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Basketball mitten in der Stadt: Am Samstag wird auch wieder ein Basketballfeld vor der Alten Oper aufgebaut.

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20 Jahre Frankfurt Skyliners

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Wie der Basketball-Bundesligist, der heute in der Stadt Geburtstag feiert, einst zu seinem Namen kam. Ein Porträt.

Gunnar Wöbke sprach jeden an, den er kannte: „Wir suchen noch einen Namen für unseren Klub. Hast du eine Idee?“ Es war das Jahr 1999, die Entscheidung, die Basketball-Bundesligalizenz von Tatami Röhndorf nach Frankfurt zu bringen, längst beschlossene Sache. Neben der Aufgabe, ein neues Team aufzubauen und allem was dazugehört, brauchte der Manager und heutige geschäftsführende Gesellschafter noch einen passenden Namen. „Ich wollte kein Tier haben“, sagt Wöbke. Es sollte etwas mit der Stadt zu tun haben, etwas, was den Klub sofort mit der Mainmetropole identifiziert. Die Hochhäuser. Hightowers schwirrte herum, aber das war es noch nicht. Alexander Mitschke, damals Mitarbeiter im Sportamt, heute Marketingmanager der Frankfurter Bäder-Betriebe, kam eines Tages auf Wöbke zu und sagte: Ihr seid die Skyliner. Wöbke hängte noch ein s hintendran und perfekt war die Geburtsstunde der Skyliners.

Pascal Roller, Tyrone Ellis und Chris Williams (vorn) feiern den Meistertitel 2004.

Am heutigen Samstag feiern die Basketballer in der ganzen Stadt ihr 20-jähriges Bestehen. An der Alten Oper, am Römerberg, am Eisernen Steg, am Roßmarkt, Liebfrauenberg und im Hafenpark am Osthafen wird zur großen Party unter dem Motto: „Big Love“ von 12 bis 20.30 Uhr eingeladen. Trotz all der vielen Aktivitäten der Skyliners in der Stadt ist der Funke zwischen Frankfurt und den Basketballern nie so wirklich übergesprungen. Das hat mehrere Gründe. Retortenclubs haben es generell schwieriger, akzeptiert zu werden. Die Fußballer der Eintracht haben in den vergangenen Jahren noch mehr als früher alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und andere Sportarten an den Rand gedrängt. Und Basketball ist in Deutschland in vielen Städten weiter in der Nische. Bei den Skyliners hängt der Fanzuspruch auch viel mit dem Erfolg zusammen. Läuft es in der Basketball-Bundesliga (BBL) gut, kommen die Anhänger, läuft es nicht, sinkt der Zuschauerschnitt. Zu Europapokalspielen kamen zuletzt nicht einmal mehr 1000 Fans in die 5000 Zuschauer fassende Ballsporthalle. Es wird spannend, wie groß der Zuspruch am Samstag für die zahlreichen Programmpunkte in der Stadt sein wird.

Die Frankfurt Skyliners sind ein Club, der große Ambitionen hat. Das hängt natürlich eng mit der Person Gunnar Wöbke zusammen, der von Anfang an den Anspruch hatte, sein Team zu einem europäischen Spitzenclub zu formen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In Rhöndorf sah der promovierte Haushalts- und Ernährungswissenschaftler keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten mehr. Mit 27 wurde er Manager in Rhöndorf, nachdem eine Knieverletzung ihn seine eigene Karriere gekostet hatte. Rhöndorf spielte dank dem Mäzen Franz-Ludwig Solzbacher sogar einige Jahre in der ersten Liga. Doch die Menzenberger Sporthalle mit einem Fassungsvermögen für 1800 Zuschauer war zu klein, ein Neubau am Standort Bad Honnef ergab keinen Sinn. „Wir waren in Oberhausen, wir haben mit Köln verhandelt“, erinnert sich Wöbke. Das passte jedoch beides nicht. Die Suche nach einem neuen Standort hatte sich herumgesprochen, dann kam Alexander Mitschke auf Wöbke zu. Auch die damalige Frankfurter Sportdezernentin Sylvia Schenk fand, dass ein Basketball-Club der Stadt gut zu Gesicht stünde.

Für Wöbke ging es zunächst darum, den Etat für die erste Saison zu sichern. Neben Solzbacher erklärte sich auch der Kronberger Unternehmer Thomas Kunz bereit, die andere Hälfte des wirtschaftlichen Risikos zu tragen, bis ein Namenssponsor gefunden sein würde. Nach inoffiziellen Angaben soll der Etat seinerzeit vier Millionen Mark betragen haben. Am 25. Januar 1999 wurde der Gesellschaftsvertrag geschlossen. Im März dann mit der Stadt Frankfurt ein fünfjähriger Mietvertrag in der Ballsporthalle.

Sie war seinerzeit nach der Max-Schmeling-Halle die zweitbeste in der BBL. Doch für Wöbke war immer klar, „dass wir eine neue Halle brauchen“. So wurde es seinerzeit auch im Mietvertrag festgehalten. Bis heute kämpfen die Skyliners jedoch um eine moderne Arena. 2005 scheiterte ein Bau auf dem Areal des Stadions am Stadtwald. Aktuell stocken die Verhandlungen zwischen der Stadt Frankfurt und dem Investor Lagadere für ein Grundstück am Kaiserlei. Das Trauerspiel um den sich immer wieder verzögernden Hallenbau hat die Entwicklung der Skyliners ins Stagnieren gebracht, weil andere Standorte längst aufgerüstet haben oder neue, finanzkräftige in die Liga dazugekommen sind.

Sportlich waren die Skyliners – mit ein paar schwachen Jahren dazwischen – bis 2011 ein absolutes Topteam in der BBL. Gleich im ersten Jahr gewannen die Hessen den Pokal. Wöbke steuerte damals mit Marketingleiter Christian Dachs, der heute immer noch die gleiche Position innehat, sowie einer Sekretärin in einem Raum in der Ballsporthalle die Geschicke des Clubs. Später zog man in Büros in die Silostraße.

Als Trainer wurde damals Stefan Koch vom MTV Gießen abgeworben, als Aufbauspieler konnte Nationalspieler Kai Nürnberger von Bamberg losgeeist und Nachwuchsmann Pascal Roller als sein Backup verpflichtet werden. Zwei wegweisende Verpflichtungen. Nürnberger war vier Jahre lang der Leader in dessen Schatten Roller zur Clublegende reifen konnte. Der gebürtige Heidelberger spielte mit einem Jahr Unterbrechung elf Jahre für die Skyliners. Sein Trikot mit der Nummer elf hängt unter dem Hallendach der Ballsporthalle. Der aktuelle Kapitän Quantez Robertson, der in seine elfte Saison geht, hat seinen Platz neben Roller jetzt schon sicher.

Den ersten und bislang einzigen Meistertitel gewannen die Skyliners 2004 mit Spielern wie Tyrone Ellis und Chris Williams unter dem Kanadier Gordon Herbert, der die Hessen 2001 übernommen hatte. 2011 scheiterte er bei seinem zweiten Engagement knapp in einem dramatischen Finale an Bamberg. Schwere Zeiten hatten die Skyliners immer nach dem Wechsel ihres Hauptsponsors. Der erste Namensgeber, der Autohersteller Opel sprang nach fünf Jahren 2005 ab, in der Saison vermieden die Hessen den Abstieg nur knapp. Mit dem Einstieg der Deutschen Bank ging es sportlich langsam wieder bergauf, ehe 2011 der Wechsel zur Fraport folgte. 2013 standen die Skyliners wieder kurz vor dem Abstieg und vermieden im letzten Spiel im direkten Duell gegen Ludwigsburg den Absturz in die zweite Liga.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgten die Skyliners 2008 mit der geräuschvollen Trennung von Co-Trainerin Daphne Bouzikou. Die Griechin war von Anfang an dabei, ehe sich der Club und sie mit Anschuldigungen überhäuften. Im Mai 2009 endete der Gerichtsstreit per Vergleich, Bouzikou kassierte eine Abfindung in Höhe von 30 000 Euro. Reden darf über die Vorfälle von damals niemand mehr. Sie war und ist bis heute die einzige Frau, die in der Bundesliga an der Seitenlinie stand. In einem Spiel sogar für wenige Minuten als Hauptverantwortliche, weil sich Murat Didin zu sehr über die Schiedsrichter aufgeregt hatte. Der Türke, der zwei Mal bei den Skyliners in Lohn und Brot stand, eckte mit seiner offensiven Außendarstellung an. Didin war es auch, der damals den türkischen Elektrogerätehersteller Beko als Namenssponsor für die BBL gewinnen konnte, wovon die Skyliners mit 350 000 Euro profitierten.

