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Die Corona-Pandemie gerät zur größten Belastung für die Finanzen der Stadt Frankfurt seit Jahrzehnten. Nun muss in die Modernisierung der städtischen Institutionen investiert werden.

Die Corona-Pandemie gerät zur größten Belastung für die Finanzen der Stadt Frankfurt seit Jahrzehnten. Nur einmal in den vergangenen 40 Jahren hat es einen ähnlich massiven Einbruch bei den städtischen Einnahmen gegeben. Das war Anfang der 1990er Jahre, als eine rot-grüne Koalition Frankfurt regierte.

1993 wurde der städtische Haushaltsentwurf zur „Liste der Grausamkeiten“. Die Kommune verkaufte wichtige Grundstücke und kürzte massiv bei der Kultur. Das städtische Kinder- und Jugendtheater wurde gestrichen, der Eintritt bei den städtischen Museen eingeführt. Wo das Theater am Turm (TAT) Theatergeschichte geschrieben hatte, wurde ein privates Multiplex-Kino gebaut. Fehler, die nachwirken.

Fehler, die sich nicht wiederholen dürfen und aus denen die Kommunalpolitiker von heute lernen sollten. In den politischen Verteilungskämpfen, die jetzt in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen ausbrechen, darf nicht das Soziale gegen die Kultur ausgespielt werden. Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hat das geplante Kinder- und Jugendtheater zur Disposition gestellt. Ein Déjá-vu-Erlebnis. Es wäre fatal, würde die Koalition dieses Projekt opfern, das auch soziale Bedeutung besitzt.

Es scheint, als würde die Stadt Frankfurt die Corona-Pandemie besser überstehen als in den schlimmsten Szenarien befürchtet. Trotz näher rückender Kommunalwahl sollte die Koalition versuchen, sich nicht zu zerstreiten. Es gilt jetzt, erst recht zu investieren in die Infrastruktur der Kommune, in Kitas und Schulen. Das wäre sozialpolitisch geboten. Denn die Zahl der Menschen in Frankfurt, die wirtschaftlich in Bedrängnis geraten, wird infolge der Pandemie wachsen.

Es gilt, klug zu investieren, auch und gerade in die Modernisierung der städtischen Institutionen. Das heißt etwa, die Zukunft der Städtischen Bühnen nicht ängstlich weiter zu vertagen. Sondern energisch auf einen Entwurf hinzuarbeiten, der sparsam und architektonisch wie ökologisch zukunftsweisend zugleich ist. So könnte aus der Corona-Krise eine Chance für die Stadt und ihre Menschen werden.

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