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Deborah Scheerer, 24, Duale Studentin der sozialen Arbeit im Jugendhaus Gallus
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Deborah Scheerer, 24, Duale Studentin der sozialen Arbeit im Jugendhaus Gallus

Porträt

Jugendarbeit in der Krise

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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„Der Kontakt fehlte“, sagt die angehende Sozialarbeiterin Deborah Scheerer aus Frankfurt.

Deborah Scheerer, 24, duale Studentin der Sozialen Arbeit im Jugendhaus Gallus:

Während der Pandemie konnten wir im Jugendhaus Gallus über Monate hinweg keinen offenen Treff anbieten, so wie alle anderen auch. Mir fiel daher in den vergangenen Monaten deutlich auf, welchen Bedarf die Kinder und Jugendlichen an offener Jugendarbeit haben. Fast stündlich standen sie vor unserer Tür und fragten uns, wann wir denn wieder öffnen. Wir hielten zwar über den digitalen Weg Kontakt zu ihnen, doch die physische Nähe fehlte einfach. Darunter litt insbesondere die Beziehungsarbeit. Sie konnten uns nicht einfach mal ansprechen und ein vertrautes Gespräch unter vier Augen führen. Aufgrund dessen investierten wir mehr in die aufsuchende Arbeit. Wir wussten, dass die Jugendlichen vermehrt an öffentlichen Plätzen zu finden sind. Doch das allein reichte natürlich nicht. Die Pandemie wirkte sich auf einige negativ aus. Bei manchen endete der berufliche oder schulische Weg frühzeitig. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz zog sich in die Länge. Bei manch anderem lief gar nichts mehr. Dann gab es wiederum Jugendliche, die mit dem Gedanken spielten, ihre Ausbildung abzubrechen. Ihnen fehlte ein struktureller Tagesablauf, und – ich denke – auch wir als ihre Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden können, wenn ihnen solche Fragen durch den Kopf gingen.

Auch für mich war diese Zeit schwierig. Ich würde sagen, dass ich in zwei verschiedenen Welten lebte. Zum einen war es einfach sehr traurig, meiner Arbeit nicht nachgehen zu können. Ich liebe meinen Job und den Kontakt zu den Jugendlichen. Auch meine Tagesstruktur fiel plötzlich weg. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu arbeiten. Mir fehlte der Kontakt zu den Jugendlichen sehr. Die Arbeit machte mir weniger Spaß. Doch ich nutzte die Möglichkeit, in die Geschäftsstelle zu gehen. Dort konnte ich mich auf Angebote konzentrieren wie das Chill-Mobil, das für die aufsuchende Arbeit eingesetzt wird. Ich brauchte dieses Gefühl, dass es doch sinnvoll ist zu arbeiten.

Ich glaube, die Regierung war super unvorbereitet auf die Pandemie, obwohl es vor ein paar Jahren sogar eine Studie gab und vor solch einer Pandemie gewarnt wurde. Für uns war die Ungewissheit ein großes Problem. Wann dürfen wir wieder öffnen? Welcher Inzidenzwert ist dafür nötig? Ich hoffe, der Staat wie auch die Gesellschaft werden aus der Krise lernen. Wir bräuchten jetzt schon einen Fahrplan für die nächste Pandemie.

Aufgezeichnet von Stefan Simon

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