schüler. Eine Schülerin war dagegen der Meinung, dass es dann eben Repräsentanten gebe, die „unsere Interessen vertreten, so wie es in der Politik sein sollte“.

Lange wurde darüber diskutiert, wie nun die Beteiligungsmöglichkeit für jeden Einzelnen aussehen könnte. „Social Media ist keine gute Plattform für Abstimmungen etwa“, sagte ein Schüler. „Da gibt es zu viele Fake Accounts.“ Sinnvoll sei eine eigene App. Andere finden dagegen, dass Social Media für die Kommunikation die beste Wahl sei. „Da sind wir doch sowieso alle jeden Tag“, sagte eine Schülerin. „Da kann man Menschen viel direkter erreichen.“ Es gab Vorschläge wie: einen Briefkasten in jeder Schule aufzuhängen, Kommunikation über die Schülervertretungen der Schulen zu suchen, Treffen der Unterarbeitsgruppen des Arbeitskreises am schwarzen Brett neben dem Stundenplan auszuhängen – „an dem muss man zwangsweise sowieso jeden Tag vorbei“, so ein Schüler. Alle aufgezeigten Wege sollen am Ende einem dienen: dass ein Jugendparlament auch wirklich die Interessen der Jugendlichen in Frankfurt vertritt.

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