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Freude mit langer Vorgeschichte: Abiturientinnen der Lichtigfeld-Schule.
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Freude mit langer Vorgeschichte: Abiturientinnen der Lichtigfeld-Schule.

Lichtigfeld-Schule

Jüdischer Abijahrgang in Frankfurt: „Ein Tag der Freude“

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Zuletzt wurde im Jahr 1939 in einer jüdischen Schule in Frankfurt das Abitur verliehen. Nun bekommen elf Schülerinnen und Schüler der Lichtigfeld-Schule ihre Abschlusszeugnisse.

Frankfurt - An der Wand des festlich geschmückten Saals hängen Luftballons in Form von Zahlen und Buchstaben. Sie bilden den Schriftzug „Abitur 2021“. Und auch sonst erinnert alles an eine normale Abifeier: runde Tische für die stolzen Familien, ein Pult für die Reden und ein Klavier für die musikalische Untermalung. Und doch ist es eine historische Feier, die an diesem Donnerstag im Jüdischen Gemeindezentrum über die Bühne geht: Das erste Mal seit 1939 machen Schülerinnen und Schüler einer jüdischen Schule in Frankfurt ihr Abitur – es ist der erste Abijahrgang der I.-E.-Lichtigfeld-Schule.

Es sei keine leichte Aufgabe, die richtigen Worte für dieses „historische Ereignis“ zu finden, sagt Harry Schnabel, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde und als Schuldezernent zuständig für die 1966 gegründete Lichtigfeld-Schule. Seit 2006 habe die Schule einen gymnasiale Zweig, sagt Schnabel – nun habe man erstmals zehn Schülerinnen und einen Schüler zum Abitur geführt. „Ihr seid die Protagonistinnen und Protagonisten dieses historischen Moments“, richtet Schnabel sich an die Abiturient:innen. Nach der Shoah, nach der Zwangsschließung der seit 1804 bestehenden jüdischen Schule im Philanthropin durch die Nazis gebe es jetzt endlich einen „Neuanfang“. „Und das ist ein Tag der Freude“, sagt Schnabel.

Lichtigfeld-Schule in Frankfurt: „Terror triumphiert nicht“

Auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) spricht von einem „großen Moment“ für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für Frankfurt und ganz Hessen. Nach mehr als 80 Jahren setze die Lichtigfeld-Schule die Tradition des Philanthropin fort. Dies sei „ein Zeichen dafür, dass der Terror nicht über das Leben triumphiert hat“, so Lorz.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sieht im ersten Abijahrgang an einer jüdischen Schule seit der Zeit des Nationalsozialismus sogar eine „Demonstration jüdischen Selbstbewusstseins in Frankfurt und Deutschland insgesamt“. Die Nazis hätten nicht gesiegt, sagte Feldmann. „Sie wollten das jüdische Leben vernichten.“ Die Jüdische Gemeinde sei heute trotz vieler Anfeindungen ein selbstverständlicher Teil der Stadt, so das Stadtoberhaupt. „Das Verstecken hat aufgehört.“

Lichtigfeld-Schule in Frankfurt: Ein Gruß aus Kalifornien

Bevor dann zwei Abiturientinnen brav allen Lehrkräften danken und ihren nur elfköpfigen Abijahrgang als „kleine, verrückte Familie“ bezeichnen, kommt noch Werner Rothschild zu Wort. Der Beitrag des 93-Jährigen, der bis 1938 Schüler im Philanthropin war, vor dem Terror der Nazis nach England floh und heute in Kalifornien lebt, wird per Video eingespielt. Er freue sich, dass es in Frankfurt wieder jüdisches Leben gebe, sagt Rothschild auf Englisch. Und er sei sehr gerne Teil dieses „ganz besonderen Anlasses“. Und die Abiturient:innen, sagt er, könnten wirklich stolz auf sich sein. (Hanning Voigts)

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