1. Startseite
  2. Frankfurt

Jahrmarkt der Eitelkeit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Daniel und sein Vater Juan warten auf ihren Auftritt, nebenan wird noch schnell telefoniert.
Daniel und sein Vater Juan warten auf ihren Auftritt, nebenan wird noch schnell telefoniert. © Stephan Morgenstern

Beim Casting für die neue Sat1-Talent-Show „The Winner is...“ treten etliche den Kampf um eine Million an. Einige haben bereits eine steinige Casting-Biographie hinter sich, andere wollen einfach nur die Siegprämie ergattern.

Von Friederike Grasshoff

Beim Casting für die neue Sat1-Talent-Show „The Winner is...“ treten etliche den Kampf um eine Million an. Einige haben bereits eine steinige Casting-Biographie hinter sich, andere wollen einfach nur die Siegprämie ergattern.

Stöckelschuhe stolzieren über den Marmorboden, ein Mädchen im Pelz zieht ihren Lidstrich nach, Jungs mit gegelten Haaren starren auf ihre iPhones. Mittendrin steht Natalie Malik im kleinen Schwarzen und posiert barfuß für ein Erinnerungsfoto. Unsicher blickt sie im Foyer des Frankfurter Kongresszentrums umher. Sie will es heute schaffen, sie will eine Runde weiter kommen – beim Casting der neuen Talent-Show “The Winner is...“ mit Linda de Mol. Mehrere hundert Menschen wollten gestern auf dem Messegelände einen großen Auftritt hinlegen – Teenies, Ehepaare, Altrocker und Schlagersänger.

Natalie ist gerade 18 Jahre alt und hat schon jetzt eine steinige Casting-Biographie hinter sich: mit 13 war sie bei „Deutschland sucht den Superstar“; es folgten Vorsingen bei „The Voice of Germany“, „X-Factor“ und „Das Supertalent“. „Wenn es heute wieder nicht klappt, dann war’s das mit den Casting-Shows“, sagt sie. Für eine Karriere als Sängerin sei sie bereit, „alles aufzugeben“, 30 Kilo habe sie abgenommen. Aussehen sei schließlich „das Wichtigste bei Casting-Shows“.

Plötzlich erklingt am anderen Ende der Halle der White-Stripes-Hit „Seven Nation Army“, Juan Orta und sein Sohn Daniel singen lauthals. Die beiden wollen in der Kategorie Familie antreten. Eine Mitarbeiterin mit Head-Set eilt heran und bittet um Ruhe.

In der Talent-Game-Show „The Winner is...“ soll es nicht nur um Erfolg, sondern auch um Geld gehen. In insgesamt acht Kategorien – vom Solokünstler über 40 Jahre bis hin zu Gesangsgruppen – werden 64 Music-Acts gesucht, die in der Sendung gegeneinander antreten. Im Finale treten die jeweiligen Sieger der acht Kategorien auf und kämpfen um eine Million Euro. Beim Casting wird nun eine Vorauswahl für die eigentliche Sendung getroffen, die ab Frühjahr auf Sat1 ausgestrahlt wird.

Die Rollen in diesem Gesellschaftsstück sind klar verteilt: Es gibt Gewinner und Verlierer. Hat einer die erste Hürde genommen und kommt wild grimassierend oder strahlend aus dem Casting, das hinter verschlossenen Türen stattfindet, verwandelt sich die Halle in einen Laufsteg. Die Gewinner laufen zum Fahrstuhl, die Wartenden blicken neugierig bis neidisch hinterher.

Natalie kommt barfuß aus der Stahltür und nuschelt: „Ich hab die Fresse voll, immer wieder das gleiche.“ Das Singen wird sie aber nicht aufgeben.

Wer es ins Callback geschafft hat, wartet eine Etage tiefer, wo nicht Euphorie, sondern Routine herrscht: Formulare ausfüllen, Red Bull trinken, Small Talk. Das Vater-Sohn-Gespann, das kurz zuvor noch im Foyer gesungen hatte, ist auch da. Warum sie hier seien? „Meine Frau will die Million haben!“

Auch interessant

Kommentare