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Städtische Bühnen Frankfurt

Städtische Bühnen: Intendant stellt Bedingungen für Umbau oder Neubau

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Der Geschäftsführer der Städtischen Bühnen in Frankfurt, Anselm Weber, verlangt eine Interimslösung für die Zeit des Bühnenneubaus oder -umbaus.

Wir müssen klären, unter welchen Umständen und wo die 1200 Menschen der Städtischen Bühnen in Zukunft arbeiten“: Anselm Weber, Intendant von Schauspiel Frankfurt und Geschäftsführer der städtischen Bühnen GmbH, meldet sich energisch zu Wort. Im Gespräch mit der FR fordert der 55-Jährige von der Kommunalpolitik, so schnell wie möglich eine Interimslösung für Oper und Schauspiel zu finden.

Weber formuliert eine Reihe von Bedingungen. Während der Zeit eines möglichen Neubaus oder einer Sanierung der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz „müssen wir die hohe Qualität von Oper und Schauspiel halten“. Es müsse an Interimsstandorten weiter Repertoiretheater gespielt werden können. Dazu brauche es „klare Vorgaben“ der Politik. Sonst drohe die Abwanderung von Publikum und Ensemblemitgliedern.

Der Intendant warnt davor, in der öffentlichen Diskussion „Bildung und Soziales gegen die Kultur auszuspielen – das ist der falsche Weg“. Weber nennt es sein Bestreben, „im Konsens“ mit der Kommunalpolitik Lösungen zu finden.

Stadt zwingt harten Sparkurs auf 

Der Bühnenchef geht dann auf die schwierige Situation von Oper und Schauspiel unter den Vorgaben der städtischen Sparpolitik ein. Für die kommende Saison 2019/2020 verlange die Kommune wie bereits in der laufenden Spielzeit eine Einsparung von zwei Prozent. Die Bühnen GmbH müsse ihre Ausgaben unter dem Strich um 1,516 Millionen Euro reduzieren. Davon entfielen auf die Oper 800.000 Euro, auf das Schauspiel 400.000 Euro und auf den Bereich des Bühnenservices 316.000 Euro.

Außerdem sind Oper und Schauspiel gezwungen, in der kommenden Saison zehn Prozent der Kosten zu finanzieren, die der neue Tarifabschluss im öffentlichen Dienst mit sich bringt. 90 Prozent dieser Mehrkosten übernehme in der neuen Spielzeit 2019/2020 die Kommune aus dem allgemeinen Haushalt. Vom 1. Januar 2020 an trage die Stadt demzufolge 660.000 Euro von insgesamt 740.000 Euro an Mehrkosten.

Bald keine Premieren mehr?  

Die Folgen der städtischen Sparpolitik nennt der Bühnengeschäftsführer „sehr schmerzlich“. So gebe es für frei werdende Stellen zeitlich begrenzte Wiederbesetzungssperren. Außerdem könnten Fortbildungen für die Beschäftigten nicht mehr im früheren Umfang organisiert werden.

Die von der Stadt auferlegten Kürzungen wirkten sich auch bei der Ausstattung von Inszenierungen und beim Bühnenbild aus. Die künstlerischen Teams müssten verkleinert werden. Auch die Bühnenbilder könnten nicht mehr so opulent sein wie früher. „Der nächste Schritt wäre dann, auf Premieren zu verzichten“, sagte der Intendant. Trotz dieser schwierigen Arbeitsbedingungen stünden die Städtischen Bühnen wirtschaftlich insgesamt sehr gut da. 

Stadt muss jährlich Millionen zuschießen 

Die Auslastung des Schauspiels habe Ende März bei 91 Prozent gelegen. „Das ist eine Zahl, die unglaublich gut ist.“ Opernintendant Bernd Loebe hatte in der vergangenen Woche von einer Auslastung von 83 Prozent für sein Haus gesprochen.

Insgesamt wird der Zuschuss der Stadt für die Bühnen GmbH in der kommenden Spielzeit auf 78,187 Millionen Euro wachsen. In der vorherigen Saison 2018/2019 hatte er bei 76,541 Millionen Euro gelegen.

Weber sagte der FR, er sei „nach zwölf Jahren Arbeit im Ruhrgebiet sehr trainiert“, was schwierige Arbeitsbedingungen angehe. Er war von 2005 bis 2010 Intendant des Schauspiels in Essen gewesen und hatte von 2010 bis 2017 als Chef des Schauspiels Bochum gearbeitet. Das Haus in Bochum habe er mit einem Minus von zwei Millionen Euro im Etat übernommen und mit einem Plus von einer Million Euro wieder verlassen.

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