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Jeden zweiten Abend gibt es Live-Musik im Mampf.
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Jeden zweiten Abend gibt es Live-Musik im Mampf.

Gastronomie in Frankfurt

Das Jazzlokal Mampf wird 40

Eine kleine Kneipe im Sandweg ist seit 40 Jahren ein Treffpunkt für ganz unterschiedliche Menschen. Gleichzeitig ist das Mampf eine Basis nicht nur für Frankfurter Jazzmusiker.

Von Laura Wagner

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Hinter einer schmalen Tür im Sandweg liegt eine Parallelwelt. Ein kleines, düsteres Reich, vollgestopft mit Schätzen und Erinnerungen an vergangene Zeiten. Auf einem Foto links an der Wand posiert ein Mann in einem schweren roten Mantel mit Nerzkragen: Louis Armstrong, der König des Jazz. Doch der wahre Herrscher über die 40 Quadratmeter steht hinter dem Tresen – in wesentlich unauffälligerer Kleidung. Michael Damm ist der Wirt des kultigen Jazzlokals Mampf, das in diesem Sommer sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Während ringsherum neue Mietshäuser und Ladenketten die Straßen erobern, ist das Mampf sich treu geblieben. Eine Kommunikationsbasis, ein Treff verschiedenster Leute, „vom Hochschuldirektor bis zum Sozialhilfeempfänger“, sagt Damm. „Das zieht die Leute magisch an.“ Auch die Jazzmusik, die jeden zweiten Abend live gespielt wird, lockt die Besucher an. Gerade Newcomer der Jazzszene schätzen das Mampf. „Es ist eine Chance für sie.“

Massenhafte Anarchie macht Proletarier frei

Es ist nicht nur das Mampf, sondern der Jazz in Frankfurt überhaupt, der Jubiläum feiert: 40 Jahre Mampf und 60 Jahre Jazzkeller in der Kleinen Bockenheimer Straße. „Gemeinsam sind wir ein Jahrhundert alt“, sagt Damm.

Das Mampf hieß nicht immer Mampf. Ganz früher hieß die Gaststätte „Zum Bauernfeind“. Im Krieg wurde das Haus durch Bomben zerstört, danach wieder aufgebaut. 1952 eröffnete die Sandwegstube. Die Stammkunden waren würfelbegeisterte Asbachtrinker.

Vermutlich am 14. Juli 1972 übernahm Edgar Henning die Kneipe und taufte sie Mampf, ein Akronym für „Massenhafte Anarchie macht Proletarier frei“. Er schmiss die Würfelspielanlage hinaus, schenkte keinen Asbach und keine Coca-Cola mehr aus. Es wurde eine Spontikneipe. „Das war meine Stammkneipe“, sagt Damm. 1983 war der Frankfurter nicht mehr nur Gast, sondern Wirt, gemeinsam mit sechs Freunden. Ein „Anarchistenlokal“ sei es gewesen – und das sei es irgendwie auch heute noch. „Anarchie ist eine Einstellung.“

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Alles begann mit einem Zehn-Mark-Schein

Damm ist als letzter der sieben Studenten übrig geblieben. Die anderen haben irgendwann die Kneipe gegen Beruf und Familie getauscht. „Ich wüsste nicht, wie ich hiervon loskommen soll“, sagt hingegen Damm und dreht sich einmal um sich selbst, betrachtet die vollgehängten Wände. Rechts neben der Tür hängen Todesanzeigen und Fotos verstorbener Stammgäste, die Wände sind mit Bildern vollgepflastert. Vor dem Fenster baumeln Instrumente von der Decke, am Regal mit den Gläsern hängen verblichene Geldscheine aus aller Welt.

„Alles fing mit einem zerrissenen Zehn-Mark-Schein an“, erinnert Damm sich. Das war die Trophäe eines Stammkunden, der sich mit einem Taxifahrer in die Haare bekommen hatte. Hinter dem Tresen thront auch die erste eigene Errungenschaft der sieben Studenten, eine Espressomaschine.

Geplant war es nie, dass Damm den Laden einmal alleine schmeißt. „So ist das eben“, zuckt er die Schultern. Eigentlich wollte der mittlerweile 62-Jährige damals Medizin studieren, dafür reichte die Abschlussnote nicht aus, und so wurde es Soziologie mit den Schwerpunkten Denkmalschutz und Stadtentwicklungsplanung. Mit dem Lokal verbinde ihn eine Hassliebe, erzählt der Wirt. „Es ist anstrengend. Hier wird mehr reingesteckt, als man rausholt“, sagt er. Aber das sei ja meistens so mit der Kultur. Aufgeben will er trotzdem nicht.

Das Mampf, Sandweg 64, hat sonntags bis donnerstags von 18 bis 1 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 2 Uhr geöffnet. Mehr im Internet unter www.mampf-jazz.de.

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