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Jasmin Jüttner bei der Ausübung eines Katas.
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Jasmin Jüttner bei der Ausübung eines Katas.

Olympia 2021

Jasmin Jüttner: Mit Müllsäcken nach Tokio

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Karate feiert bei den Olympischen Spielen vorerst eine einmalige Premiere - eine von nur 80 Teilnehmenden ist Jasmin Jüttner vom SC Judokan Frankfurt, die in der Disziplin Kata antritt.

Müsli, Energieriegel und ein paar Glücksbringer: Diese Sachen wird Jasmin Jüttner wie viele andere Athletinnen und Athleten in ihren Koffer für Tokio packen. Mit schwarzen Müllsäcken und Klebeband dürfte die Karateka vom SC Judokan Frankfurt aber ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal im Olympischen Dorf haben. „Um die Fenster im Zimmer maximal abzudunkeln, damit ich länger und tiefer schlafen kann. Das fördert die Regeneration“, erklärt die 28-Jährige schmunzelnd. Ein Tipp aus einem Schlafbuch, der bei der Berufssoldatin sofort gewirkt hat und ihr helfen soll, den bestmöglichen Auftritt hinzulegen und bei optimalem Verlauf eine Medaille zu gewinnen.

Die gebürtige Aschaffenburgerin, die in Mömbris aufgewachsen ist, feiert bei den Olympischen Spielen ihre Premiere und gleichzeitig die von Karate im Ursprungsland der Kampfsportart. Für die Spiele in Paris 2024 ist Karate schon wieder gestrichen worden. „Ich freue mich mega auf den Wettkampf“, sagt Jüttner, die seit ihrem siebten Lebensjahr den Sport betreibt.

Die 1,57-Meter kleine Athletin ist in Tokio eine von nur 80 Teilnehmenden. In ihrer Disziplin, dem Kata, sind es nur zehn Frauen. Beim Kata werden verschiedene Angriffs- und Verteidigungstechniken gegen einen imaginären Gegner auf der Matte, dem Tatami, ausgeübt. Sieben Kampfrichter:innen bewerten Technik und Athletik. Jüttner hat auch Kumite, wo zwei Personen mit Kontakt kämpfen, gemacht. Aber sie hat das „alleine für sich an Kleinigkeiten feilen“ schon immer mehr gemocht und sich mit elf Jahren schon vollständig dem Kata verschrieben.

Seit 2006 trainiert der „Kata-Floh“, wie sie genannt wird, im Budocenter von Efthimios Karamitsos in der Berger Straße in Frankfurt, der auch gleichzeitig Bundestrainer ist. „Das Budocenter ist mein zweites Zuhause. Ich bin da jeden Tag. Das verbinde ich mit den schönsten Momenten“, sagt Jüttner, die zehn deutsche Meistertitel gewonnen hat. Ihr größter internationaler Erfolg war Gold mit dem Team bei der Weltmeisterschaft 2014 in Bremen. Bei der Heim-WM gewann sie damals auch Bronze im Einzel und wurde ein Jahr später EM-Dritte. Als klar war, dass Karate olympisch wird, hat sie ihr Bachelor-Studium in Medienmanagement abgeschlossen und ist 2017 in die Sportfördergruppe der Bundeswehr gewechselt, um sich voll auf den Sport zu fokussieren.

Stilrichtung Shotokan

Im September 2018 begannen die Qualifikationsturniere für Tokio. Alle vier Wochen ist Jüttner um die Welt gereist, um Punkte zu sammeln, bis es am 11. Juni dieses Jahres nach Paris ging. „Es war, als hätte ich drei Jahre auf diesen einen Tag hingearbeitet“, erzählt Jüttner, die seit 2012 in Wiesbaden lebt. Vor ihrem letzten Kampf war entscheidend, dass ihre französische Konkurrentin gegen die Iranerin gewinnt. „Das war die mit Abstand schlimmste Minute in den letzten Jahren“, sagt Jüttner. Als die Französin zur Siegerin erklärt wurde, gab es kein Halten mehr: „Ich war noch nie so überwältigt von Emotionen.“ Sie habe hinten geschrien und sei auf- und abgesprungen – und kurz darauf musste sie auf der Matte performen. „Das hat richtig Bock gemacht. Endlich mal wieder ohne Druck nach drei Jahren.“

Ihr oberstes Ziel in Tokio ist es, „beeindruckend gut zu sein“ und auch ein Vorbild für viele andere zu sein. „Meine Stilrichtung Shotokan macht kaum noch eine Frau, weil es nicht so erfolgsversprechend ist. Da muss man sich mehr Mühe geben“, sagt Jüttner. Sie sei so etwas wie das Einhorn in der Konkurrenz.

Ob die Olympischen Spiele dem Karate mehr Mitglieder bringen wird, kann Jüttner nicht einschätzen. Sie selbst bekommt durch ihre Teilnahme in Tokio deutlich mehr Aufmerksamkeit. Bei Instagram folgen ihr über 11 000 Menschen. Jüttner fliegt am 30. Juli nach Tokio, die für sie die „geilste Stadt der Welt“ ist. „Da geht man einfach auf die Straße und es wird dir nicht langweilig.“ Das ist diesmal so aufgrund der Coronavirus-Pandemie leider nicht möglich. Am 5. August steht ihr Wettkampf an. Dank der schwarzen Müllsäcke am Fenster wird sie mit Sicherheit ausgeruht auf dem Tatami stehen.

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