Volker Hintz betreibt seit zehn Jahren den Löwen in Zeilsheim.
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Volker Hintz betreibt seit zehn Jahren den Löwen in Zeilsheim.

Frankfurt-Zeilsheim

Der Duft des Stadtrands

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Volker Hintz reicht im Löwen seit zehn Jahren traditionelle Kost mit modernem Einschlag. Wer kein Restaurant in A-Lage betreibt, muss sich etwas einfallen lassen, sagt der Gastronom.

Volker Hintz hat die Welt bereist. Doch zu Hause schmeckt’s am besten. Hintz ist Koch. Sein Herd steht im Löwen, Alt-Zeilsheim 10. Seit 2007 führt der 48-Jährige das Haus, das inzwischen „Der Löwe – Das Lokal“ heißt. Sein Urgroßvater hat den Familienbetrieb 1900 eröffnet. Das Nachbarhaus war da noch Teil des Angebots, als Ballsaal oder Turnraum. Später zog ein Kino ein. „Die Löwen-Lichtspiele“, sagt Hintz und lacht. Davon zeugen noch die Schaukästen an der Mauer am Kolberger Weg, dort hängen inzwischen Vereine ihre Informationen aus.

Heute gehört nur noch der Hof samt Kastanie zum Lokal. In Zeilsheim einen Ballsaal zu betreiben würde sich wohl nicht rechnen. Der Stadtteil ist ja eher bodenständig. Hintz hat lange am Konzept gefeilt, bevor er das Lokal übernahm. Nach Urgroßvater und Opa war das Haus 40 Jahre lang erfolgreich verpachtet.

Ab 2000 jedoch ging es bergab. Fünf Pächter versuchten in sechs Jahren ihr Glück. Keiner hatte durchschlagenden Erfolg. Was auch der allgemeinen wirtschaftlichen Situation geschuldet war. „Nach der Euro-Einführung, haben die Leute ihr Geld vorsichtiger ausgegeben. Das hat der Gastronomie geschadet“, sagt Hintz. Die Gäste seien auch anspruchsvoller geworden. Viele haben schon warm gegessen, in der Kantine oder beim Mittagstisch. Um sie abends noch einmal raus zu locken, müsse man schon was bieten, sagt er.

Zum Beispiel die Lage. Am Höchster Schlossplatz etwa liefen Lokale fast von selbst. „In Zeilsheim müssen wir uns was einfallen lassen.“ Das gelte auch für den Einzelhandel. Einkaufszentren und das Internet zögen Kunden ab. „In Zeilsheim gehen das Reisebüro und der Fahrradladen gut, aber sonst?“, fragt Hintz.

Bei der Gastronomie ist das Angebot überschaubar. „Der Nassauer Hof läuft gut“, sagt er. Dort ist es einen Tick bodenständiger als im Löwen. Dann gibt es noch Pizzerien und den Dönerladen. „Der ist ganz lecker“, urteilt der Fachmann.

Hintz setzt auf eine Mischung aus modern und traditionell. Im Gastraum ist vieles aus Holz, die Wände sind vertäfelt, der Boden besteht aus rustikalen Eichendielen. Die Decke hat der Gastgeber abgehängt und moderne Leuchten eingebaut. Auf der Speisekarte steht das Schnitzel ebenso wie der Thunfisch mit mediterranem Gemüse.

Als zusätzlichen Anreiz können Gäste beim Löwen Kochkurse besuchen oder Sonder-Menüs genießen. Es gibt auch mal ein Showprogramm. In der Küche kommen Zutaten aus der Region zum Einsatz, Kartoffeln aus Bad Vilbel, Schnaps aus Kriftel. Kommenden Samstag bietet er mit dem Lieferanten vom Obsthof am Berg ein Weinbrand-Menü an. Im Sommer wirft er auf dem Hof den Grill an.

„Mir war immer klar, dass ich Koch werden will“, erzählt Hintz. Nicht nur der Vorfahren wegen. „Es macht mir einfach Spaß, Dinge auszuprobieren, zu kombinieren. Hintz hat im Schlosshotel Rettershof gelernt. Er kochte bei Johann Lafer in der Sterne-Küche, er war in München tätig, in Hamburg, in Zermatt, sogar auf den Bermudas.

„Der Job ist hart, aber er hat auch angenehme Seiten“, sagt Hintz. „Man kann fast überall auf der Welt arbeiten.“ Heute ist er heimisch im Vordertaunus. Das Reisen vermisst er nicht. „Wahrscheinlich hätte es mir gefehlt, wenn ich nicht so viel unterwegs gewesen wäre“, vermutet er.

Zu tun hat er genug. Der Koch hat nach den Wanderjahren seinen Betriebswirt draufgesattelt. Parallel zum Lokal führt er von Bad Soden aus ein Catering. Außerdem unterstützt er als Berater Agenturen, hilft etwa bei der Wahl des Caterers, geht mit zu Probeessen, kalkuliert Kosten, solche Dinge.

2017 feiert Hintz im Löwen sein Zehnjähriges. Er stutzt. Wie und wann? Er weiß es noch nicht. „Ich muss mal nachschauen, an welchem Tag wir überhaupt eröffnet haben.“

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