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Wahlabend Europawahl im Römer

Europawahl in Frankfurt

Nach der Europawahl: Frust und Freude im Frankfurter Römer - und eine verlorene Wette

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Nach der Europawahl jubeln „Die Partei“ und die Grünen. SPD und CDU suchen nach Erklärungen. Und einer muss eine Wette einlösen.

Es hat nicht gereicht. Genau genommen war es noch nicht einmal knapp. Obwohl eine Wahlbeteiligung von 60,1 Prozent in Frankfurt eigentlich in Ordnung ist. Vor fünf Jahren hatten nur 44,5 Prozent aller wahlberechtigten Menschen in der Stadt ihre Stimme abgegeben. Aber die Wette mit Köln, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) womöglich etwas leichtfertig eingegangen war, die hat Frankfurt klar verloren. Es ging um die Frage, in welcher Stadt die Wahlbeteiligung höher sein würde. Und in Köln lag die Quote bei rund 63 Prozent.

Im Frankfurter Wahlzentrum lässt sich Feldmann am Sonntagabend nicht blicken. Per Pressemitteilung gratuliert er der Stadt Köln: „Der Verlust der Wette mit Köln ist angesichts des Gesamtergebnisses ein verschmerzbarer Wermutstropfen“, schreibt er und zeigt sich erfreut über die Wahlbeteiligung in seiner Stadt. Die Mobilisierungskampagne in den vergangenen Wochen habe Erfolg gezeigt.

Stadt lädt Journalisten zur Europawahl in den Römer

Erstmals hatte die Stadt bei einer Europawahl die Journalisten nicht in die überschaubar großen Räume des Presseamts, sondern in den Römer eingeladen. So wie sie es bei allen anderen Wahlen auch tut. In der Stadtverwaltung hatte man mit gestiegenem Interesse an der Abstimmung gerechnet, und tatsächlich halten sich im Rathaus mehr Journalisten auf als vor fünf Jahren im Presseamt. Doch der ganz große Andrang bleibt aus, das Büfett im Obergeschoss (Würstchen, Kartoffel- und Nudelsalat, Brötchen) wirkt etwas überdimensioniert.

Durchaus gibt es Dramen zu beobachten:

Enthemmte Grüne, die feiern, als hätten sie die absolute Mehrheit bei einer Bundestagswahl gewonnen, aber dann doch immer wieder betonen, dass eine Europawahl keine Kommunalwahl sei und sie 2021 nicht zwangsläufig in der Favoritenrolle seien.

Grüne trösten SPD-Politiker

Verzweifelte Sozialdemokraten, die nach Erklärungen für das Debakel suchen und denen der Frankfurter Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet (Grüne) mit dem Satz „Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr tiefer, passiert euch so etwas“ nicht wirklich Trost spenden kann.

Jubelgeschrei bei der Satirepartei „Die Partei“, die bundesweit auf rund 2,5 Prozent kommt. Dann aber tiefe Enttäuschung bei der „Partei“: Es gibt kein Bier im Römer. Danach wieder Jubel: Ein Parteimitglied hat welches von daheim mitgebracht. Und dazu noch etwas Wein.

Einen Abend zwischen Hoffen und Bangen verbringt Thorsten Lieb, der Vorsitzende der Frankfurter FDP. Er hatte auf Listenplatz sechs kandidiert.Je nach Hochrechung bekommen die Freidemokraten mal fünf, mal sechs Sitze. Von einer Sekunde auf die andere bekommt Lieb einen Arbeitsplatz in Brüssel und Straßburg – dann ist der Job wieder weg. „Ich bin ein optimistischer Mensch, aber es wird spannend bis heute am späten Abend“, ruft Lieb zwischenzeitlich. Das Zittern hätte er sich gerne erspart, zuletzt waren Umfragen von etwa sieben Prozent für die FDP ausgegangen. Dann wäre Lieb sicher dabei gewesen. So aber sieht es bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe eher danach aus, als hätte es Lieb ganz knapp nicht geschafft.

Der Höhenflug der AfD scheint bei der Europawahl zu enden

Das große Thema ist – neben dem Abschneiden von Grünen und SPD – wieder einmal das Resultat der AfD. Doch anders als an fast allen Wahlabenden in den vergangenen Jahren äußert sich kaum jemand erschreckt über das Ergebnis. Im Gegenteil. Mit Genugtuung beobachten viele Politiker, „dass der große Höhenflug von denen wohl vorbei ist“, wie sich Grünen-Chef Bastian Bergerhoff ausdrückt. Auch das Ergebnis in Frankfurt bleibt hinter dem bei der Kommunalwahl 2016 (8,9 Prozent) zurück.

Derweil freut sich Peter Feldmann auf den Straßenkarneval in Köln. Zu dem „muss“ er wegen der verlorenen Wette seine Kölner Kollegin Henriette Reker nämlich begleiten.

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