1. Startseite
  2. Frankfurt

775 Jahre Messe Frankfurt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Claus-Jürgen Göpfert

Kommentare

Das Messegelände mit der Festhalle im Jahre 1920.
Das Messegelände mit der Festhalle im Jahre 1920. © picture alliance / akg-images

Am 11. Juli 1240 wurde Frankfurt das Messe-Privileg-Ausgestellt. Nun feiert die Messe Frankfurt ihren 775. Geburtstag. Anlass für einen Rückblick auf die Geschichte der zweitgrößten Messegesellschaft der Welt.

Sein Domizil hat sich verändert. Früher arbeitete Peter Kerwien in einem romantischen Winkel über der Stadt. 90 Stufen im Turm der altehrwürdigen Festhalle musste erklimmen, wer den Historiker der Frankfurter Messegesellschaft besuchen wollte. Heute residiert der 45-Jährige in der Halle 9, auf mehr Fläche, aber noch immer umgeben von vollgestopften Regalen, Kartons und Aktenmappen. Jubiläen sind natürlich eine intensive Zeit für den Chronisten der zweitgrößten Messegesellschaft der Welt – und nun ist es wieder so weit: Die Messe Frankfurt feiert ihren 775. Geburtstag.

Mit Daten, die so weit zurückliegen, ist es so eine Sache: Sie verschwimmen im Nebel der Geschichte. Was sich im Frühjahr des Jahres 1240 zugetragen hat, ist nicht präzise dokumentiert. Eine Delegation Frankfurter Kaufleute und Ratsherren muss damals die lange Reise nach Italien angetreten haben, in die Region Marken, genauer: In die Nähe von Ascoli Picenum.

Heute eine Stadt mit 50 000 Einwohnern, einer wunderschönen, arkadengesäumten zentralen Piazza, kam Ascoli damals wesentlich bescheidener daher. Lag aber schon seinerzeit an einer wichtigen Handelsstraße. Historiker Kerwien schätzt, dass die Reise der Frankfurter damals „ungefähr sechs Wochen“ gedauert hat.

In der Nähe von Ascoli hatte vor 775 Jahren Kaiser Friedrich II. sein Feldlager aufgeschlagen. Was dort genau geschah, ist ebenfalls nicht überliefert. Zum Beispiel, ob die Frankfurter den Herrscher persönlich sprechen durften. Fest steht nur: Der Kaiser stellte den Reisenden aus Frankfurt eine Urkunde aus. Er gewährte der deutschen Stadt das Recht des freien Geleits. Und beurkundete das Ganze mit seinem Siegel.

Geburtsstunde der Frankfurter Messegesellschaft

Das war damals buchstäblich Gold wert. Denn es bedeutete konkret: Alle Kaufleute, die in die Freie Reichsstadt Frankenfurth kamen, standen fortan unter dem Schutz des Kaisers und seines Heeres. Der Herrscher konnte gegenüber den Landesfürsten den Befehl erteilen, Handelskarawanen zu beschützen.

Das reduzierte das Risiko von Überfällen für die Händler drastisch – denn kaum eine Bande wollte sich mit den kaiserlichen Truppen anlegen. Damit erhöhte sich die Zahl der Kaufleute, die nach Frankfurt am Main kamen, beträchtlich. Für das Messe-Privileg mussten die Frankfurter mit Sicherheit einiges an den Kaiser zahlen: „Das war damals so üblich“, so Kerwien. Der Tag, an dem das Messe-Privileg ausgefertigt wurde, war der 11. Juli 1240. Er gilt als Geburtsstunde der Frankfurter Messegesellschaft und wurde fortan so gefeiert. Zum 750. Geburtstag im Jahre 1990 war noch eine große Frankfurter Delegation mit dem damaligen Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) an der Spitze ins schöne Ascoli Picenum gereist. Und dort begeistert empfangen worden, mit Stelzenläufern und fackelschwingenden Tänzern.

In diesem Jahr wird der 775. Geburtstag der Messe wesentlich karger begangen – nämlich eigentlich gar nicht. Tatsächlich war die Stadt Frankenfurth schon im zwölften Jahrhundert ein internationaler Umschlagplatz für Waren aller Art; die erste urkundliche Erwähnung einer Messe stammt aus dem Jahr 1150. Am 25. April 1330 folgte dann ein zweites Messeprivileg, ausgefertigt von Kaiser Ludwig IV. aus dem Hause Wittelsbach, seit 1328 im Amt.

Seitdem existierten zwei Messetermine in Frankfurt, einer für das Frühjahr, einer für den Herbst. Bei den Konsumgütermessen hat sich diese Grundstruktur lange erhalten.

"Gold- und Silberloch des Reiches“

Frankfurt profitierte schon damals von seiner zentralen Lage im Herzen Europas, in der sich verschiedene Verkehrswege kreuzten. Sie führten von hier nach Lyon, Venedig, Antwerpen, nach Norden in die Hansestadt Lübeck und nach Osten in die damals bedeutende Handelsstadt Nischni Nowgorod.

Zu den Waren, die in Frankfurt gehandelt wurden, zählten bald auch Bücher. Im Jahre 1454 lobt Papst Pius II. in einem Brief ausdrücklich „die gut gedruckten Bibeln“, die sich in Frankfurt erwerben ließen. Der Erfinder des modernen Buchdrucks, Johannes Gensfleisch Gutenberg, hielt sich damals des Öfteren zu Messezeiten in Frankfurt auf.

Zum Warenhandel gesellte sich bald der Geldhandel. Frankfurt wurde schon damals auch durchaus kritisch gesehen. Der Reformator Martin Luther nannte die Stadt in den 1520er Jahren „das Gold- und Silberloch des Reiches“. Damals fanden sich zu Messezeiten bis zu 40 000 Menschen am Main ein; bis zu einem Viertel der Händler stammten bereits im frühen 17. Jahrhundert aus dem Ausland.

Für all dies und noch viel mehr finden sich Belege im Archiv des Messe-Historikers Peter Kerwien. Vor zehn Jahren hat er sein Amt angetreten. Wie viele Stücke genau die Sammlung mittlerweile umfasst, muss offen bleiben. Allein 60 000 Fotografien haben sich wohl angesammelt, Tausende von Schriftstücken, viele Plakate, mit denen vom 19. Jahrhundert an die Aussteller, aber auch die Messegesellschaft selbst geworben haben.

Auch interessant

Kommentare