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Es ist 1969 und für James Bond (George Lazenby) ist alles im Lot: Szene aus "Im Geheimdienst ihrer Majestät".

Agent mit Orchester

James Bond ganz nah

Es war ein Abend wie der Martini von James Bond: Das Frankfurter Publikum wurde geschüttelt, nicht gerührt. Das Babelsberger Filmorchester begleitet atemberaubende Szenen aus 50 Jahren Agententätigkeit.

Von Wolfgang Heininger

Zum dritten Mal innerhalb weniger Monate gastierte das Deutsche Filmorchester Babelsberg am Donnerstag in Frankfurt und diesmal erneut in der Alten Oper. Nach einer Walt-Disney-Gala und der Vertonung des Zeichentrick-Dschungelbuchs erlebte das Publikum in der beinahe ausverkauften Halle die „Jagd auf 007“ mit einem wie immer exakt agierenden Ensemble unter dem jungen Dirigenten Christian Schumann. Der 34-Jährige, der unter anderem bei Pierre Boulez und Kurt Masur in die Schule ging, hatte das Geschehen stets im Griff. Stets agierten die Musiker präzise entlang der gezeigten Filmsequenzen.

Die Babelsberger in der Tradition ihrer Vorgänger bei Ufa und Defa, die 1993 neu gegründet wurden, verleihen seither alten wie Neuproduktionen den richtigen Ton. Regelmäßig treten sie bei der Rekonstruktion von Stummfilmklassikern wie Nosferatu oder Metropolis in Erscheinung.

Ersatzfrau überzeugt

Verstärkt wurde das Orchester, das am Donnerstag mit „großem Besteck“ auftrat, durch die Sänger Joyce van de Pol – für die erkrankte Tertia Botha – und Dennis LeGree.

Die studierte Jazz-Solistin Van de Pol, Jahrgang 1981, zeigte sowohl in der Gesangsrolle zu „Goldfinger“ als auch bei „Skyfall“, dass sie sich vor den großen Original-Interpretinnen Shirley Bassey und Adele nicht zu verstecken braucht. Sie überzeugte durch unangestrengtes Vibrato und unverwechselbares Timbre.

Auch wenn die Künstlerin mit deutschen und indonesischen Wurzeln nur einmal gemeinsam mit Dennis LeGree bei „Live and let die“ im Duett sang, stimmte sofort die Harmonie zwischen den beiden. Das lag sicherlich auch daran, sich dass der US-Amerikaner LeGree nicht mit seiner durchaus bemerkenswerte Stimme in den Vordergrund drängt, sondern als abgeklärter Teamspieler agiert.

Nun hätte es wohl schon gereicht, die eingängigsten Songs und Melodien aus insgesamt 24 Bond-Filmen abzuspulen und dazu einige Filmszenen zu zeigen, um die Fangemeinde zufrieden zu stellen. Dabei hatte es das Produktionsteam jedoch nicht belassen, sondern eigens Schwerpunktpakete geschnürt. So porträtierten sie die wechselnde Filmfigur über die Jahrzehnte hinweg.

Halsbrecherische Verfolgung

Gezeigt wurden neben den modernen Verfolgungsjagden mit ausgefeilter Technik auch das erste Duell zwischen 007 und seinen Widersachern auf Skiern; in Szene gesetzt vom ehemaligen Skirennfahrer Willy Bogner, der an mehreren Bond-Filmen beteiligt war. Während bei den späteren Streifen aufwändige Effekte dominierten, kam es 1969 „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ noch in erster Linie auf die Fahrkünste der Akteure an.

Der ständige Kontrapunkt zwischen einem Sean Connery und einem Pierce Brosnan, beeindruckender Landschaft und computeranimierten Schauplätzen, einem ganzen Arsenal von Hilfsmitteln gegenüber der Ausstattung des Helden mit nur einem Funksender; gepaart mit den ewig zum Urthema zurückkehrenden Bond-Melodien, all das macht den Reiz dieser „Jagd auf 007“ aus.

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