+
Der togolesische Straßenmusiker Aaron Lordson in der Frankfurter Freßgass.

Interview mit einem Straßenmusiker

„Den Menschen was Gutes geben“

Aaron Lordson stammt aus Togo und lebt seit rund 20 Jahren für seine Musik. Dabei spielt er nur auf den Straßen in Europa, Amerika und im nächsten Jahr auch Asien. Warum er das tut, verrät er im FR-Interview.

Aaron Lordson stammt aus Togo und lebt seit rund 20 Jahren für seine Musik. Dabei spielt er nur auf den Straßen in Europa, Amerika und im nächsten Jahr auch Asien. Warum er das tut, verrät er im FR-Interview.

Herr Lordson, ich will mal ganz schrecklich neugierig sein: Wie viel verdienen Sie eigentlich so als Straßenmusiker?

Mit dem, was ich verdiene, muss ich jeden Tag überleben. Ein anderes Einkommen habe ich nicht. Ich kann niemals sicher sein, ob ich gut verdiene oder nicht. Die Leute entdecken mich zufällig, und wenn ihnen meine Musik gefällt, dann kaufen sie meine CDs. Es würde einfacher sein, wenn ich nicht mehr auf der Straße spielen müsste.

Ist Ihnen denn eigentlich nie mal ein Plattenvertrag angeboten worden?

Nein, ich hatte leider noch nie das Glück. Ich denke, man muss dafür zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Begabung bedeutet da nichts: Man kann noch so viel Talent haben, aber für immer unbekannt bleiben – wenn einen niemand fördert. Ich wäre sehr glücklich, wenn ich einen Vertrag angeboten bekäme.

Wann haben Sie angefangen, sich für Musik zu interessieren?

Als Kind schon. Ich glaube, ich bin mit einem inneren Musikgeist geboren worden. Mein Großvater leitete außerdem einen Gospelchor und ich war während der Proben und der Shows immer um ihn herum. Er hat mir dann die ersten Schritten in der Musik beigebracht. Ich hatte nie Unterricht. Ich spiele frei, nach dem Gehör, ganz ohne Noten.

Welche Musiker sind denn Ihre Vorbilder?

Als Kind habe ich viel Aretha Franklin und Louis Armstrong gehört. Damals gab es bei uns in Afrika keine Walt-Disney-Filme, so hat man James Brown gehört. Diese Sänger waren mein Spielzeug.

Wie ging es dann weiter?

Mit zwölf Jahren habe ich das erste Mal vor einem Publikum in der Schule gespielt – mein erster öffentlicher Auftritt! Damals habe ich meine ersten eigenen Lieder geschrieben. Nach der Schule habe ich dann eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Ich habe Medizin studiert, um einen guten Job zu bekommen. Denn in Afrika werden talentierte Kinder selten gefördert, geschweige zu Musikern ausgebildet. Also bin ich Gynäkologe geworden. Aber nach zwei Jahren in diesem Beruf habe ich ihn aufgegeben. Ich wollte nur noch Musik machen.

Sie haben sich also einen Traum erfüllt, auch wenn sie „nur“ Straßenmusiker sind?

Das ist eine wundervolle Erfahrung – aber auch sehr stressig. Viele Menschen denken schlecht über Straßenmusiker, manche ignorieren mich. Das tut weh. Ich wünschte mir, dass die Leute nicht zuerst denken: Ach, der muss ja spielen, um überleben zu können, sondern dass Musik eine schöne Sache ist. Für mich ist die Nähe zu den Menschen etwas Wunderbares. Ich glaube, dass ich jeden Tag Menschen mit meiner Musik in Kontakt bringe.

Wie reagieren die Leute denn auf der Straße auf Ihre Musik?

Ich höre jeden Tag auch nette Dinge. Gestern zum Beispiel sagte jemand, der eine CD kaufte, dass ich eines Tages ein sehr berühmter Musiker sein werde. Das gibt mir Kraft, an meinem Traum festzuhalten.

Wie soll der denn weitergehen?

Ich werde bald eine neue CD herauszubringen und hoffe auf tolle Auftritte in Deutschland. Vor allem aber möchte ich meine Musik in der ganzen Welt verbreiten – wie jeder berühmte Musiker. Denn nur so können meine Lieder die Menschen erreichen. Ich spiele nicht um des Geldes Willen, sondern um den Menschen etwas Gutes zu geben. Ich hoffe, dies bis zu meinem Tode geschafft zu haben.

Interview: Noa Raanan

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare