+
Grundstückseigentümer Jürgen Geisel ärgert sich, dass er sein Land noch immer nicht bebauen konnte.

Enkheim

40 Jahre warten aufs Eigenheim

  • schließen

Der Baubeginn auf dem Brachland an der Leuchte verzögert sich seit Jahrzehnten.

Das ehemalige Ackerland an der Barbarossastraße liegt brach. Man blickt auf eine große, spärlich bewachsene Ödnis. Seit den 70er-Jahren hat sich hier an der Leuchte nicht viel verändert. Jürgen Geisel steht vor dem 11,4 Hektar großen Brachland. Ein Teil davon gehört ihm – aber etwas damit anstellen, kann er seit mehr als 40 Jahren nicht. „Früher haben meine Eltern hier Obstbäume bewirtschaftet. Viele Enkheimer besaßen eine Baumreihe“, erzählt er.

Als die Riedschule Anfang der 70er-Jahre gebaut wurde, entfernte man die ehemaligen Obstwiesen auf dem heutigen Schulhof und der gegenüberliegenden Straßenseite. In einem städtischen Flächennutzungsplan hieß es damals, gegenüber der Schule solle stattdessen ein Wohngebiet entstehen. „Dann wurde Bergen-Enkheim aber eingemeindet und es passierte lange nichts“, berichtet Grundstücksbesitzer Geisel. 15 bis 20 Jahre ließ die Stadt das Thema ruhen, so Geisel. Anfangs, in den 70ern, habe er geplant, seine Baufläche mit denen von zwei Bekannten zusammenzulegen, um ein Mehrfamilienhaus bauen zu können. Mittlerweile ist einer der Mitstreiter bereits verstorben und auch der Andere ist gesundheitlich nicht mehr in der Lage zu bauen.

Das Thema kam dann wieder auf den Tisch, weil sich Umweltschützer einschalteten. Sie entdeckten Teile einer prähistorischen Binnendünenlandschaft auf dem Baugebiet. Ein Teil wurde unter Naturschutz gestellt. Zu der Fläche, die jetzt unter Naturschutz steht, zählte auch ein Stück von Geisels Besitz. „Von meinem eigentlichen Grundstück ist nur noch gut die Hälfte übrig“, sagt Geisel, der nach all den Jahren und Diskussionen verärgert ist.

Als das Problem der Binnendünen gelöst war, kam ein neues Hindernis auf die Grundstückseigentümer zu. Da die Fläche wegen tieffliegender Flugzeuge im Baubeschränkungsgebiet liegt, wollten die Grünen das gesamte Projekt abblasen. Das Baugebiet unterliege aber dem Bestandsschutz und sei deshalb nicht von der Baubeschränkung betroffen, erklärt Geisel. Die Eigentümer setzten so alles daran den Baustopp zu verhindern – und schafften es schließlich mit Hilfe aus dem Ortsbeirat, das Gebiet zu verteidigen.

2005 wurde das Baurecht erteilt. Als die Bauarbeiten dann vor einigen Jahren endlich beginnen sollten, gab es aber erneute Schwierigkeiten. Auf der Brachfläche hatten sich seltene Zauneidechsen angesiedelt. Da wollte die Stadt nicht einfach drüber bauen. Man entschied sich für eine groß angelegte Umsiedlungsaktion der Reptilien nach Fechenheim. Die Kosten in Millionenhöhe wurden auf die Grundstückseigentümer umgelegt. „Zauneidechsen leben hier im gesamten Wohngebiet, auch in meinem Garten“, sagt Geisel. Ihm erscheint der Prozess inzwischen wie eine Farce: „Es ist mir unbegreiflich, weshalb das Bauvorhaben immer wieder torpediert wird“, sagt er kopfschüttelnd.

Im vergangenen Jahr sollten die Bauarbeiten dann erneut starten – jedoch verhinderte nun ein zu hoher Grundwasserspiegel die Erschließung. Das zuständige Amt für Straßenbau und Erschlie-ßung arbeitet derzeit an einer Entwässerung. Laut Mitarbeiterin Michaela Kraft sollen die Bauarbeiten Ende des Jahres starten.

„Was mich wirklich stört, ist, dass wir als kleine Grundeigentümer nie mit einbezogen wurden. Informationen bekamen wir höchstens aus der Presse“, sagt Geisel.  Anders als viele andere Eigentümer wollte der 60-Jährige bisher noch nicht verkaufen. „Viele Eigentümer hatten einen Lebensplan mit dem Grundstück und wollten sich dort ein Eigenheim bauen“, sagt Geisel. „Nach vierzig Jahren geht das nicht mehr.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare