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Jüdisches Museum Frankfurt kauft Fotografien von Gisèle Freund

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Von: Anja Laud

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Einige der Bilder und Dokumente, die nun im Besitz des Jüdischen Museums sind.
Einige der Bilder und Dokumente, die nun im Besitz des Jüdischen Museums sind. © Uwe Dettmer

Die Sammlung stammt aus dem Nachlass des Frankfurter Medienwissenschaftlers Hans Puttnies und umfasst auch Dokumente und persönliche Unterlagen der Fotografin.

Das Jüdische Museum hat eine umfangreiche Sammlung mit Fotografien und Dokumenten von Gisèle Freund, eine der berühmtesten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, angekauft. Damit sei der Stadt ein Coup gelungen, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Gisèle Freund lebte in der Weimarer Republik als Studentin für einige Jahre in Frankfurt. Sie hielt fotografisch die Atmosphäre in der Stadt unmittelbar vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten fest.

Insgesamt 32 Archivboxen, die der Frankfurter Autor, Regisseur und Medienwissenschaftler Hans Puttnies angelegt hatte, sind in den Besitz des Jüdischen Museums gelangt. Es ist die größte Sammlung mit Fotografien, Dokumenten und persönlichen Unterlagen von Freund in Deutschland. „Ich freue mich sehr, dass uns diese herausragende Sammlung aus dem Nachlass von Hans Puttnies nicht nur verkauft, sondern die weitere wissenschaftliche Arbeit mit diesen weithin unbekannten Bildern und sehr persönlichen Unterlagen auch anvertraut wurde“, sagt Museumsdirektorin Mirjam Wenzel.

Die Sammlung umfasst mehr als 1150 Fotografien aus den Jahren 1927 bis 1975, etwa die Hälfte davon Vintage-Prints, die größtenteils noch nie öffentlich zu sehen waren. Zudem kaufte das Jüdische Museum bislang unpublizierte Manuskripte an, etwa das Typoskript zu einem unvollendeten autobiografischen Roman, den Gisèle Freund in den Jahren 1952 bis 1954 in Mexiko verfasste, sowie persönliche Notizen, Adressbücher, Briefe und Dokumente. Zum Kaufpreis dürfe das Jüdische Museum keine Angaben machen, wie Pressesprecherin Rivka Kibel mitteilt. Die Stadt stellt nach Angaben des Kulturdezernats den städtischen Museen seit 2019 jährlich insgesamt 1,1 Millionen Euro für Ankäufe wie etwa Kunstwerke zur Verfügung.

Wie Mirjam Wenzel weiter berichtete, solle mit dem Ankauf der Sammlung Gisèle Freund im Jüdischen Museum ein neuer Sammlungsschwerpunkt im Bereich der historischen Fotografie entstehen, der sich insbesondere mit jüdischen Fotografinnen befasst, die in Frankfurt tätig waren.

Gisèle Freund, 1908 in Berlin als Tochter des Kunstsammlers Julius Freund geboren, lebte einige Jahre in Frankfurt. Nach kurzem Studium in Freiburg zog sie 1929 hierher, um an der Goethe-Universität bei dem Soziologen und Philosophen Karl Mannheim Soziologie zu studieren. Wegen der Arbeit an ihrer Dissertation, in der sie sich mit den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert in Frankreich befasste, hielt sie sich von 1931 an überwiegend in Paris auf, kehrte aber immer wieder nach Frankfurt zurück. Sie war in der linken Roten-Studentengruppe aktiv und machte Bilder in der Stadt, etwa 1932 von der Demonstration zum 1. Mai.

Flucht nach Südamerika

Da ihr nach der Machtergreifung Adolf Hitlers als Jüdin und Kommunistin die Verhaftung drohte, floh sie im Mai 1933 nach Paris. Sie porträtierte dort viele deutsch-jüdische Emigrant:innen wie Walter Benjamin und Anna Seghers. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich floh sie über Umwege nach Argentinien und lebte später in Mexiko. 1953 kehrte sie nach Paris zurück und lebte dort bis zu ihrem Tod am 31. März 2000.

Gisèle Freund und Hans Puttnies arbeiteten über 20 Jahre zusammen. Der Medienwissenschaftler half ihr, ihren Fotobestand zu strukturieren und war an einigen ihrer wichtigsten Ausstellungen in Frankreich und Deutschland beteiligt. Über lange Zeit hinweg verfolgte er die Idee, eine Biografie über die Fotografin zu schreiben. Bis zu seinem Tod im Jahr 2020 arbeitete er noch an einem Drehbuch für einen Essay-Film über Gisèle Freund. Dieses und die Biografie blieben jedoch unvollendet.

Selbstporträt mit Rolleiflex, 1952.
Selbstporträt mit Rolleiflex, 1952. © bpk / IMEC, Fonds MCC / Gis?le

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