Römerbriefe

Auf Jobsuche in Frankfurt

  • schließen
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
    schließen

Es gibt ein Leben nach der Karriere. Und das sollte gut bezahlt sein. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:Was hast du verhandelt?

Göpfert:1000 Euro mehr als du und einen Dienstwagen.

Leppert:Du fährst doch gar kein Auto.

Göpfert:Steig auf deinen Roller und kommentier meinen Vertrag nicht.

Das war natürlich kein ernst gemeinter Dialog, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Wir sind in unserem Job sehr glücklich, wir verhandeln über keine anderen Angebote, wir brauchen auch keinen Dienstwagen. Alles gut. Aber: Aus aktuellem Anlass – wir nennen jetzt keine Institution oder Organisation – wollen wir uns Gedanken über die Versorgung von verdienten Politikerinnen und Politikern machen. Wobei das jetzt wieder so negativ klingt. Versorgung. Soll es gar nicht. Es geht doch darum: Wenn unsere Politikerinnen und Politiker aus irgendeinem Grund nicht mehr so aktiv sein können, wie wir es von ihnen kennen und schätzen – sollen sie dann etwa in die Arbeitslosigkeit stürzen? Da muss man doch andere Lösungen finden.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) etwa hat doch jahrelang für die Sperrung des Mainufers gekämpft. Jetzt hält er daran fest – Chaos in Sachsenhausen hin oder her. Könnte er nicht nach seiner politischen Karriere – oder auch nebenberuflich – als Stauhelfer arbeiten? Morgens und abends würde er an der Kennedyallee stehen und verzweifelten Autofahrern Decken und Getränke reichen. Selbstverständlich für das Gehalt eines hauptamtlichen Stadtrats.

Oder Michael zu Löwenstein. Es war doch immer eine angenehme Zusammenarbeit mit ihm als CDU-Fraktionschef. Da kann er doch nun nicht einfach in die Bedeutungslosigkeit verschwinden. Sein Job: WLAN-Beauftragter im Bildungsdezernat. Wenn es mal wieder Probleme mit der Leitung gibt, können sich die Schulen an ihn wenden. Er findet dann zwar auch keine Lösung, verschickt aber eine Pressemitteilung, in der steht: Mit einem privaten Anbieter wäre das nicht passiert.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wiederum profitiert von ihrer Vergangenheit als sehr geschätzte und vielbeachtete Feuilleton-Redakteurin der FR. Sie könnte nach Ende ihrer politischen Karriere Gastbeiträge für städtische Publikationen schreiben. Etwa: „Unsere Bühnen: Von Machbarkeitsstudien, Hintergrundgesprächen und vertagten Beschlüssen“. Oder: „Oper und Schauspiel – hoffentlich tut sich auch heute nichts“.

Der SPD-Stadtverordnete Bäppi la Belle wird natürlich unser Witzeschreiber, sagt dann aber ab, weil wir kein Gehalt zahlen können und Bernhard Ochs („Ich bin Stadtvertrockneter“) manchmal sogar lustiger als ihn finden. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wird Beauftragter der Stadt Frankfurt für den Umgang mit dem Umland. Nach zwei Jahren erzielt er seinen ersten Kompromiss. Einzelne Häuser der ABG dürfen ohne (!) Zustimmung der Regionalversammlung um ein Stockwerk erhöht werden, wenn sie sich mindestens zwölf Kilometer von jeder Stadtgrenze entfernt befinden. Und die Römerbrief-Schreiber? Schreiben künftig Glossen für alle, die Interesse haben – für Gehaltsstufe 12 des Glossenschreiber-Tarifvertrags plus 1000 Euro und Dienstwagen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare