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Die Historikerin erklärt die Vorzüge der Höchster Altstadt.

Höchst

"Frankfurt ist das Feindbild"

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Historikerin Silke Wustmann führt mit unterhaltsamen Anekdoten durch die Höchster Altstadt.

Fachwerkhäuser, schmale Gassen, Kopfsteinpflaster. Die Teilnehmer der Führung des historischen Museums sind sich einig: „Frankfurt hat eine schöne Altstadt.“ Vor allem eine echte. „Das kann man so nicht nachmachen“, heißt es beim Rundgang durch Höchst. Nur an einer Stelle wurde auch dort geflunkert.

„Fast die ganze Tour lang sollten Sie sich da rein versetzen“, sagt die Historikerin Silke Wustmann, die den Rundgang leitet, zu Beginn. „Der Feind ist Frankfurt.“ Was sie damit meint, zeigt sich an vielen Stellen im Stadtbild. Denn Höchst ist erst seit 1928 ein Teil von Frankfurt.

Das Wappenbild von Höchst, weist darauf hin, dass die Stadt etwa 1000 Jahre lang zum Herrschaftsgebiet von Mainz gehörte: ein Rad mit sechs Speichen auf rotem Hintergrund – wie das Mainzer Rad. Mit der Eingliederung zu Frankfurt waren die Höchster zunächst gar nicht einverstanden und protestierten. „Erst auf diesem Hexenhäuschen sind die beiden Wappen, das von Höchst und das von Frankfurt, dann in Frieden vereint“, zeigt Silke Wustmann ein Eckhaus mit einer Kneipe im Erdgeschoss.

Der Schlagabtausch zwischen den beiden Orten beginnt damit, dass Höchst im Jahr 790 das erste mal urkundlich erwähnt wird, Frankfurt erst 794. Das älteste Gebäude von Frankfurt steht in Höchst, die Justinuskirche. Der „Werbeblock“ der Historikerin gilt dem dortigen Garten mit Heilkräutern, der aktuellen Ausstellung von Messgewändern und besonders der Barockorgel aus den 1730er Jahren. „Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, ein Orgelkonzert zu besuchen. Weil die Kirche so klein ist, kann man die Orgel nicht nur hören, man kann sie fühlen“, schwärmt sie.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts reichte die einen Kilometer lange Stadtmauer für die 800 Bewohner aus. Trotzdem versuchte das kleine Höchst es mit dem größeren Frankfurt aufzunehmen. Die Kirche war, wie auch das Rathaus am Allmeygang 8 – man beachte den vom Rathaus am Römer kopierten Treppengiebel – völlig überdimensioniert. Ein Machtkampf.

Seinen Höhepunkt erreichte der Clinch an der Zollburg, dem heutigen Schloss. „Beim Zoll hörte der Spaß auf. Das war die Existenzberechtigung für Höchst. Die Mainzer konnten hier ein Heidengeld verdienen“, sagt Silke Wustmann. Jedes Schiff, das Höchst passierte, musste dort Zoll abgeben – zum Ärger der Frankfurter. Kein Zoll ohne Zollburg, so deren Schlussfolgerung. Deshalb zerstörten sie die Burg so häufig, dass die Höchster ebenso routiniert darin waren, sie wieder aufzubauen.

Nicht nur die Zöllner waren gute Geschäftsleute. „Die Höchster Wirte haben die Zöllner bestochen. Da gibt es Belege.“ Die Abmachung: Das Marktschiff, das einmal täglich von Mainz nach Frankfurt und in die Gegenrichtung fährt, muss in Höchst aufgehalten werden, dass die Passagiere Zeit für Schoppen und eine Mahlzeit haben.

Damals wie heute sind die Gasthäuser“ am Schlossplatz beliebt bei Einheimische und Touristen. In einem ehemaligen Lokal, dem nächstgelegenen Haus vom Stadttor am Main, waren schon Dürer, Mozart und – natürlich – Goethe zu Gast. Letzter fertigte dort Skizzen vom Höchster Schloss an. Dieses Haus war in den 70er Jahren baufällig. Jetzt ist es Neubau aus Stein in Fachwerk-Optik. Unbemerkt mischt es sich unter die Fachwerkhäuser der Höchster Altstadt, die seit 1972 unter Denkmalschutz steht.

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