1. Startseite
  2. Frankfurt

Jobcenter Frankfurt: „Frühzeitig Vorkehrungen getroffen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Täglich werden immer noch hunderte Geflüchtete aus der Ukraine im Zentrum Stadtraum beraten.
Täglich werden immer noch hunderte Geflüchtete aus der Ukraine im Zentrum Stadtraum beraten. © Renate Hoyer

In Frankfurt sind 2500 Geflüchtete aus der Ukraine ab dem 1. Juni berechtigt für Hartz IV. Das Verfahren für die Aufenthaltserlaubnis stockt wegen Personalmangel in der Ausländerbehörde.

Das Frankfurter Jobcenter hat seine Terminzeiten ausgeweitet, zweisprachige Antragsunterlagen erstellt, die Homepage um eine zweisprachige Ukraine-Seite ergänzt und Dolmetscherinnen und Dolmetschern organisiert. Ab diesem Mittwoch werden Geflüchtete aus der Ukraine vom Jobcenter betreut und wechseln vom Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung (SGB II) beziehungsweise Hartz IV. Zumindest diejenigen, die eine sogenannte Fiktionsbescheinigung (der Nachweis für einen rechtmäßigen Aufenthalt) oder einen Aufenthaltstitel nach der zuständigen Ausländerbehörde vorweisen können.

„Wir sind gut vorbereitet“, sagt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt. „Wir haben frühzeitig Vorkehrungen getroffen, um einen reibungslosen Übergang der ukrainischen Geflüchteten ins SGB II zu gestalten und arbeiten eng mit der Ausländerbehörde, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Jugend- und Sozialamt zusammen.“ Gemeldete Ukrainer:innen werden schon seit dem 9. Mai aktiv vom Jobcenter eingeladen. Bis zum 31. Oktober werden von der Bundesagentur für Arbeit auch Ersatzbescheinigungen akzeptiert. Unter anderem, weil die Bundesdruckerei nicht genügend fälschungssichere Dokumentenvorlagen ausliefern konnte.

Das Frankfurter Jugend- und Sozialamt verzeichnet inzwischen rund 7300 Ukrainer:innen, die Hilfeleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen. Die Ausländerbehörde hat rund 11 700 Personen an das Regierungspräsidium Darmstadt gemeldet, die der Stadt Frankfurt zugewiesen werden sollen. Davon haben rund 2500 Personen bereits eine Aufenthaltserlaubnis beantragen können.

Jobcenter

Das Jobcenter Frankfurt lädt gemeldete ukrainische Geflüchtete schon seit dem 9. Mai aktiv ein. Die Terminzeiten sind Montag bis Donnerstag 08:30 – 11:30 Uhr sowie 13 – 16 Uhr und Freitag 08:30 – 13 Uhr. Die Antragsunterlagen sind abrufbar unter: www.jc-frankfurt.de/ukraine.

Solange die geflüchteten Menschen noch nicht von den Jobcentern betreut werden, können sie sich zur Beratung und Unterstützung für den Einstieg in den Arbeitsmarkt weiterhin an die Agentur für Arbeit wenden. Die Service-Hotline in ukrainischer und russischer Sprache ist unter 0911 1787915 erreichbar. tim

„Derzeit stockt das Verfahren“, teilt Norbert Euler, Leiter der Ausländerbehörde mit. Aufgrund der eingeschränkten personellen Kapazitäten könnten diese Anträge nur mit kompletten zusätzlichen Ausbildungslehrgängen bewältigt werden. „Erst Mitte Juni wird ein neuer Ausbildungslehrgang der Ausländerbehörde zugewiesen. Nach Einarbeitung können bis zu 400 Anträge pro Woche bearbeitet werden“, sagt Euler. Täglich werden bis zu 90 Personen erkennungsdienstlich behandelt. Fingerabdrücke eingescannt sowie Fotos der Anmelder:innen gemacht. „Das ist Grundvoraussetzung für die Erteilung einer Fiktionsbescheinigung beziehungsweise einer Aufenthaltserlaubnis“, so Euler.

Das geschieht alles im Zentrum Stadtraum in der Mainzer Landstraße, wo die Geflüchteten bisher auch die Hilfeleistungen des Jugend- und Sozialamts beantragt haben. Trotz der anstehenden Umstellung herrscht nach wie vor großer Andrang, es kommen täglich mehrere Hundert Geflüchtete, um sich beraten zu lassen.

Viele Fragen zu Wohnungen

Den größten Beratungsbedarf gibt es zum Thema eigene Wohnung. Die meisten Geflüchteten wohnen in Notunterkünften, in Turnhallen oder Hotels. Die Warteliste für Sozialwohnungen war schon vor Ausbruch des Krieges lang. 9000 Haushalte standen vor dem 24. Februar auf der Warteliste der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG. „Es kommen außerdem sehr viele Fragen zur Anerkennung von Unterlagen“, berichtet Viktoriia von Rosen. Sie ist Gründerin der Initiative Ukrainian Coordination Center (UCC). Mit mehreren Ehrenamtlichen übersetzen sie für die Geflüchteten und beraten sie zu den verschiedensten Themen. Natürlich wird auch nach Jobs gefragt, aber für Frauen mit Kindern im Kindergartenalter gibt es das Problem der fehlenden Betreuung.

Außerdem werden die Geflüchteten darüber aufgeklärt, dass sie ab dem 1. Juni auch nicht mehr kostenlos den Nahverkehr nutzen. Das Helpukraine-Ticket der Deutschen Bahn ist zum 31. Mai ausgelaufen. „Wir empfehlen allen, sich die nächsten drei Monate das Neun-Euro-Ticket zu kaufen“, sagt von Rosen.

Auch interessant

Kommentare