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Bücher

Jean Claude Diallo: Ein Frankfurter aus Afrika

Jean Claude Diallo, der erste und bisher einzige Frankfurter Dezernent mit Wurzeln in Schwarzafrika, stand für Weltoffenheit. Seine Witwe hat ein Buch herausgegeben mit persönlichen Erinnerungen.

Er war kein Politiker wie andere. Jean Claude Diallo, der erste und bisher einzige Frankfurter Dezernent mit Wurzeln in Schwarzafrika, war offen für Anregungen, vorausschauend in seinen Analysen – und ein Mensch, in dessen Gegenwart sich andere wohlfühlten.

Viele dieser Eigenschaften finden sich in den Texten des Buchs „Ein Frankfurter aus Afrika“ wieder, das Diallos Witwe Barbara Gressert-Diallo herausgegeben hat. Der Band enthält persönliche Erinnerungen von Freundinnen und Freunden, aber auch politische Würdigungen von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ebenso wie Texte des 2008 in seiner zweiten Heimat Frankfurt gestorbenen Integrationsdezernenten. Bei der Immigrationsbuchmesse wird es am Samstag, 4. September, ab 18.30 Uhr vorgestellt.

„Nach 1945 glaubten viele, die Probleme des Rassismus in Europa ein für alle Mal gelöst zu haben“, schrieb Diallo Mitte der 1990er Jahre. „Die gegenwärtige Zuspitzung in allen europäischen Ländern zeigt uns, dass diese Hoffnung unbegründet war“, stellte Diallo fest und fügte eine politische Schlussfolgerung hinzu: „Fremd bleibt, wer nicht Bürger werden darf“.

Jean Claude Diallo war in der westafrikanischen Republik Guinea geboren worden und ging dort zur Schule und an die Uni. Mit Anfang 20 kam er dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland, wo er Psychologie studierte und seine Frau kennenlernte. In Frankfurt arbeitete er mehr als zwei Jahrzehnte lang für den Evangelischen Regionalverband und entwickelte das Psychosoziale Zentrum für ausländische Flüchtlinge mit.

Zwischenzeitlich ging Diallo jedoch zurück nach Guinea, in der Hoffnung, dort nach dem Tod des grausamen Diktators Sékou Touré unter dem neuen Staatspräsidenten Lansana Conté an einem demokratischen Aufbruch mitwirken zu können.

Doch nach zwei Jahren als Staatssekretär im Auswärtigen Amt und als Minister für Information und Kultur reichte Diallo enttäuscht seinen Rücktritt ein. Wieder in Frankfurt, zog Diallo 1997 für die Grünen als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat ein und übernahm Anfang 2007 das Integrationsdezernat, bis er nach gut einem Jahr im Alter von 62 Jahren völlig überraschend starb.

Er sei „das intellektuelle wie sinnlich anschauliche Symbol für eine Politik der Multikulturalität, die das Fremde und den Fremden als Chance und Gewinn begreift, ohne die Probleme und die Mühen der Integration zu ignorieren“, schreibt die langjährige grüne Stadträtin Jutta Ebeling in dem Band über Diallo. „Er war die Inkarnation von Weltoffenheit als afrikanischer Europäer und europäischer Afrikaner.“

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