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Awo stellt neue Vorsitrzende vor, Henschelstraße 11

AWO

Investieren statt schlingern

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Steffen Krollmann und Axel Dornis sollen als neue Vorstände die AWO Frankfurt stabilisieren.

Er erlebt seine erste Pressekonferenz bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt hauptsächlich schweigend. Axel Dornis wird in dieser Stunde klar geworden sein, auf welch schwierige Mission er sich da eingelassen hat. Denn für den 55-jährigen Diplom-Betriebswirt, der künftig Finanzvorstand des Kreisverbandes sein soll, interessiert sich eigentlich niemand von den Medienleuten, die sich in der Frankfurter AWO-Zentrale eingefunden haben.

Dornis und der neue Vorstandsvorsitzende, der 56-jährige Steffen Krollmann, setzten sich unter mehr als 150 Bewerbungen durch. Petra Rossbrey, die Vorsitzende des AWO-Präsidiums, nimmt es als gutes Zeichen, dass so viele Menschen aus dem Management zu einer Wohlfahrtsorganisation drängen, die seit etlichen Monaten Schlagzeilen produziert, überwiegend negative noch dazu. Der Diplom-Betriebswirt Dornis kommt vom Internationalen Bund (IB), wo er als Kaufmännischer Geschäftsführer die Region Süd, also Baden-Württemberg und Bayern, mit rund 100 Betriebsstätten verantwortete. Seine Aufgabe wird es jetzt sein, mit einem „strategischen Finanzmanagement die Stabilität des Kreisverbandes“ zu sichern. Dem vorherigen Interimsvorstand sei es bereits gelungen, die Organisation zu stabilisieren, die „schwer im Schlingern“ gewesen sei, so Rossbrey.

Nachdem die Zahlungsfähigkeit gesichert ist, geht der Blick nach vorne. Die AWO Frankfurt will wieder investieren. Und zwar zuerst in die „bauliche Ertüchtigung“ der vorhandenen Alten- und Pflegeheime und dann vielleicht sogar in die Errichtung neuer Kitas über die bisherigen achtzehn in Frankfurt hinaus, wie Rossbrey der FR sagt. Denn neue Kindertagesstätten werden in der wachsenden Großstadt weiter dringend gebraucht.

Dornis führt sich mit einem Lob ein. Die 1100 Beschäftigten des AWO-Kreisverbandes in mehr als 60 Einrichtungen hätten „mit der Bewältigung der Herausforderungen der letzten Monate eine sehr hohe Reaktionsfähigkeit als Organisation bewiesen“, heißt es in der AWO-Pressemitteilung zum Tage. Der neue Finanzvorstand wird aber auch den Entzug der Gemeinnützigkeit abwenden müssen, der dem Kreisverband nach wie vor droht. Das Finanzamt könnte bei seiner Prüfung zum Ergebnis kommen, dass die Missstände der Jahre 2015 bis 2019 der Gemeinnützigkeit widersprechen. Dann müsste der Wohlfahrtsverband wesentlich höhere Steuern zahlen, was der AWO große Probleme bereiten würde.

Steffen Krollmann, der neue Vorstandsvorsitzende, geht an diesem Tag schon ganz souverän und routiniert mit der Medienmeute um. Denn er hat als Interims-Vorstand in den zurückliegenden Monaten bereits Erfahrungen mit journalistischer Neugier sammeln können. Der verheiratete Vater zweier Töchter kommt von der Volksbank Braunschweig und hatte sich dort als Leiter der Direktion Salzgitter freistellen lassen. Seine Aufgabe wird es vor allem sein, das angeschlagene Vertrauen in die Arbeiterwohlfahrt und den früheren guten Ruf der Organisation wieder herzustellen.

Dornis und Krollmann gehen mit Gehältern von rund 120 000 Euro bei der Erneuerung mit gutem Beispiel voran. Ihre Verträge sind erst einmal auf fünf Jahre begrenzt. Luxusfahrzeuge mit 450 PS als Dienstwagen, die früher für einzelne Spitzenfunktionäre der AWO Frankfurt reserviert waren, gibt es nicht mehr. Krollmann spricht von einem „Aufbruch“, dessen Teil er sein möchte. Der Weg für den neuen Vorstand wird steinig bleiben.

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