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Frankfurt: Job-Börse in Raubkopie

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Von: Stefan Behr

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Im Landgericht Frankfurt muss sich ein Zuhälter dafür verantworten, Minderjährige angeboten zu haben.
Ein Start-up-Unternehmer muss sich vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. © Fredrik von Erichsen/dpa

Ein Start-up-Unternehmer steht wegen Betrügereien vor dem Landgericht.

Frankfurt - Najim A. steht vor dem Landgericht Frankfurt, weil er für teuer Geld einer Vielzahl an Unternehmen eine Dienstleistung angedreht haben soll, die für diese völlig unnütz waren, keinen Funken ehrliche Arbeit darin investiert und damit laut Anklage „eine Vielzahl von Menschen in die Gefahr von Vermögensverlusten gebracht“ haben soll.

„Aber Unternehmensberatung ist doch kein Verbrechen!“, wird jetzt vielleicht eine Vielzahl von Menschen denken, und darüber ließe sich diskutieren – strafbewehrt ist sie jedenfalls nicht. Aber der 44 Jahre alte Offenbacher ist ja auch nicht wegen Unternehmensberatung, sondern wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt, und der lässt sich nicht schönreden.

Frankfurt: Angeklagter ignorierte Reklamationen mit der Gelassenheit eines Telekommunikationsanbieters

Im März 2017 soll A. als Geschäftsführer eines als Internet-Jobbörse getarnten Start-up-Unternehmens mit Sitz in der Kennedyallee seine Beschäftigten angewiesen haben, fleißig die Anzeigen aus echten Jobbörsen zu kopieren und auf der eigenen zu platzieren. Anschließend soll A. gut 100 Firmen diese Dienstleistung als von ihnen bestellt und für 499 Euro verkauft haben.

Erstaunlicherweise zahlten wohl fast alle und spülten fast 50.000 Euro auf das Schweizer Konto des mutmaßlichen Start-up-Raubkopierers. Darunter befinden sich einige Finanzdienstleister, bei denen eine Vielzahl von Menschen denken könnte „Geschieht denen ganz recht!“, aber eben auch andere Organisationen wie etwa der Malteser Hilfsdienst oder eine Behinderteneinrichtung. Etliche Firmen merkten im Nachhinein den Betrug und beschwerten sich bei A., der die berechtigten Reklamationen mit der professionellen Gelassenheit eines Telekommunikationsanbieters ignorierte.

Frankfurt: Angeklagter will sich zu Vorwürfen nicht äußern

A. selbst will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, aber seine ehemaligen Beschäftigten haben noch ein paar anberaumte Verhandlungstage Zeit, im Zeugenstand auszusagen. Die Vorsitzende Richterin gibt zu Beginn der Verhandlung den Hinweis, dass es aus Sicht der Großen Strafkammer „keine Vielzahl von Menschen“ sei, die hier einen mehr oder minder schmerzlichen Vermögensverlust zu beklagen hätte, sondern „eine Vielzahl von juristischen Personen“. Das wäre dann in der Tat ein signifikanter Unterschied zu einer Unternehmensberatung. Strafbar wäre es nichtsdestotrotz. (Stefan Behr)

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