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Teilnehmer des Ironman versuchen sich zu erfrischen.

Reportage

Ironman? Was soll das denn bitte sein?

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3000 Triathleten und Zehntausende Zuschauer schwitzen am Sonntag in Frankfurt. Aber nicht alle kennen den wohl härtesten Sportwettbewerb. 

Es gibt sie noch, die Leute, die noch nie von „diesem Ironman“ gehört haben. „Was soll das sein“, fragt eine Frau sehr laut. Sie ist zufällig hineingeraten, weil sie an diesem Sonntag über den Frankfurter Römerberg läuft und sich doch sehr wundert, warum es hier nun eine Taschenkontrolle gibt. Sie ist nicht die Einzige, die an diesem Tag nachfragt. „Ich werde heute sehr, sehr oft gefragt. Das erstaunt mich schon, dass Leute nicht mitbekommen haben, was der Ironman ist und dass er heute stattfindet“, erzählt Patrick Strazzella, der hier als Security arbeitet. In drei Stunden, also gegen 14.30 Uhr, wird hier Jan Frodeno als Erster einlaufen und den Titel holen.

Aber weil die Dame weder mit den Begriffen Ironman noch Triathlon etwas anfangen kann, zeigt Strazella ihr einfach, was es ist. Er macht den Running Man, rennt also auf der Stelle und sagt: „Das machen die Sportler heute.“ Und natürlich zuvor noch Schwimmen und Radfahren, das ahmt er aber dann nicht noch nach.

Zehntausende Zuschauer kommen zum Ironman Frankfurt

Rund 3000 Triathleten treten an diesem Tag zum bereits 18. Ironman an. Das Rennen hat um 6.25 Uhr mit 3,8 Kilometern Schwimmen am Langener Waldsee begonnen, dann folgen 185 Kilometer auf dem Rad. In der Mittagshitze von knapp 40 Grad laufen sie dann noch 42,195 Kilometer. „Puh, das wäre jetzt nicht so mein Ding“, sagt ein Zuschauer, der aus Landau angereist ist. Er hat seinen Klappstuhl mitgebracht und hat ihn auf einem der wenigen Schattenplätze direkt unter dem Eisernen Steg am Mainkai aufgestellt. Unweit der Wechselstation, an der die Athleten vom Rad absteigen, um eben ganz lange zu laufen. Der Herr beißt entspannt in sein Wurstbrötchen. „Ich stehe nur ab zu mal auf und schaue mal. Meine Frau ist der größere Ironman-Fan. Sie ist die ganze Zeit in der Sonne. Das ist mir zu anstrengend“, sagt er und lacht.

Kinder feuern am Straßenrand ihren Vater an.

Trotz der Hitze sind Zehntausende Zuschauer gekommen. Und zwar nicht nur aus Frankfurt. Marco Maurer ist aus Grünstadt in Rheinland-Pfalz mit seiner Freundin angereist. Er steht in der Mittagssonne. „Ich bin hier, um meiner Freundin mal zu zeigen, was ich früher so getrieben habe. Ich bin nämlich selbst zweimal beim Ironman auf Hawaii, aber auch in Frankfurt angetreten“, sagt er. In dem Moment rennt Patrick Lange, zweimaliger Sieger des Ironman Hawaii, an ihm und der Menge vorbei. Am Mittag am Mainkai ist alles entspannt, kein Gedränge und man erlebt die Sportler auch sehr nah. Am Nachmittag am Römerberg wird es deutlich gedrängter und die wenigsten sehen von Nahem, wie Frodeno nach 7:56:02 Stunden die Arme zum Sieg hochreißen wird.

Wenige Stunden zuvor gibt es noch laute „Patrick-Rufe“, denn der gebürtige Hesse hat heute gar kein Glück. Erst muss er seinen Platten flicken unweit der Alten Brücke, dann bekommt er noch Magen-Darm-Probleme. „Sein Gesicht sieht nicht glücklich aus, er braucht euren Applaus“, ruft der Moderator am Mainkai. Und den bekommt er auch.

Toilettenschlange beim Wirtshaus am Eisernen Steg

Das gilt auch für Sebastian Kienle, der später Zweiter wird, aber auch etwas Pech hat. Am Langener Waldsee ist er wohl in eine Scherbe getreten. „Und weil keine Fremdhilfe beim Ironman erlaubt ist, muss er sich das jetzt mit einer Pinzette selbst rausziehen. Das ist schon etwas ekelhaft“, sagt der Moderator. Anja Hartmann aus Stuttgart hofft derweil, dass ihr Mann, der unter den Amateursportlern ist, unverletzt durchkommt. „Ich verfolge, wo er ist, mit einer App. Solange er sich bewegt, weiß ich, dass es ihm gut geht“, sagt sie. Während der Moderator erzählt, dass Lange „gerade auf dem Toilettchen“ sei, gibt es eine Toilettenschlange beim Wirtshaus am Eisernen Steg. Die Klogebühr beträgt einen Euro. „Das ist nur heute so, weil so viele Leute unsere Toilette besuchen. Und Klopapier und Seife kostet ja Geld“, sagt eine Angestellte.

Unweit vom Römer verkauft ein Herr frische Wassermelone: Sie ist geschnitten und kostet drei Euro pro Stück. Auch andere verkaufen Obst zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke. Der Herr und eine Frau schneiden Melone und Ananas im Akkord.

Seine eigenen Getränke dabei hat ein weiblicher Frodeno-Fan am Sachsenhäuser Ufer. Die Frau aus Fulda sitzt wie viele andere entspannt im Schatten und picknickt. „Das ist ein tolles Flair hier, die Leute sind alle ausgeglichen und man sieht die Sportler super plus die Skyline“, sagt sie. In dem Moment läuft Frodeno bereits zum zweiten Mal vorbei.

Er ist so schnell, dass man schon ganz genau hinschauen muss. „Aber ich erkenne ihn leicht, weil er so groß ist und an seinem Laufstil“, sagt sie. Außerdem trage er meist Weiß. „Patrick Lange hingegen trägt immer ein blaues Trikot“, sagt sie.

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