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Gestatten: Grünes Heupferd an Frankfurter Balkon.
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Gestatten: Grünes Heupferd an Frankfurter Balkon.

Stadtnatur

Insekten in Frankfurt: Das Heupferd frisst keinen Gurkensalat

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Und macht auch sonst wenig Ärger. Begegnungen in der Stadtnatur mit erstaunlichen Viechern, die hierher gehören.

Die Sache war klar. Zunächst machte sich die Riesenheuschrecke – oder soll man sagen: die Ultrariesenheuschrecke? – an einem Feld in der Nähe der Mosel zu schaffen. Hui, dachte man da, hier gibt es aber extreme Viecher. Der Wein vielleicht. Seine noch unerforschten Langzeitfolgen.

Kurze Zeit später der Schock: Auch in der heimischen Umgebung, auf dem eigenen Balkon: so ein Wahnsinnsexemplar. Beinahe verdunkelte sich der Himmel, als es landete. Diese Heuschrecke hatte Ausmaße … um es kurz zu machen: so lang wie der kleine Finger eines herkömmlichen Zeitungsredakteurs. Oder sagen wir: eines häufig mit Umweltthemen befassten, aber ansonsten herkömmlichen Zeitungsredakteurs.

So etwas hatte er noch nie gesehen. Nicht in der Bundesrepublik Deutschland. Die zugewanderte Art musste das Mittelmeer überflogen haben, vom afrikanischen auf den europäischen Kontinent. Noch begnügte sich die Vorhut damit, einige wenige Balkonpflanzen im Frankfurter Norden anzunagen. Bald würden ihre Artgenossen folgen und die Getreidefelder kahlfressen.

Man kennt das von anderen Arten. Gänse vom Nil und aus Kanada verjagen uns aus unseren Freibädern und Parks. Schildkröten aus den Vereinigten Staaten von Amerika bedrohen unsere Wasserfauna mit ihrer gnadenlosen imperialistischen Expansionspolitik. Und sieht man nicht immer mehr Schlangen? Hat man nicht ständig Insektenstiche, ohne dass man eine Mücke summen hört? Diese fiese Kriebelmücke! Die ist doch ganz neu, die kommt doch aus … „mehr als 50 Arten sind aus Deutschland bekannt“. Aha. „Kommen seit vielen Hundert Jahren in ganz Rheinland-Pfalz vor.“ Na ja. Diese rheinhessischen Neozoen. Schlimm.

Aber die Riesenheuschrecken, die kommen doch sicher invasionsartig von ganz weit her. Oder? „Haben Sie ein Foto?“, fragt Andreas Malten zurück. Der Biologe kartiert für Senckenberg alles, was sich in den Frankfurter Biotopen aufhält. Er kennt gewissermaßen jedes einzelne Individuum in der Stadt beim Vornamen, egal, ob es acht Beine hat oder vier Flügel oder ein Horn in der Mitte der Stirn, wobei Letztere immer seltener werden. Warum wandern nicht mal Einhörner ein?

Kommt sofort, das Foto vom Riesenmonster. Aber noch während die E-Mail mit dem Bild unterwegs ist, lässt Malten den Begriff „Großes Grünes Heupferd“ fallen und erklärt: „Danach fragen oft Leute.“ Jaha, schon möglich – aber so groß wie mein kleiner Finger? „Normalerweise sind die sogar kräftiger als Ihr kleiner Finger.“ Oh. Wenn das so ist …

„Keine Sorge“, sagt der Heupferdkenner, „diese Tiere sind schon immer hier vertreten gewesen.“ Ohne dass sie unser Getreide weggefressen hätten. Und nach Übermittlung des Fotos: „Ja, ein schönes und typisches Männchen von Tettigonia viridissima, dem Grünen Heupferd. Ich wünsche ihm noch einen guten Appetit auf dem Balkon und Ihnen einen schönen Abend.“

Vielen Dank, auch im Namen des Heupferds. In den vergangenen Jahren seien übrigens häufig Gottesanbeterinnen in Frankfurt gesichtet worden, schickt Malten hinterher. Das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (www.hlnug.de) habe eigens eine Internetseite eingerichtet, auf der man Exemplare melden könne. Und wo kommen die her? „Die wurden früher mal auf dem Lerchesberg gesichtet und dann lange nicht mehr.“ Eine Fangschreckenart, die ursprünglich aus dem Villenviertel von Sachsenhausen stammt? Wie sinnig. Aber nein, sie kam von noch viel weiter südlich, ist aber in den heißen Sommern zu uns geflogen und hat es 2017 sogar zum „Insekt des Jahres“ gebracht. Herzlichen Glückwunsch, toi, toi, toi!

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