Justiz

Judolehrer wegen Missbrauchs angeklagt

  • Stefan Behr
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Ein 54-Jähriger soll sich über Jahre hinweg an Schülerinnen vergangen haben – vier der 27 Fälle wertet die Staatsanwaltschaft als schweren Missbrauch.

Ein 54 Jahre alter Judotrainer aus dem Hochtaunuskreis muss sich seit Montag wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Er soll in mindestens 27 Fällen in den Jahren 1997 bis 2019 Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren missbraucht haben – vier der 27 Fälle wertet die Staatsanwaltschaft als schweren Missbrauch.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung hatten die Ermittler zudem eine große Anzahl kinderpornographischer Bilder und Videos auf dem Computer des Mannes gefunden.

Als der Angeklagte am frühen Nachmittag aus der Untersuchungshaft, in der er seit Juli vergangenen Jahres sitzt, vorgeführt wird, tun seine beiden Verteidiger erst einmal alles, um ihren Mandanten so gut es geht vor der Öffentlichkeit zu schützen.

Der eine zieht dem Mann, der ohnehin bereits eine Gesichtsschutzmaske trägt, einen roten Pullover über den Kopf, der andere stellt vor Verlesung der Anklage den Antrag, die Öffentlichkeit nicht nur während der angekündigten Einlassung des Angeklagten, sondern bereits zur Verlesung der Anklage auszuschließen.

Diese enthalte detaillierte Schilderungen sexueller Übergriffe, die den „privaten Bereich“ seines Mandanten beträfen und dessen „schutzwürdige Interessen“ verletzten. Die Details seien geeignet, das „Ansehen des Angeklagten in der Öffentlichkeit“ zu minimieren und ihn „zum bloßen Objekt zu degradieren“.

„Stell’ dir vor, es wäre ein Lolli“

Die Jugendkammer gibt dem Antrag, was die Einlassung angeht, statt, lässt die Öffentlichkeit aber während der Anklageverlesung zu. Die hat es allerdings wirklich in sich – und lässt erahnen, dass in dieser Angelegenheit tatsächlich Menschen zu Objekten degradiert worden sind, allerdings ausschließlich minderjährige. Es genügt wohl zu sagen, dass der Mann ein Mädchen mit den Worten „Stell’ dir vor, es wäre ein Lolli“ dazu motiviert haben soll, etwas in den Mund zu nehmen, was sie nicht in den Mund nehmen wollte.

Beeindruckend ist zudem die Schamlosigkeit, mit der der Mann bei den Missbrauchsfällen vorgegangen sein soll. Laut Anklage kann von Angst vor Öffentlichkeit jedenfalls keine Rede sein. Die ersten angeklagten Fälle spielen noch im Schlafzimmer des Wohnhauses des Judolehrers, in dem manchmal Schülerinnen übernachten oder „auf den Hund aufpassen“ durften. Es folgen eine Vielzahl von Missbrauchsfällen bei Judo-Lehrgängen, einige davon im Gemeinschaftsschlafsaal der Mädchen. Inwiefern sich dort noch andere Mädchen befanden, geht aus der Anklageschrift nicht hervor. Später verlagern sich die Tatorte hauptsächlich auf Thermalbäder im gesamten Rhein-Main-Gebiet, dort allerdings auf alle Bereiche: Sauna, Solarium, Schwimmbecken oberhalb und unterhalb der Wasseroberfläche.

Neben der Anklageverlesung gab es am ersten Verhandlungstag lediglich die Einlassung des Angeklagten, während der Zuschauer und Presse den Saal verlassen mussten. Es wurde erwartet, dass der Judolehrer die Fälle zwar einräumt, sich aber auf angebliche Einvernehmlichkeit beruft.

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