Die Skyliners waren und sind in vielen Dingen Vorreiter in der Bundesliga. Im August 2004 bezogen sie in der Nordweststadt ihr Trainingszentrum und setzten damit neue Standards. Sie waren die ersten, die ihre Spiele im Webradio übertrugen, ein eigenes Onlinemagazin herausbrachten und als erster Club Spiele streamten, bevor die Deutsche Telekom einen Vertrag mit der Liga über die Liveproduktion aller Spiele schloss.

Besonders lobenswert und beachtenswert ist das Engagement der Skyliners im Jugendbereich und die Infrastruktur, die dahintersteht. Schon im ersten Jahr schloss Wöbke Kooperationen mit dem MTV Kronberg und TV Langen. „Wir haben schon immer mehr als eine halbe Million vom Budget in den Jugendbereich investiert“, sagt der Skyliners-Macher. Nach vielen Jahren mit etlichen Kurzzeitverträgen und wenig Kontinuität, die FR betitelte den Club damals als Sparliners, setzten die Hessen vermehrt darauf, eigene Spieler auszubilden. Mit den drei deutschen Aushängeschildern Konstantin Klein, Johannes Voigtmann und Danilo Barthel gewann man 2016 den Fiba-Europe-Cup, damals der dritthöchste europäische Wettbewerb. Wieder mit Gordon Herbert als Trainer, der nach sechs Jahren in dieser Saison von Sebastian Gleim beerbt wird, der zuvor die Nachwuchsmannschaft der Hessen trainiert hat.

2008 wurde der eingetragene Verein gegründet, 2010 wurde erstmals eine Benefizgala zugunsten der eigenen Initiative „Basketball macht Schule“ organisiert. Aktuell sind es 140 Schul-AGs, die 3000 Kinder in Bewegung bringen. Mittlerweile haben die Skyliners von den Profis bis runter zur U12 eine eigene Spielphilosophie und gehören mit allen Jugendmannschaften zu den besten in Deutschland. Isaac Bonga, der als 16-Jähriger zu den Skyliners kam, ging vergangene Saison zu den Los Angeles Lakers in die NBA. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis der erste Spieler im Profikader steht, der es von der Schul-AG in die Bundesliga schafft.

Das Programm

Hafenpark (12 bis 20.30 Uhr): Hier ist das große Partygelände mit Foodtrucks, Getränkeständen, Musik, Kids- und Mitmachaktionen. Es gibt Basketballturniere auf drei Feldern, eine Speedballanlage und einen 3-gegen-3-Turnier sowie einen Dreierwettbewerb. Ab 19 Uhr ist das große Finale mit Teampräsentation, ehemaligen Spielern begleitet von der Coverband „Backtrip“

Alte Oper (12 bis 18 Uhr): Mit Bühne und Basketballcourt wird Sport und Musik im Fokus stehen. Breakdance, Rope Skipping und Ballkünstler sorgen für Unterhaltung. Lu-Key präsentiert den neuen Skyliners-Song, außerdem wird Mika Setzer spielen. Zudem gibt es ein Rollstuhlbasketball-Spiel. Auch das aktuelle Skyliners-Team präsentiert sich und ihre neuen Trikots.

Eiserner Steg (12 bis 18 Uhr): Vor der Skyline steigt das offizielle 3-gegen-3-Turnier ausgerichtet vom Hessischen Basketball Verband für die Jahrgänge 2002 bis 2003 und 2004 bis 2006.

Roßmarkt und Liebfrauenberg (12 bis 17 Uhr): Basketball und Graffiti-Kunst werden hier zusammengebracht. Eine Wurfanlage steht bereit und es gibt Gewinnspiele.

Römerberg (17.45 bis 18.15): Im Römer gibt es einen Empfang für die Skyliners-Delegation und ihre Ehrengäste. Davor warten Fans, die mit Mini-Basketbällen und T-Shirts ausgestattet sind.

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