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Ironman: Acht Monate Training für viele Stunden Qual

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Debora Dubbel will vor allem eines: Gesund ins Ziel kommen.
Debora Dubbel will vor allem eines: Gesund ins Ziel kommen. © Peter Jülich

Die Frankfurterin Debora Dubbel startet am Sonntag bei ihrem ersten Ironman – und alle ihre Bekannten glauben an sie. Von Jan-Erik Bischoff.

Debora Dubbel hat sich lange vorbereitet. Am Sonntag nimmt die 40-Jährige zum ersten Mal an einem Ironman teil. Trotzdem ist es für sie schon fast nichts Außergewöhnliches mehr. „Es kommt einem normal vor, weil der Freundeskreis das auch macht, sagt die Frankfurterin. Auch der Chef der Zahnarztpraxis, in der sie arbeitet, macht regelmäßig mit. Deshalb habe er ein besonderes Verständnis für ihre Situation. In der Praxis sei der Triathlon gerade kurz vor dem Termin häufig das einzige Gesprächsthema.

Seit mehr als zehn Jahren war Dubbel immer wieder als Zuschauerin beim Frankfurter Ironman. Irgendwann fing sie mit dem Laufen an und lief auch gerne. Vor drei Jahren aber verletzte sie sich, musste die Rennerei vorübergehend einstellen, kaufte sich stattdessen ein Fahrrad – und entdeckte ihre Liebe zum Radfahren. Von da an war ihr klar, dass Triathlon etwas für sie ist. Sie wurde Mitglied bei Eintracht Frankfurt und begann, gezielt zu trainieren. Zunächst nahm Dubbel an kleineren Ereignissen wie dem „Zehn Freunde Triathlon“ teil, bei dem zehn Menschen die Strecke unter sich aufteilen. Jede:r schwimmt, radelt und läuft ein kleines Stück. Voriges Jahr im September absolvierte sie ihre erste Mitteldistanz, also einen halben Ironman.

Jetzt nimmt sie die volle Distanz in Angriff, die für Eisenmänner und Eisenfrauen. 3,8 Kilometer im Wasser, 180 Kilometer auf dem Rad, Marathonlauf. Sie sagt, sie sei wohl eine der Ersten gewesen, die sich im vorigen Jahr angemeldet haben. „Ich will mich irgendwie verändern und weiterentwickeln“, sagt sie. Darauf trainiert sie seit acht Monaten hin. Und sie weiß: „Bei kurzen Distanzen kann man Vollgas geben, hier muss man es sich einteilen.“

Ihre Personal Trainerin und Freundin Laura Chacon Biebach hat sie die ganze Zeit begleitet. „Sie hat mich super unterstützt, sie war immer erreichbar.“ Sie hat ihr die Trainingspläne zusammengestellt, genau auf sie abgestimmt. Auch bei der Ernährung hat sie ihr geholfen. Fürs Lauftraining nutzte Dubbel hauptsächlich den Verein, dort war sie nicht allein: Die Eintracht stellt mehr als 100 Starter:innen.

Service

Der Startschuss für den Ironman Frankfurt fällt am Sonntag um 6.25 Uhr am Langener Waldsee. Frieren wird beim Schwimmen niemand. Die Wassertemperatur lag in dieser Woche regelmäßig bei 23 bis 24 Grad.

Der Sieger wird kurz nach 14 Uhr am Römerberg erwartet. Viele Hobbyathlet:innen sind um diese Zeit noch beim Radfahren. Zielschluss ist um 22 Uhr. Nach 15,5 Stunden reicht es dann auch.

Knapp 3000 Teilnehmende zählt das Feld. Die meisten haben hohe Startgebühren bezahlt (mindestens 672 Euro). Die Profis mussten diese Summe nicht berappen. Allerdings kommen die großen Stars des deutschen Triathlons, etwa Sebastian Kienle, Jan Frodeno, Patrick Lange und Anne Haug, diesmal nicht nach Frankfurt. Ein Problem ist die Konkurrenzveranstaltung am folgenden Wochenende in Roth.

Anfeuern kann man die Athletinnen und Athleten zum einen beim Marathon am Mainufer. Zum anderen gibt es entlang der 90 Kilometer langen Radstrecke, die zweimal bewältigt werden muss, klassische Stimmungsnester. Etwa „The Hell“ in Hochstadt oder „The Beast“ an der Vilbeler Landstraße in Bergen-Enkheim.

Das Hessen-Fernsehen überträgt das Rennen von 6.15 bis 15.45 Uhr live und schaltet zum Zielschluss um 21.45 Uhr noch einmal an den Frankfurter Römerberg.

Unterstützung erhielt die Ironmandebütantin auch von ihrem Freund und ihren drei Kinder. Die standen in den vergangenen Monaten hinter ihr und werden am Sonntag an der Straße stehen und sie anfeuern. „Meine Kinder sagen, sie seien sehr stolz auf mich.“ Dubbel möchte als Vorbild vermitteln, dass es sich immer lohnt, für seine Träume zu kämpfen, auch wenn der Weg hart ist und man ihn manchmal infrage stellt. Denn der Preis für ihre Teilnahme war hoch. Die sozialen Kontakte blieben zum großen Teil auf der Strecke. Am Wochenende klingelte um halb sechs der Wecker fürs Training.

In der letzten Woche vor dem Start war Zeit zum Kräftesammeln. Die Übungseinheiten waren kürzer und eher darauf bedacht, nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Wichtig ist es beim Ironman auch, sich mit seiner Ausrüstung auszukennen. Wer fremde Hilfe annimmt, wird disqualifiziert. Deshalb musste Dubbel zum Beispiel lernen, einen platten Reifen zu reparieren und den Schlauch auszuwechseln. Und sie musste sich sehr genau mit der Verpflegung beschäftigen. Um die 10 000 Kalorien verbrennt man während eines Ironman, entsprechend bedeutsam ist die Nährstoffzufuhr, am besten in konzentrierter Form. Pro Stunde wird Dubbel drei Gels zu sich nehmen müssen, die alles enthalten, was ihr Körper braucht.

Am wichtigsten ist Debora Dubbel, gesund ins Ziel zu kommen. Ihr Ziel sei es, Spaß zu haben. Deshalb müsse sie immer positiv denken. Auf das blicken, was direkt vor ihr liege, statt sich vom großen Ganzen einschüchtern zu lassen. Vieles entscheide sich im Kopf, die kleinen Erfolge – „gleich kommt die nächste Verpflegungsstation, da steht die Familie zum Anfeuern…“ – brächten besonders viel. „Ich freue mich darauf“, sagt die 40-Jährige, „bin aber auch froh, wenn es vorbei ist, weil ich dann mein Leben zurückhabe.“

Menschen, die ebenfalls mit Triathlon anfangen möchten, empfiehlt Dubbel, sich einen Verein zu suchen. Das sei hilfreich und motivierend, und gleichzeitig lerne man viele Gleichgesinnte kennen, um sich auszutauschen. Bei der Eintracht gebe es beispielsweise ein spezielles Langdistanzprojekt, in dem Mitglieder sich auf den Ironman vorbereiten können. Die Teilnehmer:innen erhalten auch Trainingspläne und können sich Vorträge und Workshops zu den wichtigsten Fragen rund um diesen Ausdauersport anschauen.

So kurz vor ihrem ersten Ironman ist Debora Dubbel regelrecht im Tunnel. Neben ihrem Job und der Vorbereitung auf Sonntag bleibt keine Zeit, an andere Dinge zu denken. Ihr Umfeld ist positiv gestimmt: „Um mich herum zweifelt niemand daran, dass ich es schaffe.“

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