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Wo laufen sie hin? Die Renntage in Niederrad sind vermutlich gezählt.

Galopprennbahn

„Eine großartige Chance für die Stadt“

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Markus Frank spricht im FR-Interview über die Argumente der Bürgerinitiative Pro Rennbahn und über den Umgang mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids.

Herr Frank, die Bürgerinitiative Pro Rennbahn wirft der Stadt Frankfurt vor, durch die Schließung der Bahn Werte im Umfang von 84 Millionen Euro zu verschleudern. Allein 25 Millionen Euro betrage der Wertverlust durch den Abbruch der heutigen Galoppanlage.
Erstens: Diese Zahl ist fiktiv, sie kommt aus einem anderen Zusammenhang. Tatsächlich hat die Stadt den Altbetreiber mit drei Millionen abgefunden. Übrigens befinden wir uns auch nicht mehr in der Blütezeit des Galopprennsports, in der 20 oder 30 Renntage stattgefunden haben. Auch das, was auf der Anlage stattfindet, ist Bestandteil einer gutachterlichen Wertermittlung und würde sich im Preis widerspiegeln. Leider mussten wir in den letzten Jahren den wirtschaftlichen Niedergang mehrfach miterleben.

Das wird ja bestritten. Angeblich erholt sich der Galopprennsport gerade.
Das habe ich leider zu oft gehört. Immer dann, wenn der Rennverein pleite war, gab es Gespräche mit der Stadt. Dann wurde uns erzählt, der Rennbetrieb erholt sich wieder und kurze Zeit später war dann die Situation wieder so prekär wie zuvor.

Angeblich gibt es immer noch 30 große und kleine Galopprennbahnen in Deutschland …
… ich bleibe dabei: Die letzten Jahre waren gekennzeichnet durch den wirtschaftlichen Niedergang. Das Wettgeschäft auf der Rennbahn ist durch das Angebot von Onlinewetten bis Wettstübchen drastisch zusammengebrochen. Es gibt in Frankfurt am Main nur noch fünf Rennen im Jahr, damit kann man aber eine so große Infrastruktur wirtschaftlich nicht aufrechterhalten.

Die Bürgerinitiative rechnet außerdem vor, dass der Stadt immense Pachteinnahmen entgehen.
Tatsächlich hat die Stadt in den zurückliegenden Jahrzehnten keine großen Pachteinnahmen bekommen. Viele Jahre war die Rennbahn gar nicht in der Lage, Pacht zu bezahlen.

Die Stadt hat also gar nichts eingenommen?
Nicht nur, dass der Rennklub über Jahre seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt hat, die Stadt hat in den letzten Jahren knapp zehn Millionen Euro draufgelegt, beziehungsweise auf Einnahmen verzichtet.

Der Bau des großen chinesischen Hotels, das da seit Jahren an der Rennbahn hochgezogen wird, ist unter der Bedingung begonnen worden, dass die Gäste den Rennbetrieb erleben.
Das Hotel ist eine unendliche Geschichte, aber wir haben die Hoffnung, dass es nächstes Jahr fertiggestellt wird.

Aber es wurde seinerzeit damit geworben, dass Gäste aus aller Welt Galopprennen erleben könnten.
Jetzt werden sie wahrscheinlich sehen, wie Jogi Löw unsere Nationalmannschaft trainiert und die zukünftigen Weltmeister hier in Frankfurt am Main geformt werden. Das ist eine großartige Chance für die Stadt.

Die Stadt hat die Rennbahn sehr lange subventioniert. Aber was jetzt geschieht, die Überlassung des Geländes an den Deutschen Fußball-Bund für eine relativ bescheidene Summe, stellt auch eine Subvention dar.
Das ist keine Subvention. Wir überlassen dem DFB das Grundstück für den Preis, den der Gutachterausschuss für Immobilienwerte für den Bereich der Stadt festgestellt hat. Wir nehmen eine große Chance für die Sportstadt Frankfurt wahr. Die gesamte deutsche Fußballausbildung wird in Frankfurt zusammengeführt, von der Jugend- bis zur Nationalmannschaft. Mit diesem Nukleus machen wir sicher, dass wir die Hauptstadt des deutschen Fußballs sind.

