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Jahrzehntelang prangte Clara Schumanns Konterfei auf dem 100-DM-Schein. Auch das Konservatorium war darauf zu sehen

Clara Schumann

Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt zeigt Ausstellung über die Frau auf dem Hundertmarkschein

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Das Institut für Stadtgeschichte zeigt eine Ausstellung über Clara Schumann. Viele Jahre lebte die Virtuosin in Frankfurt. In diesem Jahr jährt sich ihr Geburtstag zum 200. Mal.

Ein Highlight der Ausstellung über Clara Schumann, so empfindet es Kuratorin Ulrike Kienzle, ist der Gipsentwurf einer Büste. Er stammt aus dem Jahr 1896, dem Todesjahr der Musikerin. Geschaffen hat die Büste Friedrich Christoph Hausmann, der auch den Märchenbrunnen auf dem Willy-Brandt-Platz gestaltet hat. Das Abbild zeigt Clara Schumann am Ende ihres Lebens, eine Frau, die viel erlebt und erlitten hat. Stärke aber auch Melancholie spiegeln sich in ihrem Gesicht. Wie genau ihr Leben aussah, das greift ab sofort die Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte auf.

Die Schau beginnt mit der Kindheit von Clara Wieck, so ihr Mädchenname. Bereits mit neun Jahren spielte sie Klavierkonzerte. Mit zwölf Jahren kam das Wunderkind erstmals nach Frankfurt und gab zwei Konzerte. Bereits damals eilte ihr ein guter Ruf voraus. Auch Goethe lobte Clara Wieck.

1840 heiratet die Musikerin Robert Schumann. Gegen den Willen des Vaters, den sie sogar verklagen muss. Ihr heute nicht minder berühmter Ehemann wünscht sich zwar ein starke Frau, sieht Clara aber durchaus in der Rolle der Hausfrau und Mutter. Doch die gebürtige Leipzigerin konnte das Klavierspielen und das Komponieren nicht lassen und wurde spätestens nach Robert Schumanns Tod 1856 zur Alleinversorgerin für sich und ihre sieben Kinder. Ein achtes Kind starb im Alter von 16 Monaten.

Notenblätter mit handschriftlichen Korrekturen.

Es folgen zahlreiche Konzertreisen, bis Clara Schumann schließlich 1878 in Frankfurt sesshaft wird. Hier tritt sie die Stelle der Ersten Klavierlehrerin an Hoch’s Konservatorium an. Dessen Leiter erfüllt alle ihre teils immensen Forderungen. „Clara Schumann war eine der bedeutendsten Virtuosinnen der damaligen Zeit und er wollte sie unbedingt am Konservatorium“, erläutert Ulrike Kienzle. So zieht Schumann in die Myliusstraße 32 ins Westend. Und gerade in diesem Bereich beweist die Ausstellung ihre größte Stärke. Explizit wird auf prägnante Orte in Frankfurt eingegangen: das Wohnhaus, das Konservatorium am Main, der Saalbau an der Junghofstraße oder auch die heutige Alte Oper. Alle Orte sind mit der Musikerin verknüpft.

Selbstverständlich darf in einer solchen Ausstellung auch die Musik nicht fehlen. An sechs Hörstationen können die Besucher 38 Minuten lang Werken von Clara Schumann, aber auch von anderen Komponisten ihrer Zeit lauschen.

Abgerundet wird alles durch ein umfangreiches Begleitprogramm mit sechs Vorträgen, acht öffentlichen Führungen und zehn Konzerten, darunter das Geburtstagskonzert am 13. September, an dem Clara Schumann 200 Jahre alt geworden wäre.

Die Künstlerin verkörperte bereits im 19. Jahrhundert die Rolle einer starken Frau. Sie sorgte für die Familie, hatte beruflichen Erfolg und zahlreiche Kontakte zu Adligen, Politikern, Künstlern und Vertretern des Bürgertums. „Hinter dem äußeren Erfolg steht aber auch familiäres Leid“, sagt Hans-Jürgen Hellwig, Vorsitzender der Robert-Schumann-Gesellschaft Frankfurt, die die Idee zur Schau im Stadtinstitut hatte.

Sowohl Clara Schumanns Ehemann als auch ihr Sohn Ludwig litten an Depressionen und verbrachten Jahre in Nervenheilanstalten. Der jüngste Sohn Felix starb mit 24 Jahren, auch der erste Sohn der Schumanns, Emil, starb im Kindesalter. Nur drei der Kinder überlebten ihre Mutter.

Die Schau

Die Ausstellung über Clara Schumann ist noch bis zum 26. Januar 2020 im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Das Begleitbuch zur Schau ist im Societätsverlag erschienen und kostet 22 Euro.

Mehr Informationen zu Konzerten, Führungen und Vorträgen unterwww.stadtgeschichte-ffm.de (mic)

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