Die Fassade des Neubaus ist dreigeteilt. hgp Architekten

Westend

Jüdische Schule im Westend eröffnet in Osterferien

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Etwa 300 Grundschüler ziehen aus dem Philanthropin im Nordend in den Neubau an der Westendstraße. 13 Millionen Euro kostet das Projekt.

Die neue jüdische Grundschule an der Westendstraße 45-47 steht kurz vor der Eröffnung. In den Osterferien sollen die Kinder einziehen. Harry Schnabel, im Vorstand der Jüdischen Gemeinde für Schulen und Finanzen zuständig, und Architekt Markus Leben haben das Projekt am Montagabend in der Sitzung des Ortsbeirats 2 vorgestellt.

Der Neubau ist eine Erweiterung der Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule. Die ist seit 2006 im Philanthropin an der Hebelstraße im Nordend beheimatet. Dort ist es eng geworden für die inzwischen 560 Jungen und Mädchen. Die Gemeinde baut eine gymnasiale Oberstufe auf. Ein wichtiges Symbol für Frankfurt. Zum ersten Mal nach Zerschlagung und Zwangsverbot vor 80 Jahren können Kinder wieder auf einer jüdischen Schule das Abitur machen.

Die etwa 300 LichtigfeldGrundschüler ziehen darum auf das frühere Gelände der Montessori-Schule um – an die Westendstraße. Das Areal schließt unmittelbar an das Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum in der Savignystraße an. Dorthin sind die 80 bis 90 Kinder der Eingangsstufe bereits ausgewichen.

Im Neubau an der Westendstraße entstehen 18 Klassenräume, dazu noch Gruppenräume und Computerzimmer. Die Flure sind großzügig geschnitten, sollen Aufenthaltsqualität bieten, „keine reine Verkehrsfläche“ sein, wie Markus Leben sagt. Im Erdgeschoss entsteht eine Cafeteria mit 100 Plätzen. Das oberste Stockwerk, der fünfte, ist als Lernlandschaft angelegt. Schüler können dort eigenständig arbeiten, im Bibliotheksbereich, an Computerplätzen, auf Sofas. Eine große Dachterrasse bietet Blick auf die Skyline.

Zwei Treppenhäuser wird es geben, ein schlichtes, klassisches, und eines, das an eine Murmelbahn erinnert. Dahinter steht der Gedanke der Integration. Es ist durchaus ein internationales Publikum, das seine Kinder an die Privatschule der Gemeinde schickt. Die Schüler kommen aus 18 Nationen. Dreißig bis 40 Prozent sind nichtjüdisch. Glasmurmeln und Murmelbahnen kennen aber die meisten Kinder auf der Welt, sagt der Architekt.

Die Fassade des Neubaus orientiert sich an den umliegenden Gründerzeithäusern. Drei Teile lassen sich ausmachen. Eine Art Sockel, bestehend aus Erdgeschoss und den ersten zwei Obergeschossen, ist geklinkert, mit kleineren Putzfeldern. Das lockert sich nach oben hin auf, in der dritten und vierten Etage. Der fünfte Stock ist zurückgesetzt, ist kein Vollgeschoss. Das Dach soll fast vollständig begrünt sein.

Für Schulsport nutzen die Kinder das Gemeindezentrum an der Savignystraße. Dort sind auch die Fachräume für Kunst und Musik, ebenso der Hort. Mit Elterntaxis müssen die Nachbarn rechnen, sagt Harry Schnabel. „Kurz vor und kurz nach 8 Uhr morgens wird es lebhaft zugehen.“ Das sei aber vorher auch kaum anders gewesen, als die Montessorischule noch da war.

Der Vorplatz werde ästhetischer gestaltet als der an der Westend-Synagoge, sagt Schnabel. Grobe Betonblöcke soll es nicht geben, lediglich eine Verengung der Fahrbahn und vorgelagerte Bordsteine. Der Wachcontainer der Polizei zieht mittels Kran in den Vorgarten der Schule. Die Bäume an der Straße bleiben erhalten.

Die Gesamtkosten für die neue Grundschule beziffert Schnabel auf rund 13 Millionen Euro, vier gibt die Stadt, vier das Land. Fünf Millionen muss die Gemeinde selbst aufbringen.

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