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"Israel wird dämonisiert"

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Von: Danijel Majic

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Sacha Stawski ist Vorsitzender des Vereins Honestly Concerned.
Sacha Stawski ist Vorsitzender des Vereins Honestly Concerned. © privat

Sacha Stawski organisiert den Protest in Frankfurt gegen die Konferenz zu "50 Jahren israelischer Besatzung". Er wirft den Konferenzteilnehmern vor, Israel zu delegitimieren.

Herr Stawski, sollte ich im Laufe dieses Gesprächs die Siedlungspolitik Israels kritisieren oder Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland: Werden Sie mich dann als Antisemiten bezeichnen?
Absolut nicht. Wieso sollte ich das tun?

Sogenannte Israelkritiker oder Palästina-Unterstützer behaupten gerne, dass Ihnen dieser Vorwurf leicht von der Hand geht...
Tatsächlich benutze ich den Antisemitismusvorwurf so gut wie nie. Ich halte mich da an die bekannte 3D-Definition von Natan Scharansky: Aussagen, die eine Delegitimierung, Doppelstandards oder Dämonisierung in Bezug auf Israel enthalten, sind demnach antisemitisch. Ich erwarte schlicht, dass, wenn man Kritik an Israel formuliert, sie genau so formuliert ist, wie Kritik an anderen Ländern. Dass man Israels Politik kritisiert und hinterfragt, damit habe ich überhaupt kein Problem.

Dann erklären Sie uns doch bitte, was an einer Konferenz, die sich mit 50 Jahren israelischer Besatzung auseinandersetzt, antisemitisch sein soll.
Die Redner dieser Konferenz sind durchweg Menschen, die Israel dämonisieren und delegitimieren, die zum Boykott Israels aufgerufen haben und immer noch aufrufen. Sie unterstützen die antiisraelische BDS-Kampagne, die an das berüchtigte „Kauft nicht bei Juden!“ erinnert. Herr Jochheim, einer der Organisatoren, hat Israel immer wieder als „Apartheidsstaat“ diffamiert. Andere haben Israel mit Nazi-Deutschland verglichen. Das ist keine Konferenz, die in legitimer Weise Kritik an einem Staat formuliert, sondern hier wird Israel dämonisiert und delegitimiert.

Wenn Sie die BDS-Kampagne nun mit dem gezielten Boykott jüdischer Geschäfte im Dritten Reich vergleichen, ist das auch eine Form von Dämonisierung. Das eine war der organisierte Ausschluss eines bestimmten Bevölkerungsteils aus dem wirtschaftlichen Leben auf Basis einer rassistischen Ideologie. Die BDS-Aktivisten hingegen nutzen ökonomischen Druck, um das Handeln eines Staates zu beeinflussen.
Ich sage, es erinnert daran. Ich sage nicht, dass es das Gleiche ist. Aber die Boykottbewegung tut gerne so, als ob es ihr nur um den Boykott von Waren aus den sogenannten besetzten Gebieten gehe. Das könnte ich ja sogar noch ein Stück weit als eine gewisse Form von Protest nachvollziehen. In der Realität sieht es anders aus: Die Anhänger von BDS, darunter auch Herr Jochheim, fordern einen kompletten Boykott des jüdischen Staates. Und bei Demonstrationen in den USA hat man auch schon erlebt, dass kein Unterschied mehr gemacht wurde zwischen dem Boykott Israels und dem von Juden. Das Endziel der BDS-Bewegung ist die Auflösung des Staates Israel.

Und wo sehen Sie die doppelten Standards?
Naja, zu Staaten wie Syrien oder Iran, in denen Menschenrechtsverletzungen ganz anderer Qualität an der Tagesordnung sind, hört man von den Gruppen, die die Konferenz unterstützen, nichts. Den Herrschaften geht es ausschließlich um den jüdischen Staat, Israel wird zum „Juden unter den Nationen“ gemacht.

Sie gehören zu den Organisatoren des Deutschen Israelkongresses. Wieso sollten Israel-Freunde in Frankfurt konferieren dürfen und Kritiker nicht?
Wir hatten bei unserem Kongress auch palästinensische Sprecher. Es wurde sehr wohl kritisch diskutiert. Es waren nicht nur Freunde der israelischen Regierung eingeladen. Ich stelle mich mit jedem, der für eine friedliche Zweistaatenlösung eintritt auf eine Bühne. Wortwörtlich. Beim Israeltag auf der Hauptwache vor zwei Wochen habe ich eine propalästinensische Demonstrantin aufs Podium geholt. Ich habe da mit Israel- und Palästinaflagge gestanden. Aber die Dame wollte die israelische Flagge nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Der Israelkongress setzt sich für ein positives Miteinander ein. Die KOPI-Konferenz ist das Gegenteil; eine rein feindliche, aufhetzende Konferenz.

Sie werden am Freitag gegen die geplante Konferenz des Koordinationskreises Israel-Palästina demonstrieren. Gibt es etwas, dass Sie der Gegenseite auf diesem Wege noch mitteilen wollen?
Wir werden da nicht hingehen, um die Veranstaltung zu stören oder zu verhindern. Meine Botschaft an die Organisatoren ist: Überlegt euch nicht nur, wie Ihr Israel delegitimieren könnt, sondern was ihr für eine Verbesserung der Situation im ganzen Nahen Osten, wie auch für ein Miteinander hier vor Ort beitragen könnt. Wie können wir es schaffen, an einen Tisch zu kommen? Setzt euch dafür ein, dass Hilfsgeld in Palästina nicht dafür genutzt wird, Terroristen zu unterstützen. Setzt euch ein für Dialog und ein friedliches Zusammenleben.

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