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Konservierte Kleidung wurde aufwendig restauriert.

Archäologische Ausstellung abgesagt

Iran-Krise verhindert Ausstellung in Frankfurt

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Archäologisches Museum muss die Ausstellung „Tod im Salz“ absagen. Wegen der politischen Lage hatten Transport- und Versicherungsunternehmen ihre Verträge gekündigt.

Bis zuletzt hatte das Archäologische Museum um die Ausstellung gekämpft. Vergebens. Die Ausstellung „Tod im Salz. Eine archäologische Ermittlung in Persien“ muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. „Die große Politik hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte der Leitende Direktor Wolfgang David. Gezeigt werden sollten am dem 24. März einzigartige Exponate, die teilweise seit 2400 Jahren in Salz konserviert sind. Unter den Exponaten, die vor Ort im Iran aufwendig restauriert wurden, sind Kleidungsstücke, Werkzeuge aber auch eine mumifizierte Leiche. Anders als etwa bei Moorleichen, wo alles braun ist, seien bei den aus iranischen Bergwerken geborgenen Gegenständen auch die ursprünglichen Farben erhalten. In der Ausstellung in Frankfurt, die in Zusammenarbeit mit dem Bergbaumuseum in Bochum und dem Iranischen Nationalmuseum entstand, sollte der letzte Tag der Bergleute vor einem Grubenunglück rekonstruiert werden. Das verschüttete Salzbergwerk war in den 1990er Jahren freigelegt worden.

Zwei Jahre lang hatte das Archäologische Museum an der Ausstellung getüftelt. „Wir haben da wahnsinnig viel Arbeit reingesteckt“, so David. Doch die Arbeit wurde wegen der bestehenden US-Sanktionen gegen den Iran immer schwieriger. Dabei sei die Ausstellung immer ein Risiko gewesen. Schon im Sommer hatte eine Versicherung den Vertrag gekündigt, da sie das Risiko des schwierigen Transports der fragilen Gegenstände nicht übernehmen wollte. Nun habe auch das andere Versicherungs- und Transportunternehmen mit Hinweis auf die seit Jahresbeginn nochmals verschärfte politische Lage im Mittleren Osten das Risiko abgelehnt und den Vertrag gekündigt. „Wir haben noch überlegt, das Risiko selbst zu tragen, aber das können wir nicht“, gesteht David. Der Iran fordert bei Schäden an den Exponaten einen Schadenersatz in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Auch die Begleichung von Rechnungen vor Ort wäre schwierig geworden. „Es gibt dort derzeit keinen internationalen Zahlungsverkehr“, erläutert David.

Das Archäologische Museum muss nun die Konsequenzen tragen. Zunächst mal fehlt von März bis Oktober eine wichtige Ausstellung, die auch Einnahmen gebracht hätte. Das Museum überlegt, eine für Herbst geplante Ausstellung vorzuziehen. Teilweise waren auch schon Anzeigen für die Ausstellung geschaltet worden, die nun überflüssig sind, aber trotzdem Geld gekostet haben. Dabei hat das Museum finanziell gesehen noch Glück gehabt. In sechs bis acht Wochen wäre das noch schlimmer gewesen, denn dann hätte das Museum auch schon teure Grafiken und Begleitmaterial in Auftrag gegeben.

Ob und wann die Ausstellung nachgeholt werden kann, ist ungewiss. Denn das Archäologische Museum hat laut David die kommenden zwei Jahre schon mit anderen Ausstellungen durchgeplant.

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