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Die Paulskirche in Frankfurt.
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Die Paulskirche in Frankfurt.

Paulskirche

Von Jünger über Walser bis Butler

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Immer wieder sorgen Reden bei Preisverleihungen in der Paulskirche für Streit. So etwa die Worte von Martin Walser, der 1998 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde.

Nach der Rede von Martin Walser erhob sich das Auditorium in der Paulskirche zum stehenden Applaus, der lange anhielt. Es war der 11. Oktober 1998. Der Schriftsteller war mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden und hatte sich bedankt. War also alles in Ordnung?

Drei Personen waren sitzengeblieben und hatten Walser den Beifall verweigert. Ignatz Bubis, damals Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, seine Ehefrau Ida und der Theologe und ehemalige DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Erst mit Verzögerung brach eine heftige Kontroverse um die Rede Walser aus – die bis heute anhält.

Der Auftritt war einer von etlichen in der Paulskirche, die Streit mit sich brachten. 2012 wurde die Philosophin Judith Butler mit dem Theodor- W.-Adorno-Preis der Stadt bedacht – trotz heftiger Kritik. 1982 hatte die Stadt den Schriftsteller Ernst Jünger mit dem Goethepreis ausgezeichnet – obwohl er vielen als geistiger Wegbereiter des Faschismus galt.

Was hatte Walser gesagt? Er hatte vor der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“ gewarnt. Das einmalige Verbrechen des Massenmords an den Juden werde als „jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule“ missbraucht. Siebzehn Jahre später, das war 2015, rang sich Walser zu einer halben Distanzierung durch. „Ich könnte die Paulskirchenrede so nicht mehr halten.“

Judith Butler wurde vorgehalten, dass sie die Politik des Staates Israel gegenüber den Palästinensern scharf kritisiert und einen Boykott Israels gefordert hatte. Mitglieder des Zentralrates der Juden und der Jüdischen Gemeinde demonstrierten während der Preisverleihung vor der Paulskirche. Sie hielten die Auszeichnung Butlers für einen Skandal. Zusätzlich wurde kritisiert, dass OB Peter Feldmann (SPD) zur Preisverleihung nicht erschienen war und nicht das Wort ergriffen hatte. Feldmann bezeichnete das selbst später gegenüber der FR als „einen Fehler“. Auf den Fernsehbildern, die um die Welt gingen, saß neben Butler der damalige Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU).

All das war nichts gegen den Protest, der losgebrochen war, als die Stadt am 28. August 1982 in der Paulskirche den Goethepreis an Ernst Jünger verliehen hatte. Draußen hatten die Grünen eine große Demonstration organisiert, der Schauspieler Stefan Viering verlas kritische Texte. Jünger und Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) mussten sich durch das Spalier der Demonstranten drängen. Und das, obwohl sich Hoffmann gegen den Preis ausgesprochen hatte.

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