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Jugendbüroleiter Markus Richarz ist in Sorge. 

Sachsenhausen

Jugendbüro Sachsenhausen benötigt neue Räume und mehr Personal

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Der Leiter der Einrichtung an der Schneckenhofstraße schlägt Alarm. Seit 20 Jahren logiert der Treff in einem Provisorium.

Das Jugendbüro Sachsenhausen würde sein Angebot gerne abends ausbauen. Und die Jugendlichen besser unterstützen. Doch das scheitert am Personal und am Standort. Der Treffpunkt in der Schneckenhofstraße kann nur bis 17 Uhr öffnen, da es Auflagen gibt und sich die Anwohner sonst gestört fühlen könnten, berichtet Leiter Markus Richarz. Eigentlich waren die Räume nur als Zwischenlösung gedacht. Daraus sind 20 Jahre geworden. Richarz hat nun den Ortsbeirat 5 um Hilfe gebeten.

Von der Stadt und auch vom Ortsbeirat gewünscht sei, dass der Treff zweimal die Woche bis 20 Uhr öffnet oder auch mal bis 22 Uhr. Darum sind sie nun auf der Suche nach neuen Räumen im Stadtteil. „Wir haben einen Makler eingeschaltet“, sagt Richarz. Und trotzdem sei es schwierig, etwas Geeignetes zu finden. Denn das, was die Stadt zahlen will und was die Vermieter verlangen, gehe auseinander. Die Einrichtung arbeitet eng mit den umliegenden Schulen, wie der IGS Süd oder der Deutschherrenschule, zusammen.

Probleme bereitet dem freien Träger auch das Finanzielle – seit die Stadt die Mittel für die offene Jugendarbeit in Frankfurt eingefroren hat. In der Einrichtung arbeiteten zwei Mitarbeiter mit Vollzeitstellen, doch eine davon wurde um die Hälfte gekürzt. Mitunter sei er also allein in der Einrichtung, sagt Richarz. Bei Krankheit oder Urlaub müsse er zu machen. Zeit für individuelle Beratung der Jugendlichen fehle. Die sei aber dringend nötig, besonders um bei Bewerbungen zu helfen.

Viele der Jugendlichen von zwölf bis 21 Jahren haben einen Migrationshintergrund und bekommen zu Hause keine Unterstützung, erklärt Richarz. Neben Hilfe bei Hausaufgaben, oder bei persönlichen und schulischen Problemen, gibt es im Jugendbüro Kreativangebote. Auch der Kinderbeauftragte aus Oberrad, Roland Limberg, prangert die desolate Situation der offenen Jugendarbeit in Frankfurt an. „Die staatliche Zuwendung ist einfach zu wenig.“ Durch die fehlende Unterstützung ziehe man eine „lost generation“ heran. „Das geht nicht so weiter, wir brauchen die offenen Jugendeinrichtungen“, fordert Limberg. Denn viele Jugendliche kämen aus prekären Familienverhältnissen mit wenig Geld.

Thomas Murawski (SPD) plädiert dafür, dass sich der Ortsbeirat für das Jugendbüro stark machen müsse. „Die Beschlüsse der Stadt gehen so nicht, auch in Sachsenhausen leben nicht nur Privilegierte.“ Die Jugendarbeit werde dringend benötigt, sonst werde das Geld später ausgegeben, in Form von Hartz IV oder Sozialhilfe. Der Ortsbeirat will sich nun die Lage bei einem Ortstermin im Januar genauer anschauen, sagt Richarz.

Das Jugendbüro, Schneckenhofstraße 13 H, öffnet montags bis freitags, 13 bis 17 Uhr, Beratung von 12 bis 13 Uhr. Telefon: 61 99 57 40. Hinweise für Immobilien an: jugendbuero-sachsenhausen@frankfurt-evangelisch.de

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