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Noch sind Handwerker auf der Baustelle im neuen Lichtbau des Jüdischen Museums unterwegs.

Wiedereröffnung

Dauerausstellung auf drei Etagen

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Nach fünfjähriger Umbauphase öffnen der Neubau und das sanierte Rothschildpalais am 21. Oktober ihre Türen. Auf 2000 Quadratmetern zeigen sie die jüdische Geschichte Frankfurts.

Am 21. Oktober ist es so weit: Dann feiert das Jüdische Museum seine Neueröffnung. Bis dahin war es ein langer Weg. 2015 beschloss die Stadt Frankfurt einen Erweiterungsbau, das Berliner Architekturbüro Staab gewann den Architekturwettbewerb, noch im Winter desselben Jahres begannen die Bauarbeiten. Die zunächst für den Herbst 2019 und dann für das Frühjahr 2020 angesetzte Eröffnung verzögerte sich jedoch.

Gründe waren unter anderem Komplikationen bei der Restaurierung – das alte Rothschildpalais befand sich in einem wesentlich schlechteren baulichen Zustand als erwartet. Doch nach rund fünfjähriger Bauzeit werden sich die Türen des Neubaus und des sanierten Rothschildpalais für die Besucher trotz Corona in acht Wochen öffnen.

Das älteste Jüdische Museum in der Bundesrepublik wird dann über 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügen und die jüdische Geschichte Frankfurts von Aufklärung und Emanzipation bis zur Gegenwart in einer neuen Dauerausstellung mit neuen Schwerpunkten zeigen.

FR-Geschichte

Die neue Ausgabe der Magazinreihe „Frankfurter Rundschau Geschichte“ widmet sich dem jüdischen Leben in der Stadt und in Rhein-Main.

Die Beiträge der Autorinnen und Autoren beschäftigen sich etwa mit den jüdischen Wurzeln der als „Juddebube“ bekanntgewordenen Eintracht, mit dem Leben der Anne Frank in der Stadt, aber auch mit moderner jüdischer Kultur und mit Antisemitismus in unserer Zeit.

Das Heft ist für 6,90 Euro im Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich sowie online unter geschichte.fr-abo.de.

Die Dauerausstellung mit 1400 Quadratmetern wird auf drei Stockwerken im sanierten Rothschildpalais am Mainkai präsentiert. Die obere Etage befasst sich mit dem jüdischen Leben der Gegenwart, im zweiten Stockwerk geht es um „Tradition und Ritual“. Und die untere Etage ist dem Leben dreier bekannter jüdischer Familien Frankfurts gewidmet: den Franks, den Rothschilds und den Sengers.

Der Erweiterungsbau, der Lichtbau, bietet auf rund 600 Quadratmetern Raum für Wechselausstellungen, eine öffentliche Bibliothek, ein Deli und einen Museumsshop. Die erste Wechselausstellung, „Die weibliche Seite Gottes“, wird vom 23. Oktober an öffentlich zugänglich sein. Sie beleuchtet das Bild weiblicher Gottheiten vom Alten Orient über die hebräische Bibel und die rabbinischen Schriften bis hin zu späteren Darstellungen.

Zwischen dem neuen Lichtbau und dem historischen Rothschildpalais befindet sich ein neuer Museumsvorplatz, der sich zu den Frankfurter Wallanlagen hin öffnet. Er trägt seit 2019 den Namen Bertha-Pappenheim-Platz und ist die neue Adresse des Museums. „Dass das Museum eine Neueröffnung am alten Ort und gleichzeitig neuer Adresse, dem Bertha-Pappenheim-Platz 1, feiern wird, ist etwas Außergewöhnliches“, findet Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Das neue Haus verbinde gekonnt Geschichte und Tradition, den Bestandsbau des Palais, und die Gegenwart, den Lichtbau, miteinander. Das neue Jüdische Museum könne als Startpunkt der Kulturmeile gedacht werden, sagte Hartwig.

An der Verbindung von Alt- und Neubau finden die Besucher eine elf Meter hohe Skulptur von Ariel Schlesinger, die aus zwei in Aluminium gegossenen Bäumen besteht. Es ist ein symbolträchtiges Werk: Ein Baum reckt seine Wurzeln nach oben zum Himmel, während seine Krone mit dem unteren Baum verwoben ist.

Das Museum in Frankfurt war das erste nach der Schoah in Deutschland errichtete Jüdische Museum. Es war am 9. November 1988 im Rothschildpalais eröffnet worden.

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