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Das Schreckgespenst der Enteignung geht um – jetzt auch in Frankfurt.

Wohnen  

Investoren verschrecken

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Aktivisten haben vor der Hauptversammlung der Deutschen Wohnen in Frankfurt für eine Enteignung des Wohnunternehmens geworben. Wohnungen müssten Gemeineigentum sein.

Bei einer Protestkundgebung vor der Hauptversammlung der Deutschen Wohnen im Kongresshaus Kap Europa am Frankfurter Messegelände haben mehr als 60 Menschen am Dienstagmorgen dafür geworben, profitorientierte große Wohnungsunternehmen zu enteignen. Als Gespenster verkleidete Aktivisten der Interventionistischen Linken und der Gruppe „Eine Stadt für Alle“ umtanzten „Huibuh“ rufend, Aktionäre, die in das Gebäude wollten. Ziel sei es „Investoren zu verschrecken“, hieß es.

An einem Attac-Stand wurde mit Sekt auf die fallenden Aktienkurse der Deutschen Wohnen angestoßen. Immer wieder skandierten die Aktivisten „Deutsche Wohnen enteignen“. Die Frankfurter Linke warb mit einem aufgeblasenen „Miethai“ für die Vergesellschaftung von Wohnraum. Das zweitgrößte deutsche Wohnungsunternehmen sei bekannt für eine skandalöse Geschäftspolitik, sagte Felix Wiegand von der Interventionistischen Linken und „Stadt für Alle“. Ihr alleiniger Zweck sei es, eine maximale Rendite für die Anlegerinnen und Anleger zu erwirtschaften. Auch in Frankfurt kaufe die Gesellschaft Wohnraum auf, das Kapital walze auf Kosten der Mieter regelrecht durch die Stadt. Dieser Ausverkauf der Städte müsse gestoppt, Wohnungen müssten wieder Gemeineigentum werden, forderte Wiegand.

Susanna Raab von der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“, die in Berlin für ein Volksbegehren kämpft, warf dem Unternehmen vor, ohne Rücksicht auf Verluste, höhere Mieten durchzusetzen. Doch aus der Angst, aus der Wohnung verdrängt zu werden, sei bei sehr vielen Berlinern inzwischen Wut geworden. „Wir lassen uns nicht länger gefallen, dass mit unseren Wohnungen Profit gemacht wird.“ Der in Berlin geplante Mietendeckel sei ein erster Erfolg des Mieterwiderstands. Nun sei auch die erste Hürde für das Volksbegehren genommen. Gemeinsam werde man zeigen: „Die Stadt gehört uns – und wir lassen sie uns nicht mehr nehmen“, sagte Raab.

Roberto Stojanoski vom Mieterrat der Knorrstraße im Frankfurter Stadtteil Gallus prangerte die Praktiken der dort und an der Wallauer Straße nachverdichtenden Firma Vonovia an. Was das größte Wohnungsunternehmen Deutschlands dort treibe, sei reine Verdrängung. Nun gelte es, zusammenzuhalten und zu kämpfen, sagte er. Es werde Zeit, die großen Immobilienkonzerne zu enteignen.

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