Wenn man das Areal anders verwerten würde, hätte man durchaus höhere Einnahmen erzielen können.
Wenn wir dort Hochhäuser bauen könnten, wäre das vielleicht möglich. Dürfen wir aber nicht. Es ist Siedlungsbeschränkungsfläche wegen der Nähe zum Flughafen. Mit der neuen Nutzung der Sportfläche als DFB-Akademie und Bürgerpark können wir eine zur Zeit wenig genutzte sportliche Infrastruktur in eine attraktive Sport- und Freizeitstätte mit internationaler Strahlkraft verwandeln. In Zukunft werden wir hier in Frankfurt am Main aus jungen Fußballerinnen und Fußballern Nationalspieler und Weltmeister machen.

Was ist mit hochwertigem Wohnen?
Hochwertiges Wohnen ist an dieser Stelle aus den gleichen Gründen nicht möglich. Als Sportdezernent möchte ich natürlich, dass auf dieser Sportfläche weiter Sport betrieben werden kann. Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft künftig dort trainiert, steht natürlich die sportliche Nutzung im Vordergrund.

Die Stadt wollte unbedingt verhindern, dass der DFB in eine andere Stadt abwandert, beispielsweise in die Bundeshauptstadt.
Der DFB hatte vor, eine Akademie zu bauen und diese dann mit seiner heutigen Verwaltung zu verschmelzen. Der DFB folgt der Philosophie der Sichtbarkeit und will alles an einem Ort zusammenfügen. Wenn wir keine geeignete Fläche anbieten können, würde das sicher nicht in Frankfurt stattfinden.

Es drohte also die Abwanderung des DFB.
Wir hätten dann perspektivisch ein Problem. Zum Glück haben wir aber jetzt eine gute, zukunftsfähige Lösung.

Die DFB-Gegner sagen, die Rennbahn sei eine grüne Oase für alle. Das würde sie künftig nicht mehr sein.
Die Rennbahn ist heute zugänglich, wenn das Tor mal offen ist. Künftig soll die Tür zum Bürgerpark immer für alle offen stehen. Auch der DFB-Teil des Grundstücks wird eine grüne Oase sein. Fußball spielt man nun mal am besten auf Rasenplätzen.

Es wird sicher auch Gebäude geben bei der Akademie des Deutschen Fußball-Bundes.
Natürlich auch Flächen für die Verwaltung und Schulungsräume, Räume für Physiotherapie …

Was machen Sie, wenn der Rennklub das Gelände nicht freiwillig verlässt?
Wir halten uns an die demokratischen Spielregeln. Wir halten uns an das Ergebnis des Bürgerentscheids. Für den Fall, dass der Bürgerentscheid ergibt, dass der Bebauungsplan zurückgenommen wird, dann akzeptieren wir das.

Dann würde der Rennbetrieb weitergehen und die Stadt würde den Galoppsport wieder subventionieren?
(lacht). Dann würde dort eine Rennbahn sein. Das heißt aber nicht, dass dort automatisch wieder ein wirtschaftlich tragfähiger Rennbetrieb stattfindet.

Würde die Stadt wieder subventionieren?
Ich fürchte, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter bestehen würden.

Steht am Ende die Zwangsräumung? Kommt der Gerichtsvollzieher im Auftrag der Stadt?
Nein. Wenn der Bürgerentscheid entschieden ist und der Pulverdampf sich verzogen hat, wird der Unterlegene der Realität ins Auge schauen.

Sie haben einen Vertrag mit dem DFB, demzufolge sie am 1. Januar 2016 das Gelände übergeben müssen. Was ist denn, wenn Sie das nicht halten können?
Noch einmal: Ich setze darauf, dass die Gegenseite auch aus guten Demokraten besteht.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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