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Sozialunternehmerin Anna Meister. Christoph Boeckheler

Schulen in Frankfurt

Mit der Intensivklasse zur Feuerwehr

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Anna Meister, Gründerin eines Sozialunternehmens, spricht im FR-Interview über Preisgelder, aufgeschlossene Schüler und die Bedeutung von Integration.

Unternehmerin Anna Meister hat einen Zukunftsbaukasten für zugewanderte Schüler entwickelt: Mit ihrer gemeinnützigen Firma Zubaka unterstützt sie die Lehrer von Intensivklassen und Integrationsklassen dabei, jungen Einwanderern den Einstieg in Deutschland zu erleichtern. Nach dem Deutschen Integrationspreis 2017, hat sie den Special Impact Award 2018 gewonnen. Im Interview erzählt sie, wie das ihre Arbeit beeinflusst.

Frau Meister, was bedeutet Ihnen Ihre neueste Auszeichnung?
Wir freuen uns besonders darüber, dass wir in der Kategorie Community Award gewonnen haben – das zeigt, dass wir ein breites Netzwerk an Leuten haben, die unsere Arbeit unterstützen.

Das ist aber nicht der einzige Preis für Ihre Arbeit...
Unsere Stärke ist sicherlich, dass die Idee bei der praktischen Arbeit an Schulen entstanden ist und sich sehr am Bedarf im Klassenraum orientiert. Da gibt es einen Riesenbedarf. Das Thema ist brisant und sehr drängend. Es ist extrem wichtig, zusätzliche Ressourcen in die Integration an Schulen zu stecken.

Inwiefern ist das Thema brisant?
Weil wir langfristig große Probleme bekommen, wenn die Integration von jungen Leuten heute nicht gelingt.

2017 haben Sie 30 000 Euro Preisgeld beim Deutschen Integrationspreis gewonnen. Jetzt 5000 Euro. Außerdem sind Sie bei weiteren Preisen in die Endausscheidung gekommen. Was machen Sie mit dem Geld?
Das fließt zu 100 Prozent in unsere Arbeit. Dadurch können wir an mehr Schulen arbeiten. Außerdem hilft es uns, die Arbeit an Schulen zu finanzieren, an denen wir mit unserer Arbeit anfangen, obwohl die Finanzierung zu Beginn noch nicht vollständig steht.

Wie finanzieren Sie sich denn?
Hauptsächlich über Gelder von Stiftungen wie etwa der polytechnischen Gesellschaft und Spenden von Privatleuten. Die Schulen selbst tragen einen Anteil von acht Prozent an den Kosten – das ist für viele auch schon eine Herausforderung.

An wie vielen Frankfurter Schulen sind Sie vertreten?
Wir betreuen aktuell an sieben weiterführenden Schulen und Berufsschulen in Frankfurt neu zugewanderte Schüler im Alter von elf bis 21 Jahren. Insgesamt gibt es in der Stadt rund 80 Intensivklassen – Grundschulen mitgezählt.

Ihr Integrationskonzept setzt auf Module. Haben die sich durch Ihre Arbeit verändert?
Unsere thematischen Schwerpunkte „Ankommen in Schule und Stadt“, „Vorbereitung auf Praktikum und Beruf“, „Kennenlernen und Vernetzen“ und „Übergang in die Regelklasse“ sind gleich geblieben. Allerdings verändern wir immer wieder die Formate. An der Ernst-Reuter-Schule in der Nordweststadt beispielsweise wollte der Klassenlehrer den Fokus auf Engagement und Teilhabe legen, um die Neulinge zu aktiven Bürgern in der Gesellschaft zu machen. Wir haben dann eine Müllsammelaktion und Besuche bei Einrichtungen wie der Freiwilligen Feuerwehr eingebaut, um zu zeigen, wo man sich einbringen kann. Solche neuen Ideen übertragen wir teilweise auch schnell auf andere Schulen.

Wer geht zu den Schülern?
Wir sind – mit mir – ein Kernteam von drei fest angestellten Vollzeitkräften, das überwiegend die konzeptionelle Arbeit macht. Darüber hinaus arbeiten wir mit Studierenden aus pädagogischen Fächern zusammen, die bei uns als Werkstudenten angestellt sind oder auf Honorarbasis als Scouts in den Schulen arbeiten. Außerdem engagieren sich Ehrenamtliche bei uns. Pro Schule gibt es einen Scout, der einmal in der Woche fünf Stunden vor Ort ist. Hinzu kommen für die Scouts rund fünf Stunden für Vorbereitung, Reflexion und Supervision.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der Einwanderungswelle 2015 ihr viel zitiertes „Wir schaffen das“ gesagt. Geben Sie mit Ihrem Sozialunternehmen eine Antwort darauf, wie Integration gelingen kann?
Ich finde diese Haltung gut, auf die Stärken und positiven Aspekte zu setzen. Ich habe das damals als Ansporn verstanden. Das ist auch unser Ansatz und wir sind begeistert von unseren Jugendlichen.

Haben Sie Pläne, wie Sie Zubaka weiterentwickeln wollen?
Wir wollen zukünftig lokale Unternehmen in unsere Arbeit einbinden. Das kann etwa so aussehen, dass Betriebe Patenschaften für Schulen in ihrer Nachbarschaft übernehmen und sich neben der finanziellen Unterstützung mit Varianten von Corporate Volunteering einbringen – also beispielsweise indem Mitarbeiter der Unternehmen Schüler beim Bewerbungstraining unterstützen, ihren Beruf vorstellen oder den Schülern Betriebsbesichtigungen anbieten.

Zur Person: Anna Meister (33) hat Politikwissenschaft studiert. Nach ihrem Studium war sie drei Jahre lang „Teach first fellow“ an der Hostatoschule.  2016 hat sie die gemeinnützige GmbH Zubaka gegründet. Ihr Sozialunternehmen wurde schon mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Special Impact Award. 

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