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Vor allem Jugendliche kamen zum Vortrag in die Moschee.

Tarik-Moschee

Kein Platz für radikale Gedanken

Der Prediger Abu Jibril wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil er Kontakt zu Dschihad-Netzwerken haben soll. Nun wehrt sich der Palästinenser gegen den Vorwurf, radikales Gedankengut zu verbreiten - und mit ihm die Tarik-Moschee.

Von Timur Tinç

Der Versammlungssaal im ersten Stock der Tarik Ben Ziyad Moschee im Gallus ist pickepackevoll. Wie jeden letzten Sonntag im Monat hat die Gemeinde einen Prediger eingeladen, der – auf Deutsch – den Jugendlichen den Islam näherbringen soll. An diesem Sonntag sind es rund 400, die gekommen sind um Muhammad Abu Jibril zu hören, der durch seine Videos im Internet bekannt ist.

Er wird vom Verfassungsschutz beobachtet und soll laut den Staatsschützern salafistische Inhalte predigen und sogar Kontakte zu dschihadistischen Netzwerken haben. Bei seinem Vortrag und im anschließenden Gespräch macht er das Gegenteil deutlich.

„Ich will nicht, dass Jugendliche radikale Ansichten vertreten. Und wenn doch, versuche ich sie davon wegzuholen“, sagt er den Versammelten. Kein Muslim dürfe auch nur ein Körnchen Hochmut in seinem Herzen tragen und jemanden als ungläubig beleidigen. Gewalt sei nicht im Sinne des Islam. Dafür wird Abu Jibril von radikalen Islamisten gehasst, die ihn in Internetvideos als Ungläubigen darstellen und ihm mit dem Tod drohen.

"Keine Probleme mit den Behörden"

Er kann nicht verstehen, dass der Verfassungsschutz gerade ihn als Salafisten abstempelt. „Wenn sie mit einer Meinung aus einem Vortrag nicht übereinstimmen, können sie ja mit mir reden“, sagt Abu Jibril, der in Wuppertal als Sozialpädagoge arbeitet. Bei seiner Arbeit ist er in ständigem Kontakt mit Behörden, Schulen und auch der Polizei. „Mit keinem gibt es Probleme“, erzählt der Palästinenser.

Er trete „für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen“ ein, ohne einen politischen Anspruch zu haben. In seiner Funktion als Prediger, die er ohne eine Gruppe im Hintergrund wahrnimmt, ist er deutschlandweit unterwegs und spricht meist über das islamische Verhalten.

Von Predigern wie Pierre Vogel, der die Steinigung für Ehebrecher fordert, distanziert sich Abu Jibril genauso wie die Tarik-Gemeinde. „Solche Prediger lassen wir nicht in unseren Moscheen“, sagt Ahmet Araychi, der Vorsitzende der Gemeinde. Wenn er merke, dass jemand solche Gedanken vertritt, lässt er ihn nicht mehr in die Moschee.

Problematisch findet er, dass die Moschee solchen Predigern zwar die Tür verschließt, die Stadt Pierre Vogel aber im vergangenen Jahr erlaubte, vor 2000 jungen Muslimen in der Frankfurter Innenstadt zu sprechen. „Das sind auch unsere Kinder, die dahingehen“, sagt Araychi und meint damit Jugendliche, die in die Tarik-Moschee kommen. „Die Jugendlichen haben einen Durst nach Wissen.“ Man müsse ihnen Angebote machen, sonst gingen sie zu den radikalen Predigern.

Für Menschen aller Konfessionen

Die Tarik-Moschee bietet eine Vielzahl von ehrenamtlichen Projekten für Menschen aller Konfessionen an. Unter anderem Taekwando-Kurse des Projekts Frauen in Bewegung, das Elternangebot „Starke Eltern, starke Kinder“, Deutschkurse und Hausaufgabenhilfe, die von einem deutschen Nicht-Muslim geleitet wird.

Mittlerweile hat die Gemeinde auch einen Vorbeter, der die Freitagspredigt auf Deutsch hält. Darüber hinaus arbeitet die Gemeinde mit dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten und dem Rat der Religionen zusammen. „Darüber wird leider viel zu wenig berichtet“, sagt Araychi.

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