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Der Rosa-Marx-Weg an der EZB. Die Jüdin Marx leitete das israelitische Waisenhaus am Röderbergweg.

Goldstein

Eine Reise zu berühmten Frauen

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Viel zu wenige weibliche Persönlichkeiten tauchen in Form von Straßennamen im Stadtplan auf. Einen Vortrag dazu gibt es im Begegnungszentrum.

Von 3400 Frankfurter Straßen, Brücken und Plätzen sind 1000 nach Männern benannt. Aber nur 145 nach Frauen. Ganz schön wenige! Zumindest ist das der Stand, an dem Maria Hein vom Bürgerinstitut ihren Vortrag ausgearbeitet hat. Gestern hat sie im Service- und Begegnungszentrum Hofgut Goldstein des Frankfurter Verbandes referiert.

Sehr viel geändert dürfte sich an der Schieflage in der Zeit zwischen Konzeption und dem eigentlich Vortrag nicht geändert haben. Frauennamen sind im Stadtbild immer noch in der Minderheit. Beim Vortrag nicht. Nur ein Herr, dafür zwölf Damen lauschen am Montag den Ausführungen. Eine davon ist Miriam Riegger aus Schwanheim. Das Thema interessiert sie. „Damit haben wir tagtäglich zu tun.“ Das reinste Lexikon seien die Schilder, zumindest für die Fußgänger.

Referentin Hein empfiehlt denn auch, einfach mal stehen zu bleiben bei Spaziergängen und zu schauen. Vielleicht nicht unbedingt auf der Rosa-Luxemburg-Straße. Zwar ist die acht Kilometer lange Route die mit Abstand längste nach einer Frau benannte Straße Frankfurts. Auf dem Schnellweg spaziert es sich aber nicht gut. Frische Luft schnappen lässt es sich besser im Lotte-Specht-Park im Europaviertel. Die Grünfläche trägt seit 2014 den Namen der Sportpionierin Lotte Specht aus dem Gallus. Sie gründete 1930 den ersten deutschen Frauenfußballverein.

Im Mittelalter haben die Stadtoberen Straßen nach Berufen genannt, die dort zu finden waren. Oder nach Bevölkerungsgruppen, etwa die Judengasse. Typische Namen aus der Zeit sind auch die Breite Gasse, der Steinweg oder die Rittergasse.

Bis 1918 waren dann Monarchen bevorzugt. Ab der Gründerzeit kamen erfolgreiche Persönlichkeiten als Namensgeber in Mode. Das Dichterviertel entstand, auch das Malerquartier in Sachsenhausen. Frauen allerdings durften keine Ämter bekleiden oder beruflich reüssieren. Maria Hein hat dennoch ein paar Namen parat. Etwa Hannah Luise von Rothschild, Mitglied der Rothschild-Familie und bedeutende Stifterin in Frankfurt. Nach ihr sind der Luisenplatz und die Luisenstraße benannt.

In der NS-Zeit verkamen Straßennamen zum Propaganda-Mittel, verherrlichten NS-Größen. Nach Kriegsende hat sich die Stadt einem Personenkult verweigert, seither müssen Namensgeber fünf bis acht Jahre tot sein. Doch erst seit 1989 gibt es einen Grundsatzbeschluss, künftig verstärkt Frauennamen in den Stadtplan zu integrieren. Nachzuspüren ist das in Neubaugebieten wie auf dem Riedberg oder im Europaviertel.

Die Stimmung bei den Zuhörerinnen ist gut. Immer wieder nicken sie, wenn sie Namen erkennen. Oder rufen dazwischen. Marianne Willemer, klar: „eine Liebschaft Goethes.“ Und um die Urheberschaft einiger Gedichte im Band „West-östlicher Divan“ betrogen. Aber wenigstens mit einer knapp 150 Meter langen Straße in Sachsenhausen gewürdigt.

Klare Fälle sind auch die Theater- und Fernsehgrößen Lia Wöhr (ein Plätzchen im Gallus trägt ihren Namen) und Liesel Christ – Namenspatin für den Abschnitt des Anlagenrings zwischen Alter Oper und Eschenheimer Tor. Die Schriftstellerin Annette Kolb ruft eher Kopfschütteln hervor. 150 Meter Asphalt am Riedberg sind nach ihr benannt, immerhin eine der wichtigsten Autorinnen der 1920er Jahre, mit großen Verdienste um die deutsch-französische Verständigung.

Für den nächsten Vortrag wünscht sich die Goldsteinerin Marion Weil-Döpel etwas zu den weiblichen Straßen des Stadtteils. Dort ist zum Beispiel die Frauenrechtlerin und SPD-Politikerin Henriette Fürth zu finden.

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