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Wissler ist Direktkandidatin der Linken im Wahlkreis 182 und Spitzenkandidatin ihrer Partei. M. Schick
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Wissler ist Direktkandidatin der Linken im Wahlkreis 182 und Spitzenkandidatin ihrer Partei.

Bundestagswahl 2021

Janine Wissler: Linke wird sich Rot-Grün-Rot nicht verschließen

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Janine Wissler steht kurz vorm Wechsel aus Wiesbaden nach Berlin. Dort könnten die Linken bald Teil einer neuen Regierung werden.

Frankfurt am Main - Sie steht derzeit jeden Tag auf einem anderen Marktplatz in der Republik. Reist durch das ganze Land, um Wahlkampf für die Linke zur Bundestagswahl 2021 zu machen. Zum Schlafen kommt Janine Wissler bei dem Arbeitspensum kaum, schon gar nicht im eigenen Bett in Frankfurt. Und doch setzt sich die Spitzenkandidatin der Linken neulich am späten Abend noch ins Auto und fährt von Berlin die 550 Kilometer Richtung Frankfurt, um am nächsten Morgen bei der Familie zu sein. Zur Einschulung der Nichte.

Seit Februar ist Wissler Bundesvorsitzende der Linken, gemeinsam mit Susanne Hennig-Wellsow. Das bedeutet auch: Sie hat nun ein Büro in Berlin, ist selten in Frankfurt. Nun will die 40-Jährige auch in den Bundestag. Sie ist Direktkandidatin im Wahlkreis 182, doch darüber wird sie wohl nicht in den Bundestag kommen. Aber als Spitzenkandidatin ist ihr ein Platz im nächsten Parlament bei Einzug der Linken sicher. Und dann wird sie erst recht nicht mehr viel aus Berlin herauskommen. Dabei sagt sie schon jetzt, sie vermisse Frankfurt. Doch der Einzug in den Bundestag „ist als Bundesvorsitzende nur sinnvoll“.

Bundestagswahl 2021: Janine Wissler kommt schnell auf den Punkt

Zurück lässt sie einiges: ihren Frankfurter Kreisverband, ihre Fraktion im Hessischen Landtag. 2008 waren sie und die Linke erstmals in den Landtag eingezogen. Wissler war damals mit 26 Jahren die jüngste Abgeordnete im Parlament. Und sie machte sich schnell einen Namen als Rednerin, ist auch ein gefragter Talkshow-Gast. Die studierte Politologin kommt schnell auf den Punkt, ist rhetorisch geschliffen, mitunter wird sie scharf, aber nie herablassend. Und sie ist schlagfertig. Auf einen Rechtschreibfehler der AfD in einem Antrag zur Meinungsfreiheit wies sie mit den Worten hin: „Fürsorge schreibt man nicht mit h. Mit Sorge um den Führer hat das nämlich nichts zu tun.“

Lieblinge

Lieblingsort im Wahlkreis : Niddapark

Lieblingspolitiker:in aus einer anderen Partei: Andrea Ypsilanti (SPD)

Andere Lieblinge: The Doors (Band), Jean-Paul Sartre und Émile Zola (Autoren), Adrien Brody (Schauspieler).

Wissler wurde zum Gesicht der Linken in Hessen, seit 2009 ist sie die Fraktionsvorsitzende und hat entscheidend dazu beigetragen, dass ihre Partei bei allen Wahlen wieder in den Landtag einzog. Sie kämpft für soziale Gerechtigkeit, für bezahlbaren Wohnraum, für eine gerechtere Verteilung des Reichtums, für Klimagerechtigkeit. Und gegen Rüstungsexporte: „Wir müssen aufhören, Waffen in alle Welt zu liefern, mit diesen Waffen werden Kriege geführt und Menschen umgebracht.“

Bundestagswahl 2021: Janine Wissler ist engagiert im Kampf gegen Rechtsextremismus

Auch engagiert sich Wissler stark im Kampf gegen Rechtsextremismus. Sie saß im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss, befasst sich mit Strukturen der rechten Szene und will hartnäckig rechten Terror aufarbeiten. Sie hat in den vergangenen Jahren – wie auch andere Personen des öffentlichen Lebens – mehrmals rechtsextreme, rassistische und sexistische Drohschreiben mit dem Kürzel „NSU 2.0“ erhalten. Persönliche Daten von ihr waren kurz zuvor von Polizeirevieren in Frankfurt und Wiesbaden abgerufen worden.

Geboren ist Wissler in Langen, einen Teil des Studiums an der Frankfurter Goethe-Uni finanzierte sie mit einem Job in einem Baumarkt. Sie hat sich bei Attac, in der WASG und im Kampf gegen die Studiengebühren in Hessen profiliert. Bis zur Kandidatur als Parteivorsitzende war sie Mitglied in der trotzkistischen Gruppierung Marx21, die eine Regierungsbeteiligung der Linken kategorisch ablehnt. Bis heute ist sie verwurzelt im linken Straßenprotest und anzutreffen bei Demonstrationen und Kundgebungen. Sie wolle eine gesellschaftliche Veränderung herbeiführen, und da werde „immer auch der Druck der Zivilgesellschaft gebraucht“, sagt sie

Aber natürlich auch die Parlamente. Sollte Rot-Rot-Grün nach der Bundestagswahl 2021 rechnerisch möglich sein, dann wird sie sich Gesprächen nicht verschließen, über Inhalte sprechen. „Wenn es möglich ist, dann wollen wir aus der Regierung heraus Veränderungen herbeiführen“, sagt sie. Damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinandergehe.

Erfahrungen mit rot-rot-grünen Verhandlungen bringt sie auf jeden Fall mit. In Wiesbaden hat sie schon zweimal, 2008 und 2013, verhandelt. Am Ende kam es nicht zur Zusammenarbeit. An den Linken lag es aber nicht. (Sandra Busch)

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