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Budhaditya Chattopadhyay untersucht die Soundarchitektur von Offenbach. Budhaditya Chattopadhyay
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Budhaditya Chattopadhyay untersucht die Soundarchitektur von Offenbach. Budhaditya Chattopadhyay

Mousonturm

Jodeln und Poltern in Frankfurt und Offenbach

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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Das Festival „Tonfunktion“ des Frankfurter Mousonturms überrascht mit „Gebrauchsmusik“

Was ist angewandte akustische Emotionsentladung? Wie klingt die ökologische und soziale Veränderung urbaner Sphären? Und wie eine Komposition für Boote? Was haben Jodeln und Protest gemein? Und was ist eigentlich „Gebrauchsmusik“?

Antworten auf derlei Fragen spürt das Festival „Tonfunktion“ des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm nach. Vom 4. bis 14. Juni untersucht die erste Ausgabe dieses „Festivals für Gebrauchsmusik“ die mögliche Wirksamkeit von Klang in außermusikalischen Zusammenhängen. Im Zentrum stehen fünf Werkaufträge, die der Mousonturm an internationale Künstler:innen aus der experimentellen elektronischen Musik und der Performance vergeben hat.

Entstanden sind dabei unterschiedlichste Formate im und für den öffentlichen Raum von Frankfurt und Offenbach. Neben den Werkaufträgen stehen weitere Beiträge an von mehr als einem Dutzend Künstler:innen und Ensembles, die teils ebenfalls im Freien in den beiden Städten, teils im coronakonformen „Bau“ des Mousonturms und teils digital zu erleben sind.

Begleitet wird „Tonfunktion“ von einem Radioprogramm, das in Kooperation mit dem Frankfurter Onlineradio EOS für zeitgenössische elektronische Musik gesendet wird. Zu hören gibt es Essays, Gespräche, Interviews, Sessions und Klangcollagen sowie jeweils einstündige Beiträge von DJs, Musiker:innen und Theoretiker:innen zum Thema Gebrauchsmusik und funktionaler Klang. Auch diese wurden extra für das Festival beauftragt. Ergänzt wird das Radioprogramm zudem von Aufzeichnungen der Werkaufträge.

Das Festival

„Tonfunktion – Festival für Gebrauchsmusik“ ist vom 4. bis 14. Juni in Frankfurt und Offenbach sowie im Onlineradio EOS zu erleben.

Die Angebote im öffentlichen Raum sowie im Radio sind kostenlos, für Projekte im Mousonturm und anderen Spielstätten gilt ein solidarisches Preissystem. myk

www.mousonturm.de

Ursprünglich war „Tonfunktion“ als reines Onlinefestival geplant. Doch mit den sinkenden Inzidenzen und zunehmenden Lockerungen wurden einige Projekte umdisponiert und in den analogen, öffentlichen Raum verlegt. Der „Polter-Abend“ des Hamburger Papiripar-Labors jedoch nicht, oder zumindest nicht ganz. Das „Forum für Entladung“, wie der Untertitel des Werksauftrags lautet, lässt sich am Mittwoch, 9. Juni, 19 bis 21 Uhr, von den meisten nur via EOS-Radio hören. Lediglich ein paar „handverlesene Gäste“ werden zu einer „kontrollierten Destruktions-Parade“ in ein leeres Lager eingeladen, wo sie mitgebrachte Gegenstände zerstören dürfen – mit Hammer, Axt oder Faust. Mittels installierter Raummikrofone werden die Schockwellen der Performance ins Radio übertragen. Zusätzlich können Hörer:innen im EOS-Studio anrufen, Dinge in ihrer Wohnung zertrümmern und so „ihre Destruktionswut mit der Welt teilen“. Die Aktion wird live über das Telefon zugeschaltet (Hotline: 01 51/43 28 38 68).

Mit der Frage, was „Gebrauchsmusik“ ist, haben sich seit den 1920er Jahren etliche Geister befasst, darunter Paul Hindemith und Theodor W. Adorno. Laut Duden bezeichnet der Begriff „Musik, die für einen bestimmten Zweck oder für eine bestimmte Gruppe von Instrumentalisten oder Sängern bestimmt ist (z. B. Film-, Tanzmusik)“. Das „Tonfunktion“-Festival betont darüber hinaus die Bedeutung des öffentlichen Raums sowie die des Publikums, das mitunter ganz spontan und zufällig daherkomme und „von klanglich konspirativ über interventionistisch bis partizipativ“ einbezogen werde.

Manche Beiträge sind so angelegt, dass weder Ort noch Zeitpunkt bekannt sind. Sie werden plötzlich im öffentlichen Raum erscheinen und Passant:innen überraschend zu Zuhörenden machen. Zum Beispiel der „Aural Drift“ des in den Niederlanden lebenden indischen Künstlers Budhaditya Chattopadhyay – der Werkauftrag, mit dem am Freitag, 4. Juni, das Festival startet und am Montag, 14. Juni, endet. Täglich von 17 Uhr an untersucht der Künstler „Soundarchitektur“ der Offenbacher City. Die Arbeit manifestiert sich in Form einer mobilen Ausstellung gesammelter Klanglandschaften, abruf- und hörbar durch QR-Codes.

Ebenfalls in der Offenbacher (4. bis 6. Juni) sowie auch in der Frankfurter Innenstadt (11. bis 13. Juni) präsentiert das Ensemble TinTin Patrone seinen Werkauftrag „Gorlepin oam ratt“, was soviel heißt wie „Geschrei am Abend“ und laut Festivalprogramm eine „Science-Fiction-Oper in der Tradition des Appenzeller Alpsegens“ darstellt. Es jodelt ein dreiköpfiger Chor, und das auf Manisch, einem Soziolekt, der in Mittelhessen, Nordrhein-Westfalen und im Salzkammergut teils noch gesprochen wird. Das Ganze zielt darauf ab, in Häuserschluchten „Klangbilder eines dystopischen Sonnenuntergangsszenarios“ zu erzeugen.

Also: Ohren spitzen, wer dieser Tage in der Stadt unterwegs ist.

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