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Irmgard Keun: „Nach Mitternacht“ - FR-Lesung mit Wolfgang Vogler

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Von: Oliver Teutsch

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Das Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ rückt Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“ in den Fokus. Die FR lädt ein zur Lesung und Diskussion für Donnerstag, 5. Mai, 19 Uhr - hier im Livevideo.

Es geht um 48 Stunden im Jahr 1936. Wohl selten ist das düsterste Kapitel deutscher Geschichte so mitreißend und humorvoll aufgeschrieben worden wie in Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“. Das Werk der 1982 verstorbenen Autorin erfährt bei „Frankfurt liest ein Buch“ seinen dritten Frühling. 83 Veranstaltungen dazu sind vom 2. bis zum 15. Mai geplant.

Das sei „noch nicht das Ende der Fahnenstange“, sagte Organisator Lothar Ruske bei der Programmvorstellung am Dienstag. Viele Veranstalter:innen sprängen noch kurzfristig auf, nachdem die Pandemiebeschränkungen nun aufgehoben würden. Ruske empfahl, sich auf der Website des Lesefests über Aktualisierungen zu informieren.

Keuns dritter Roman spielt in Köln und in Frankfurt – dort vor allem auf dem Opernplatz, wo die Menschenmassen den Auftritt Adolf Hitlers erwarten. Keun beschreibt den Alltag im nationalsozialistischen Deutschland mit all seinen Facetten und Widersprüchlichkeiten.

Der Roman war wie Keuns zwei vorherige Werke ein Erfolg, die Autorin geriet aber nach dem Krieg in Vergessenheit. Erst in den 80er-Jahren erlebte sie eine Wiedergeburt, nicht zuletzt, weil „Nach Mitternacht“ ein weiteres Mal verfilmt wurde.

Das Lesefest

Die 13. Auflage lädt vom 5. bis 12. Mai zu 83 Veranstaltungen an 70 unterschiedlichen Orten ein. Unter den Mitwirkenden sind so illustre Namen wie Nina Hoger, Ursula Krechel, Camilla Renschke, Desirée Nosbusch oder Michael Quast. Die Auftaktveranstaltung findet am 2. Mai in der Deutschen Nationalbibliothek statt. www. frankfurt-liest-ein-Buch.de

Die Frankfurter Rundschau ist seit vielen Jahren Medienpartner des Lesefests und wird am Donnerstag, 5. Mai, 19 Uhr, im Haus am Dom eine eigene Veranstaltung ausrichten. Der Schauspieler Wolfgang Vogler, der an den Kammerspielen in einer Bühnenfassung des Werks „Nach Mitternacht“ gleich in mehreren Rollen zu sehen ist, wird aus dem Roman lesen. Wir übertragen den Abend an dieser Stelle live.

Der Roman ist im Januar bei Claasen neu erschienen. 208 Seiten gebunden, 22 Euro. Mit einem Nachwort von Heinrich Detering.

Die bisher ausgewählten Werke sind: 2010: „Kaiserhofstraße 12“ (Valentin Senger); 2011:„Abschaffel“ (Wilhelm Genazino); 2012: „Straßen von gestern“ (Silvia Tannenbaum); 2013: „Ginster“ (Siegfried Kracauer); 2014: „Die Vollidioten“ (Eckard Henscheid); 2015: „Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank“ (Mirjam Pressler); 2016: „Frankfurt verboten“ (Dieter David Seuthe); 2017: „Benjamin und seine Väter“ (Herbert Heckmann); 2018: „Das siebte Kreuz“ (Anna Seghers); 2019: „Westend“ (Martin Mosebach); 2020: „Rosemarie – Des deutschen Wunders liebstes Kind“ (Erich Kuby); 2021: „Scheintod“ (Eva Demski). (praa/ote)

Viele Städte beteiligen sich

Selbst in Frankfurt gelebt hat Keun nie. 1905 in Berlin geboren, siedelte sie in jungen Jahren mit ihrer Familie nach Köln um. Mit ihren Romanen „Gilgi – eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“ feierte sie große Erfolge, bevor sie 1936 ins Exil ging und dort ein Jahr später „Nach Mitternacht“ veröffentlichte.

85 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen rückt das schmale Büchlein erneut in den Fokus. Julia Cloot, Kuratorin des Kulturfonds Rhein-Main, der „Frankfurt liest ein Buch“ unterstützt, sprach von einer „Wiederentdeckung“. Immer mehr wird die Frankfurter Veranstaltungsreihe zu einer regionalen Angelegenheit. So beteiligen sich auch viele Städte im Umland mit Lesungen, Filmvorführungen, Gesprächsrunden und Ausstellungen.

Der Opernplatz ist einer der Schlüsselorte im Roman. Foto: Rolf Oeser.
Der Opernplatz ist einer der Schlüsselorte im Roman. © ROLF OESER

Der Verein „Frankfurt liest ein Buch“ kann mit seiner Auswahl nicht so falsch gelegen haben. Denn das Schauspiel Frankfurt hat sich unabhängig davon entschlossen, Keuns Werk aufzuführen. Auch während der Aktionswoche im Mai wird es drei Aufführungen geben.

„Dieses Kuriosum hatten wir 2018 schon mal“, freute sich Ruske. Damals hatten Schauspiel und Lesefest sich unabhängig voneinander für Anna Seghers’ „Das siebte Kreuz“ entschieden. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das von Keun verarbeitete Thema Nationalsozialismus durch die Ausstellung „Frankfurt und NS“, die bis nächstes Jahr im Historischen Museum zu sehen ist.

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