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"Jeder Pelz unterstützt grausame Industrie"

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Von: Thomas Stillbauer

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Eine Aktion, die Aufmerksamkeit garantiert: Peta-Aktivisten auf der Zeil.
Eine Aktion, die Aufmerksamkeit garantiert: Peta-Aktivisten auf der Zeil. © Christoph Boeckheler

Peta-Tierrechtler demonstrieren auf der Frankfurter Zeil gegen Kleidung aus Pelz oder Leder. Den Ort ihres Protests haben sie mit Bedacht gewählt.

Auf der Zeil stehen am Dienstagvormittag drei gehäutete Menschen. Jedenfalls sehen sie so aus – sie tragen täuschend echt wirkende Ganzkörperanzüge. Aus einiger Entfernung wirkt der Anblick ausgesprochen gruselig, und man kann sagen: Es ist den Passanten keineswegs egal, was sie da sehen.

„Die Irren sterben nicht aus“, ruft ein alter Mann im Vorübergehen. Ein anderer redet lange in einer fremden Sprache auf die drei ein. Eine Frau will nicht nur ein Flugblatt von der Aktivistin, sie versucht, gleich den ganzen Stapel an sich zu reißen. Leute schreien, Leute applaudieren. Fast niemand geht einfach nur achtlos vorüber.

„Das schockt“

„Es ist ja auch ein provokatives Statement, was wir hier machen“, sagt einer der drei Gehäuteten. „Das schockt. Manche fühlen sich persönlich angegriffen.“ Nicht ganz einfach, mit ihm zu sprechen. Sein Gesicht ist komplett verborgen unter der Haut, die „ohne Haut“ darstellen soll. Was tragen die drei drunter? „Ganz normal“, sagt eine Frau, „Pullover und Jeans. Die dicken Jacken haben wir ausgezogen.“ So lässt es sich ein, zwei Stunden stehen, bevor es zu kalt wird. Es regnet auch noch. Andererseits: Diejenigen, um die es hier eigentlich geht, sind noch deutlich schlechter dran.

„Tiere haben gar nichts drunter“, sagt Alena Thielert, die die Aktion für die Tierrechtsorganisation Peta koordiniert. „Viele Pelztiere in Asien werden überhaupt nicht betäubt vor dem Häuten. Man sieht sie danach noch zucken.“ Betroffen sind laut Peta unter anderem Kaninchen, Marderhunde und Kühe, die bei vollem Bewusstsein für die Herstellung von Pelz- oder Lederkleidung getötet würden.

„Wir wissen allein von 300 000 Rindern jährlich in Deutschland, bei denen die Betäubung fehlschlägt“, sagt Alena Thielert. Weltweit würden Milliarden Tiere für die Kleiderproduktion gequält. Der Proteststandort auf der Zeil sei mit Bedacht gewählt: „Hier gibt es viele Bekleidungsgeschäfte, die Tierprodukte verkaufen.“ Ziel der Aktion: „Wir möchten erreichen, dass die Konsumenten auf vegane Mode setzen. Jeder Schuh aus Leder und jeder Pelzmantel unterstützt diese grausame Industrie.“

Dass die Menschen weltweit gerade von ganz anderen Ereignissen bewegt werden, hält die Peta-Gruppe nicht von ihrer Aktion ab, die sie am Dienstag gleich weiter nach Karlsruhe führte. „Es ist furchtbar, was in Paris passiert ist. Aber deshalb werden wir nicht unsere Arbeit einstellen, sondern weiter das tun, wofür wir stehen.“

Wer tierfreundlich shoppen will, dem empfiehlt Peta Kleider aus Baumwolle, Sojaseide oder Cellulose-Fasern. Einige Designer wie Tommy Hilfiger, Calvin Klein und Harald Glööckler verzichteten auf Pelz, Stella McCartney auch auf Leder.

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