Eines der Highlights: das Doku-Drama „Family Romance, LLC“ von Werner Herzog.  
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Eines der Highlights: das Doku-Drama „Family Romance, LLC“ von Werner Herzog.

Filme

Japanische Filmkunst in Frankfurt

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Das Nippon Connection Filmfestival in Frankfurt präsentiert online über 70 Kurz- und Langfilme. Festivalleiterin Marion Klomfass gibt Tipps, welche sich besonders lohnen.

Die Macher des Nippon Connection Filmfestivals sind katastrophenerprobt. 2010 sorgte der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull dafür, dass Festivalgäste nicht nach Hause fliegen konnten. Ein Jahr später löste ein Tsunami die Atomkatastrophe in Fukushima aus, damit war fraglich, ob alle für das Programm wichtigen Gäste nach Frankfurt kommen konnten. „Aber Corona setzt dem Ganzen die Krone auf“, sagt Festivalleiterin Marion Klomfass, Im 20. Jahr seines Bestehens kann das weltweit größte Festival für japanische Filme, das jährlich bis zu 17 000 Besucher anzieht, sein umfangreiches Programm virusbedingt nur online präsentieren.

Das 20. Nippon Connection Filmfestival präsentiert von Dienstag, 9., bis Sonntag, 14. Juni, online über 70 aktuelle Kurz- und Langfilme aus Japan, darunter aktuelle Filme und Klassiker. 


Die Festivalfilme und das breitgefächerte Rahmenprogramm „Nippon Connected“ mit virtuellen Workshops und live gestreamten Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Performances und Konzerten werden über die Online-Plattformen Vimeo und Zoom präsentiert. Unter dem Titel „Nippon on Demand“ können User die Filme auf Vimeo während des Festivalzeitraums gegen eine Leihgebühr von 5 Euro pro Film für jeweils 24 Stunden aufrufen.

Der Zugang zu allen Festival-Beiträgen erfolgt über die Webseite des Festivals. Dort findet sich auch ein Überblick über das gesamte Programm. 

www.nipponconnection.com.

Als Mitte März der Shutdown begann, stand das Programm für die Jubiläumsausgabe. Die ehrenamtlich arbeitenden Organisatoren waren in den Monaten zuvor zum Filmfestival nach Tokio und zur Berlinale gereist und hatten über 70 Kurz- und Langfilme, darunter aktuelle Produktionen und Klassiker, ausgewählt. Das Festival absagen, dass wollten sie nicht. „Für die Filmemacher hätte das bedeutet, dass ein ganzer Jahrgang verloren geht. Ihre aktuellen Filmen hätten wir im kommenden Jahr nicht mehr zeigen können“, sagt Marion Klomfass, im Hauptberuf Cutterin. Jetzt ist sie gespannt, wie das virtuelle Filmfestival, das am Dienstag, 9. Juni, beginnt, angenommen wird. Die Voraussetzung. dass es auf internationale Resonanz stößt, ist gegeben. Für viele der Filme, die im japanischen Original mit englischen oder deutschen Untertiteln zu sehen sind, hat der Trägerverein des Festivals weltweite Lizenzen erhalten, so dass auch im Ausland Liebhaber des japanischen Films zuschauen können.

Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist die Rolle der Frau in der japanischen Filmindustrie. Diese sei sehr männerdomoniert gewesen, inzwischen würden aber insbesondere Dokumentarfilme zu einem großen Teil von Frauen gemacht, sagt Marion Klomfass und empfiehlt, sich „This Planet is not my Planet“ anzuschauen, in dem die Regisseurin Miwa Yoshimine ein Charakterbild von Mitsu Tanaka zeichnet, einer Pionierin der japanischen Frauenbewegung. Und noch eine Empfehlung hat die Festivalleiterin: das Doku-Drama „Family Romance, LLC“ über das japanische Phänomen der Verwandten-Vermietung, das der Regisseur Werner Herzog in Japan und auf Japanisch drehte.

Damit beim Online-Anschauen der Filme Festival-Stimmung aufkommt, haben sich die Organisatoren für die sechs Veranstaltungstage einen Liefer-Service ausgedacht. Wer mag, kann ein Paket mit japanischen Getränken, Knabbereien und Merchandise-Produkten bestellen.

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