Für ein Lächeln in die Kamera reicht die Kraft - noch: Beim "Urbanian Run" ist die Laufstrecke gespickt mit Hindernissen wie diesen Betonwänden.
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Für ein Lächeln in die Kamera reicht die Kraft - noch: Beim "Urbanian Run" ist die Laufstrecke gespickt mit Hindernissen wie diesen Betonwänden.

„Urbanian Run“ im Ostend

„Mein Ziel war, lebend anzukommen“

  • Denis Hubert
    vonDenis Hubert
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Wände und Container, Tunnel und Stangen, Netze und Autoreifen: Die Rennstrecke des „Urbanian Run“ im Frankfurter Osthafen ist gespickt mit Hindernissen. Fast 2000 nehmen die Herausforderung an - darunter auch sechs Actionhelden der FR-Redaktion.

Actionhelden sind auch nur Menschen. Die junge Frau mit der Startnummer 1761 hängt am „Power Tower“ – und kommt nicht vorwärts. An zwölf Stangen müssen sich die Teilnehmer des „Urbanian Runs“ entlang hangeln, um das Hindernis zu überwinden. „Das geht nicht, ich habe zu wenig Kraft“, sagt die zierliche Läuferin, während sie laut atmend an der vierten Stange baumelt. Dann plumpst sie auf den Boden und wagt einen neuen Anlauf.

Eigentlich sollen die Teilnehmer sich wie Daniel Craig und Lara Croft fühlen – und den Parcours mit Bravour meistern. Das verspricht jedenfalls der Veranstalter UFA Sports, der die Laufserie vor einem Jahr ins Leben rief. „Wir sind die einzige städtische Serie für Hindernisrennen“, sagt Dorothee Acker und betont: „Hier geht es nicht nur ums Geradeaus-Laufen.“

Zwei Rennen stehen am Sonntagnachmittag auf dem Programm: eins über fünf und eins über zehn Kilometer. Wände und Container, Tunnel und Stangen, Netze und Autoreifen – bis zu zwölf Hindernisse sollen die Teilnehmer beim Lauf durch den Osthafen vor Herausforderungen stellen. Los geht es an der Lindleystraße. Dort hat sich kurz vor 15 Uhr das Gros der Teilnehmer versammelt – darunter auch eine Gruppe junger Frauen mit der T-Shirt-Aufschrift „Du wirst gerade von einer Blondine überholt“.

„Wir sehen lauter heiße Gesichter! Habt ihr Bock?“, ruft eine Organisatorin lauthals ins Mikrofon, um die fast 2000 Läufer anzustacheln. „Wenn ihr ein Hindernis nicht schafft, müsst ihr zehn Liegestützen machen und dann dürft ihr weiterlaufen“, erklärt sie. Das kommt für eine dreiköpfige Mannschaft aus Mainz aber nicht in Frage: „Liegestützen sind keine Option“, sagt der 24-jährige Manuel und lehnt entspannt gegen eine Hauswand.

Während manche Läufer sich auf den Wettkampf gezielt vorbereitet haben, hat das Niedernhausener Team „Koma-Kolonne“ auf seine ganz eigene Weise trainiert: „Wir waren gestern Abend einen trinken“, erzählt Antonia Blau. „Mit Kater läuft es sich schneller“, sagt Mitläufer Luca Winckelmann, während er auf dem Eventgelände das Großereignis begießt.

Die Koma-Kolonne nimmt den Mund nicht nur beim Trinken voll: „Ich musste kurz absetzen, weil vor mir einer zu langsam war, dann bin ich da durch wie ein Wirbelwind“, sagt Antonia über das Hindernis „Power-Tower“. Das verleiht offenbar Flügel: „Ich habe mich gefühlt wie eine Mischung aus Jackie Chan, James Bond und Rocky Balboa.“

Den Status Superheld nimmt George Grodensky nicht für sich in Anspruch. Er gehört zum sechsköpfigen Team der Frankfurter Rundschau, das für das Zehn-Kilometer-Rennen vom Bürostuhl in die Laufschuhe gewechselt ist. „Ich fühle mich eher wie ein James-Bond-Gegner“, sagt das Mitglied der Lokalredaktion. „Mein Ziel war es, lebend anzukommen.“ Dies hat er zwar geschafft – aber nicht, ohne Wunden davonzutragen. „Das gibt den schlimmsten Muskelkater meines Lebens“, sagt Grodensky und fasst sich an den Oberschenkel.

Neben ihm steht Kollegin Judith Köneke, die für die FR aus dem Frankfurter Osten und Süden berichtet. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Steilwand hochgekommen bin“, sagt sie. Problemlos hat sie das Hindernis aber nicht genommen: „Ich habe mich gefühlt wie ein nasser Sack.“

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